Mischlinge – die besseren Hunde?

Immer wieder muss ich, mit Bedauern und Befremden, feststellen, dass sich, in vielen Köpfen, immer noch hartnäckig der Irrglaube hält, ein Mischlingshund sei gesünder und robuster, als ein Rassehund.

 

Das ist Quatsch! Warum? Ganz einfach:

Ein Mischling ist ein Hund, der die Erbanlagen von zwei oder mehr Rassen in sich vereint. Was genau er von jedem Elterntier mit auf den Weg bekommt, ist nicht absehbar. Innerhalb eines Wurfes kann das ganz unterschiedlich verteilt sein. Dass die Würfel, bei jedem Individuum, anders fallen, sieht man hier oft schon an den phänotypischen Merkmalen, also am Aussehen der Welpen. Sie sind zumeist gänzlich verschieden, weisen z.B. deutliche Unterscheide bezüglich der Fellbeschaffenheit und –länge, des Körperbaus, der Größe oder der Form und Art der Ohren, Ruten etc. auf. Ebenso unterschiedlich sind die charakterlichen Merkmale. Was welcher Hund von wem geerbt hat, weiß man vorher nie. Ein Mix aus vielen Rassen kann alles Mögliche in sich bergen.
Und dies gilt ebenso für körperliche Einschränkungen, Anfälligkeiten und rassespezifische Erbkrankheiten.


Mal ganz offen und ehrlich:
Hier soll nicht geleugnet werden, dass es Rassehunde gibt, die zweifelsfrei krank gezüchtet wurden. Es gibt Rassen, deren äußere Merkmale schon einer Schwerbehinderung entsprechen… sogenannte Qualzuchten. Weiterhin gibt es leider unzählige Hundevermehrer, die mit der Produktion von Rassehundewelpen „einen schnellen Euro“ verdienen wollen und weder auf das Wesen, noch auf die Gesundheit ihrer Zuchttiere und deren Nachkommen achten. Gesundheitsvorsoge kostet Geld. Hier wird gerne gespart.


Auch kann ein Hund, aus einer erstklassigen, top-seriösen Zuchtstätte durchaus krank oder anfällig sein. Dies kommt dort deutlich seltener vor, als beim Vermehrer, aber eine 100%ige Immer-gesund-und-schier-unkaputtbar-Garantie kann einem niemand geben.
Wir reden hier von Lebewesen, von Seelen in Körpern, und nicht von Maschinen, und selbst bei letzteren gibt es bisweilen Exemplare, die öfters defekt sind, während andere viele Jahre einwandfrei funktionieren. Ein lebendiger Körper ist so vielen Einflüssen ausgesetzt, und überall kann einmal einer mit dabei sein, der schwächer ist, mit dem etwas nicht stimmt oder der einfach Pech hat. In gesunden Menschenfamilien (Und hier gibt es normalerweise so etwas wie Inzucht oder Linienzucht nicht.) werden auch bisweilen Kinder geboren, die krank sind, behindert oder einfach anfälliger für alles. Es ist dumm und anmaßend, einem Züchter abzuverlangen, dass er gefälligst ausschließlich perfekte und absolut makellose Tiere erzeugen soll.


Ein Züchter kann aber viel tun, um sicher zu stellen, dass nur kerngesunde und robuste, wesensfeste Tiere sich fortpflanzen dürfen. Auch liegt es in seiner Hand, Verpaarungen gründlich zu planen, indem er vorher die Abstammungsnachweise studiert und eruiert, ob die Linien zueinander passen und vermeidet, dass es zu „zu engen“ Verpaarungen kommt, also dass Tiere zusammenkommen, die nahe Verwandte sind.
Es gibt eine Fülle von Untersuchungen, DNA-Tests etc., zur Diagnose von Krankheiten, Feststellung körperlicher Mängel und zum Nachweis bzw. Ausschluss schädlicher Gen-Mutationen.

 

Und hier sind wir nun an der Stelle, wo ich dem geneigten Leser die Frage stellen möchte, ob er auch nur einen einzigen Erzeuger von Mischlingswürfen kennt, der beide Elterntiere auf alle evtl. vorhanden sein könnenden Erbkrankheiten etc. hat untersuchen lassen.
Naaa??? Hand auf´s Herz! Wer macht sowas?

 

Es mag sicherlich Ausnahmen geben, aber mir ist keine bekannt. Normalerweise werden hier Hunde verpaart, die niemals auf irgendetwas hin untersucht worden sind. Oftmals sind die Elterntiere selber bereits Mischlinge verschiedenster Rassen, so dass es schier unmöglich ist, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche rassespezifischen Erbkrankheiten, Gendefekte oder Veranlagungen zu bestimmten Beschwerden hier, in dem kunterbunten Gen-Salat, anzutreffen sein könnten.

Sicherlich kann man großes Glück haben und einen Hund bekommen, der nur die guten Erbanlagen abbekommen hat. Solches Glück hat man bisweilen auch bei einem Hund aus traurigster Hinterhof-Fabrikation. Überall kann man schon mal einen Glücksgriff tätigen, aber wer spielt schon gerne freiwillig Russisch Roulette?

 

Was, wenn man Pech hat, und der Hund hat eine Erbkrankheit abbekommen? Was, wenn er gleich zwei davon hat? Oder drei? Was, wenn er später nicht richtig laufen kann, weil niemand jemals geprüft hat, ob z.B. eine Hüftgelenks-Dysplasie  vorhanden ist, eine Patella-Luxation oder eine Ellbogen-Dysplasie? Was, wenn der Hund frühzeitig erblindet? Was, wenn er eine schwere Erkrankung, wie z.B. Morbus Addison, bekommt? Was, wenn er bestimmte Medikamente nicht verträgt, weil er an einem entsprechenden Gendefekt leidet? Was, wenn ihm die Haare ausfallen und er nahezu nackt herum läuft? Was, wenn er nichts hört? 

All dies und noch viel mehr sind Dinge, die ein Hund von seinen Eltern erben kann, ohne dass man diesen das einfach so ansehen könnte.

 

Glaubt Ihr allen Ernstes, wenn ein Hund z.B. eine autosomal dominant vererbbare Krankheit in sich trägt, er diese nicht an seine Nachkommen weitergibt, wenn sein Partner einer anderen Rasse angehört??? So naiv kann ja wohl niemand sein, oder? Die Antwort ist ganz klar: Er wird diese Krankheit an 50% seiner Nachkommen weitergeben, ganz egal, mit welchem Hund welcher Rasse oder Nichtrasse man ihn verpaart!


Gleiches gilt für Mängel und Probleme jeglicher Art.
Beispiel: Hat ein deutscher Schäferhund kaputte Hüften, hilft es seinen Kindern nicht, dass der andere Elternteil ein Labrador ist… oder ein Beagle… oder ein rumänischer Straßenhund. Dann laufen alle seine Welpen Gefahr, auch später Hüftprobleme zu bekommen. Punkt! Hat der andere Elternteil ebenfalls gesundheitliche Probleme, bekommt der hüftkranke Nachwuchs diese evtl. auch noch dazu. Bingo!
Und das liegt dann auch nicht daran, dass der Schäferhund reinrassig ist, sondern daran, dass er krank ist. Es gibt sie auch in gesund… beim guten, verantwortungsvollen Züchter. Aber wenn, bei einer Mischung, auch nur ein einziger Hund mit am Werke war, der irgendeine Krankheit weiter vererbt, dann hat man Welpen, von denen einige gesund sind und bleiben und andere eben nicht.

 

So ein Mischling ist immer eine Wundertüte… in jeder Hinsicht. Man weiß nicht, was man bekommt.

 

Dies gilt nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für das Wesen, die Veranlagung, Neigung, Eignung des Hundes. Nicht jeder Mensch passt zu jedem Hund. Wenn jemand sich einen Welpen anschafft, mit dem er hinterher völlig überfordert ist, weil dieser Eigenarten an den Tag legt, mit denen niemand gerechnet hätte, ist das traurig… in erster Linie für den Hund, der evtl. zum Wanderpokal wird.


Ein Mix kann ein wundervoller und durchaus bildschöner Hund sein. Manch ein stammbaumloser Bastard entpuppte sich als der beste und treueste Kamerad, den sein Mensch sich je hätte wünschen können. Aber da sind leider auch die unzähligen Hunde, die nicht so sind, wie gewünscht… wie erwartet. ..


Ein Mischling kann z.B. eine Kombination von Eigenarten aufweisen, die wenig wünschenswert ist.

Was, wenn so ein Hund z.B. über einen ausgeprägten Dickschädel verfügt, kombiniert mit einer angeborenen Schärfe, fehlendem Appell und dazu noch einem starken Beschützerinstinkt? Dieser Hund gehört in Profihände.

Was, wenn ein Stadthund solch einen Hütetrieb hat, dass er die Kinder, auf den Spielplatz, zusammentreibt, wie Schafe und den Störrischen, unter ihnen, gekonnt in die Hacken beisst? Das gibt Ärger!

Was, wenn der verwöhnte Schoßhund, bei der älteren Dame, die nicht „Nein!“ sagen kann, nicht nur zubeißt, sondern auch nicht mehr loslässt? Arme Omi!

Was, wenn der gewünschte Sportpartner Hund lieber bequem auf seiner Matratze liegt, als mit dem Menschen über den Agility-Parcours zu hechten? Schade!

Und wenn der hübsche Mischling, von dem es heißt, es sei so etwas wie Collie darin, ein wenig Husky und vielleicht noch ein bisschen Schäferhund, irgendwo, weiter hinten in der Ahnenreihe, eine gehörige Portionen Jagdhund mitbringt, und man wollte doch keinen Hund, der wildern geht?

 

Ich will jetzt hier nicht den Wert eines Mischlingshundes herab setzen.
Darum geht es mir nicht, und ich bitte darum, meine Zeilen nicht in den falschen Hals zu bekommen!
Ich möchte lediglich mit dem Vorurteil, dass der Mischling der bessere Hund sei, aufräumen.

 

Fakt ist:
- Mischlinge können ebenso krank, körperlich eingeschränkt oder anfällig/empfindlich sein, 
  wie ein Rassehund.
- Beim Rassehund aus guter Zucht werden alle Möglichkeiten der Vorsorge getroffen, was bei
  einem Mischlingswurf eigentlich nie der Fall ist.
- Ein Mischling hält nicht mehr aus, als ein Rassehund. Wie sensibel, verletzlich, zäh oder

  robust ein Hund ist, hängt von seiner jeweiligen körperlichen Beschaffenheit ab.
- Ein Rassehund aus guter Zucht ist selbstverständlich ein individuelles Wesen, eines, welches
  einzigartig ist und seinen ganz eigenen Charakter aufweist. Aber, was die Grundveranlagung

  eines solchen Hundes betrifft, kann man hier ganz klare Aussagen tätigen. Die meisten

  Rassen sind eben sehr spezialisiert, wurden zu einem bestimmten Zweck gezüchtet, über

  viele Generationen hinweg.
  So kann man, im Vorfeld, eine genaue Vorstellung davon bekommen, was einen erwartet,

  wenn man sich einen Hund einer bestimmten Rasse zulegt. Bei einem Mischling weiß man

  das nie.
- Es gibt definitiv rassespezifische Erbkrankheiten, und derer nicht zu knapp. Bei einem

  Rassehund weiß man, wo dort die Schwachpunkte liegen könnten und kann sich einem

  guten Züchter anvertrauen, der diesbezüglich alle Untersuchungen bzw. Tests hat

  vornehmen lassen, um das Vorhandensein dieser Krankheit bzw. Genmutation, bei seinen 

  Zuchttieren, auszuschließen. 

  Ein Mischling kann die negativen Gene verschiedenster Rassen in sich vereinen.

 

 Manch eine lustige Promenadenmischung ist ein genetischer Supergau!

 

Sicherlich wird manch ein Besitzer eines kerngesunden, klugen und liebenswerten Mixhundes, beim Lesen meiner Zeilen, ungläubig oder gar zornig den Kopf schütteln. Jeder kennt etliche Mischlinge, an denen nichts auszusetzen ist. Aber es gibt auch die anderen. Fragt Euren Tierarzt!


Ach… apropos Tierarzt: Es mag ungerecht klingen, und es trifft auch nicht auf alle Hundehalter zu, aber leider neigt der Mensch dazu, teuer Bezahltes umsichtiger zu behandeln, als günstig Erworbenes. Manch ein Mischlingshund leidet an einer Krankheit, die niemals diagnostiziert wird, weil der Hund im Leben keinen Tierarzt zu Gesicht bekommt. Es gibt Menschen, die kranke Hunde ins Tierheim abschieben oder sie arglosen Mitmenschen andrehen, um sich, kaum dass der Kranke aus dem Haus ist, den nächsten Welpen heran zu holen. So ein Mischling ist ja billig zu kriegen, manchmal sogar umsonst. Und getreu dem Motto „Watt nüscht kostet, datt is auch nix!“ liebt man diesen Hund nur so lange, wie er weder großen Ärger macht, noch viel Geld kostet. Mit dem teuren Handy geht man u.U. fürsorglicher um…
Natürlich geraten auch teure Rassehunde bisweilen in fragwürdige Hände, das darf man nicht verschweigen. Vor Idioten ist nichts und niemand sicher. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund es später einmal gut hat, scheint mit seinem Preis zu steigen.

Aber es ist leider oftmals so, dass die Menschen, die gut informiert sind, die sich ganz bewusst für eine bestimmte Rasse entschieden haben, die wissen, was so ein Hund kostet und weder den Kaufpreis, noch die eventuelle Wartezeit, noch eine weitere Anfahrt scheuen, um den Hund ihrer Träume zu bekommen, eher dazu neigen, beim geringsten Anzeichen den Tierarzt aufzusuchen, als jene, bei denen der Hund, bei der Anschaffung, schon nichts kosten darf. Es ist traurig, aber wahr!

 

Dies ist natürlich eine Tatsache, die jede Statistik verfälschen würde, denn ein Hund, der nicht beim Tierarzt landet, wird auch nirgendwo als Krankheitsfall verbucht. 

Schimpft auf mich, wenn Ihr anderer Meinung seid, aber schaut Euch um, denkt nach!

 

Und bevor Ihr jetzt sagt: „Ich kenne sooo viele wundervolle, gesunde Mischlingshunde!“, zählt doch im Gedanken mal die wundervollen, kerngesunden Rassehunde zusammen, die Ihr kennt. Und bei denen, die nicht gesund sind, fragt doch einmal nach, woher sie kommen. Sind das Hunde vom VDH-Züchter? Oder sind es bedauernswerte Produkte kommerziell orientierter Vermehrer? Sind es Schnäppchenhunde aus dem Kofferraum?

Fragt nach! Seid kritisch! Lasst Euch nichts vormachen!
Ihr werdet staunen, was dabei heraus kommt!