Spitz(en)-Geschichten

Gelegentlich schreibe ich meine Erlebnisse mit den Tieren auf. Hier möchte ich einige Anekdoten rund um meine Zwei- und Vierbeiner mit Euch teilen.

August 2022:

Mama Möppi 
Möppi ist so eine liebevolle, gute Mutter.
Milch hat sie nicht mehr viel, vielleicht auch gar nicht mehr. Die Kleinen nuckeln manchmal an ihren Zitzen, aber nur ganz kurz. Möppi umsorgt sie aber immer noch hingebungsvoll. Sie werden gewaschen, liebkost, zurechtgewiesen, belehrt und beschützt, den ganzen Tag über.
Oft beobachte ich die Drei im Welpengehege, wenn Mama Möppi sie mit dem grunzenden Gummischwein zum Spielen auffordert, ihnen das Apportieren beibringen will und gemeinsam mit ihnen klettert und Dinge erforscht.
Immer, wenn sie mich anschaut, strahlt ihr hübsches, kleines, rotes Gesicht. Sie lacht regelrecht, und aus ihren dunklen, warmen Augen springt mir das pure Mutterglück regelrecht entgegen.
Sie ist ein wundervolles Wesen, ein großer Charakter in einem feuerroten, kleinen Körper.
Wenn ich sie irgendwohin mitnehme, und sei es nur kurz zum Einkaufen, in die nächstgelegene Stadt, dann fährt sie freudig mit, obwohl ihre Kinder zuhause bleiben. Sie weiß sie dort gut aufgehoben, beim Herrchen, der restlichen Spitzrotte und Igor, der alle anderen beschützt. Ohne einen Blick zurück zu werfen folgt sie mir, rennt voraus, umkreist mich, spring auf und ab und ist ganz außer sich, vor Vorfreude, auf die gemeinsame, kleine Unternehmung.
Schicke ich mich jedoch an, auch ihre Welpen einzupacken, dann ist ihr Glück nicht mehr zu toppen. Dann flitzt sie noch viel schneller zum Auto und wieder zurück, springt viel höher und jauchzt bisweilen, vor lauter Lebenslust.
Draußen, in der Natur, wo uns niemand stört, wackeln ihre kleinen Minimöppen mit forschen Schritten voraus. Sie sind voller Neugier, voller Wissensdurst. Manchmal verharren sie, zögern, brauchen eine Weile, um Mut zu fassen. Manchmal schrecken sie auch zurück, suchen Schutz bei ihrer Mutter oder mir, um dann, wenn sie erkennen, dass alles halb so schlimm ist, wieder munter drauf los zu hoppeln. Oft noch ungeschickt springen sie umher, stecken ihre kleinen, schwarzen Gummelnasen in Löcher, betasten Dinge mit ihren samtweichen Tatzen oder zerren verwegen an etwas herum.
Und immer ist Mama Möppi in der Nähe, immer ein Auge auf die Kleinen gerichtet. Sie beobachtet die beiden Chaoten ganz genau, stellt sich bisweilen vor sie, maßregelt sie auch schon einmal, aber sie animiert sie auch, Neues zu entdecken und auszuprobieren.
Da auch ich auf die Kleinen achte, wie auf alle meine Hunde, tauschen wir zwei, das Möppen und ich, oft Blicke aus. Manchmal signalisiere ich ihr, dass sie ruhig laufen und sich austoben kann, denn ich passe auf. Das nimmt sie dankbar zur Kenntnis und saust los. Wenn sie genug hat, kommt sie zurück und tut mir kund, dass sie nun wieder die Aufsicht über ihre Kinder übernimmt.
Wenn die Zwei zu waghalsig werden, wirft sie mir manchmal sorgenvolle Blicke zu. Dann gehe ich genau nachschauen, was die Beiden machen und trage sie notfalls auch schon einmal ein ganzes Stück weiter, leine sie an oder ähnliches.
Manchmal ist ihr Blick auch voller Stolz, nämlich dann, wenn ich die Kleinen lobe, wenn ich sie voller Liebe und Bewunderung anschaue und Möppi dafür danke, dass sie mir diese herrlichen Geschöpfe geschenkt hat.
Manchmal lacht sie mich an, weil ihre Kleinen, wie die Wilden, toben und rennen, dass es nur so staubt. Das gefällt ihr. Das sind die Momente, in denen man sieht, dass das Möppi´s Kinder sind, kleine, rote Plüschratzerüben, die richtig Pfeffer im Hintern haben, wie ihre Frau Mama.
Oft aber sieht man in ihrem Gesicht einfach nur dieses Strahlen, diesen einmaligen Ausdruck, den nur die Mutterliebe auf ein Gesicht zu zaubern imstande ist... 


Juli 2022:
Die tapfere Polle
Polle ist wirklich ein extrem tapferer, ja geradezu verwegener, kleiner Hund. Aber manchmal muss sie sich ein wenig überwinden, um mutig zu sein.
Heute regnet es, wie aus Kannen. Aber die Spitzrotte verlässt das Haus, stürzt hinaus, und alle suchen sich, nicht weit weg vom schützenden Schleppdach des Stallgebäudes, gegenüber vom Haus, eine Stelle zum Pinkeln. Sie sind schnell fertig und huschen wieder unter das Dach. Dort lässt es sich aushalten. Scully und Gisela jagen einander rund um mein Auto herum, Jurek beobachtet unentwegt die Haustüre, Möppi kontrolliert alle Pinkelstellen, um sie gründlich zu überpinkeln, und Polle sieht man nicht. Sie ist hinter dem Auto, da wo niemals ein Tropfen Regenwasser hinkommt.
Irgendwann komme ich wieder zur Türe, um die Rotte wieder rein zu lassen. Ich öffne die Tür und rufe "Hunde!"
Jurek, der schon in den Startlöchern steht, fliegt herbei. Er gallopiert nicht, wie ein kleines Pferd, sondern springt in großen Sätzen, ähnlich einem Reh, auf der Flucht. Die drei Stufen nimmt er fliegend und huscht, an mir vorbei, ins Haus.
Ihm folgt flott das Möppen. Es scheut das Wasser nicht. Es scheut eigentlich überhaupt nichts. Es ist der tapferste, kleine, rote Hund der Welt.
Gisela pretscht herbei, einem weißen Pfeil gleich. Sie hat eine ganz eigene Art, zu rennen. Als Pferdefreundin bin ich geneigt, zu sagen, ihr Galopp sei eher gelaufen, als gesprungen. Die Treppenstufen nimmt sie jedoch mühelos und flitzt ins Innere.
Scully kommt, von irgendwoher, heran. Sie hat es offenbar nicht ganz so eilig, hätte gerne noch mit Gise unter dem Dach gespielt.Man könnte nun meinen, alle Spitze wären drin, wüßte man nicht, dass die Polle fehlt.
Die Polle sehe ich nicht. Sie verharrt hinter dem Auto. Also rufe ich sie: "Polle! Komm!" Nun wird sie sichtbar. Sie steht nun neben dem Kofferraum und schaut abwechselnd auf mich und auf den Regen. "Polleee!" rufe ich erneut. Polle hebt eine Vorderpfote an. Sie sieht aus, wie ein Vorstehhund. "Komm!" Die Polle wippt leicht vor und zurück. Sie braucht noch etwas Motivation. Also rufe ich erneut: "Komm Polleee!" Nun gibt es für sie kein Halten mehr. Sie katapultiert ihren kleinen, feuerroten Leib tapfer in die niederprasselnden Fluten hinein und gallopiert los. Ihr Galopp ist gesprungen, sehr gesprungen, wie bei jenen Zirkuspferden, die eine Schmuckfeder auf ihren Köpfen tragen. Man hört leise "Patsch! Patsch! Patsch!", als sie durch die Pfützen springt.
Je näher sie kommt, desto besser kann man ihre Mimik erkennen. Ihre großen Kulleraugen sind zusammen gekniffen, sind nur noch Schlitze. Ihr ganzes Gesicht drückt Unbehagen aus. Auf den letzten 3 bis 4 Metern beschleunigt sie noch einmal. Ihre Ohren sind nach hinten geklappt, die Nase ragt nach vorne hinaus. Die Polle macht einen auf Aerodynamik, um schneller voran zu kommen.
Drinnen angekommen schüttelt sie sich kurz und nimmt wieder die spitztypische, stolze Haltung ein. Ich lobe sie: "Toll Polle. Gut gemacht!"
Ihre Reaktion ist ebenfalls spitztypisch. Sie tänzelt, betont gelassen, um mich herum, hält dann inne, schaut mich an, und ihr Blick sagt: "Was hast du? War doch alles ganz easy."


Januar 2021

Maruschka und das Licht
Ich erinnere mich gerade an meine, im Dezember 2019 verstorbene Großpudelhündin Maruschka…
Es gibt, hier im Hof, eine Lampe mit Bewegungsmelder, und wenn man dessen Sensorenbereich kreuzt, dann geht das Licht an. Nach einer Weile erlischt es aber wieder. Dann muss man, wenn man noch Licht braucht, den Bereich wieder aufsuchen, damit es wieder angeht…
Maruschka war ein hyperaktiver Hund. Sie hatte keine Ruhe im Leibe. Von Anfang an war sie ein regelrechter Zappelphilipp, rannte ständig rastlos umher, hatte Konzentrationsschwierigkeiten und war nur in geschlossenen Räumen ruhig und entspannt. Ein Tierarzt aus Aachen hat mir irgendwann einmal gesagt, der Hund habe ADHS, und man könne ihr dafür Tabletten geben. Ich habe ihn damals angeschaut und gesagt „Nennen sie es, wie sie wollen. Ich nenne es „Hummeln im Hintern“, und dafür braucht man keine Pillen.“
Es war nicht einfach mit ihr, denn ihr etwas beizubringen, war so eine Sache für sich. Es gelang mir aber, Zugang zu ihr zu finden und ihr vieles beizubringen. Sie glänzte bei allem, was mit Schnelligkeit, sportlicher Leistung, Bewegung zu tun hatte. Aber Dinge, bei denen man stillhalten und sich konzentrieren musste, waren nichts für sie. Ich akzeptierte das und machte das Beste daraus. Sie war eine Sportskanone der Superlative, konnte Dinge, die man sich kaum vorstellen kann. Sie sprang über meinen Kopf hinweg, als sei ich ein Zwerg, schwamm weite Strecken in Rekordzeit, kraxelte steilste Hänge hinauf und sprang hinterher einfach hinunter. Sie wurde niemals müde und rannte schneller, als mancher Windhund. Mein Igor z.B. rennt längst nicht so schnell, wie Maruschka es damals vermochte…
Da Maruschka gerne Dinge lernen und sich nützlich machen wollte, war sie also zuständig für alles, was mit Bewegung zu tun hatte. So nutzte ich ihre Leidenschaft fürs Herumrennen seinerzeit, um mit ihrer Hilfe, die Lampe im Hof einzuschalten. Ich rief ihr einfach zu „Maruschka! Licht an!“ und sie rannte los und kasperte so lange vor dem Bewegungsmelder herum, bis das Licht erstrahlte. Das machte ihr großen Spaß, und sie war mächtig stolz auf sich…
Als Maruschka zu altern begann, ließ ihr Gehör immer mehr nach. Irgendwann konnte sie gar nichts mehr hören, und ich konnte ihr keine akustischen Kommandos mehr geben. Tagsüber reagierte sie sehr gut auf stumme Zeichen meinerseits, aber im Dunkeln war die Kommunikation mit ihr schwierig.
Maruschka aber war zwar wibbelig, jedoch nicht dumm, und so begann sie, ganz von selber, das Licht anzuschalten, sobald ich mich näherte und sie davon ausging, dass ich einer Erleuchtung bedürfe…
Sie nahm das Ganze sehr ernst und erledigte ihren Job mit großer Präzision…
Als sie, zum Ende hin, so geschwächt war, dass sie oftmals sogar einfach nur da lag und das Treiben der anderen Hunde passiv beobachtete, stand sie trotzdem noch auf und „schaltete“ das Licht ein, freiwillig und aus eigenem Antrieb...
Sie war der einzige Hund, der diese Übung beherrschte, und sie sah es wohl als ihre Pflicht an, als ihren unverzichtbaren Part, im alltäglichen Rudelleben, den zu erfüllen sie allzeit bereit war, pflichtbewusst und zuverlässig, bis zuletzt…
Am Abend vor dem Tag, an dem sie die Dunkelheit nicht mehr erlebte, weil sie die erlösende Spritze bekam, schaltete sie mir noch, treu ergeben, die Lampe an, schweren Schrittes, wankend, aber voller Stolz über den sichtbar eingetretenen Erfolg ihres Tuns.
Sie stand dann da, im Lichtkegel der Lampe, ihre trüben Augen schauten mich an… voller Stolz, ihr Gesicht lachte und die fahlen Locken ihres stumpfen Fells wirkten leuchtender, als am Tage.
Ich tätschelte ihren Kopf, drückte ihn kurz an meinen Oberschenkel, so wie ich es immer tat, wenn ich ihr zeigen wollte, dass ich stolz auf sie bin…
Am Abend ihres Todestages blieb es dunkel im Hof. Manchmal löste einer der anderen Hunde zufällig den Impuls aus, der die Lampe erleuchten ließ, aber niemand schaltete sie wieder an, wenn sie erlosch…
Heute noch stehe ich oft im Dunkeln und denke, voll Wehmut, an Maruschka.
Ihre Tätigkeit, als Lichteinschalterin, war so selbstverständlich für mich gewesen. Ich habe damals gar nicht großartig darüber nachgedacht. Sie machte halt ihren „Job“, so wie wir alle hier unser Ding machen… jeder so, wie er kann und/oder will…
So geht es mit so Vielem, im Leben. Es ist so selbstverständlich, obwohl es das gar nicht wirklich ist. Die außergewöhnlichsten Dinge werden zur Routine, zur Normalität, die man hinnimmt, ohne jemals dankbar dafür zu sein oder sich darüber bewusst zu sein, dass es etwas Schönes, Wunderbares ist, was da tagtäglich geschieht…
Maruschka, der ADHS-Hund, konnte vieles, was andere Hunde nicht konnten. Ihre Pudelkameradin und beste Freundin Galina war das genaue Gegenteil von ihr. Sie glänzte in allem, was mit Konzentration und innerer Ruhe zu tun hatte. Galina konnte man 5 Hundekuchen auf den Kopf stapeln und oben drauf noch eine brennende Kerze. Und sie trug es, mit Stolz und Würde, ohne zu wackeln. Galina konnte auch versteckte Menschen finden, schnell und zuverlässig. Und es war gut so, dass sie das alles konnte, denn ihr Körper war nicht mit Gesundheit gesegnet, und hätte man ihr sportliche Höchstleistungen abverlangt, wie Maruschka sie vollbrachte, wäre sie kläglich daran gescheitert. Sie tat das, wozu sie imstande war, und sie tat es mit Bravour…
So hat ein jedes Wesen seine Stärken und Schwächen, und man kann mit jedem von ihnen etwas anfangen, man muss nur wissen, was.
Jetzt, wo ich wieder einmal hier sitze und, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, an meine Maruschka zurück denke, fallen mir so viele Dinge ein, die sie ausmachten, die sie tat, weil sie es konnte und weil sie mir gefallen wollte. Sie war, hier bei mir, am richtigen Platz. Sie kam in mein Leben, zeigte, was sie konnte und gab ihr Bestes… bis zum Schluss. 


Januar 2020
Selektive Taubheit bei Windhunden
Ich hatte schon Hunde verschiedenster Rassen, und auch ein Mischling war schon mit dabei. Auch kannte ich schon eine Menge verschiedenster Hunde, aller Arten, Größen und Varietäten, manche davon sogar sehr gut...

Jede Rasse hat ihre Stärken und Schwächen, jede eine besondere Fähigkeit, über die die meisten Vertreter dieser Rasse verfügen, der eine mehr, der andere weniger...

Die wohl herausragendste Begabung der diversen Windhundrassen ist die Fähigkeit, ihre Ohren, egal wie sie geformt sind, jederzeit, völlig mühelos, vor nicht erwünschten akustischen Reizen zu schützen...

Wenn ein Windhund nichts hören will, dann hört er nichts, und das liegt an seiner Anatomie:

Bei "normalen" Hunden dringen die Schallwellen automatisch ins Ohrinnere ein. Ob und inwieweit die akustischen Signale an das dazugehörige Gehirn weitergeleitet und ob und inwiefern sie sodann ausgewertet werden, ist variabel, aber eines steht fest: Die Töne gelangen ins Ohr. Bei manch einem Exemplar dringen Töne nicht bis ins Gehirn durch, sondern treten, auf einer Seite, in den Gehörgang ein, um, gleich darauf, auf der anderen Seite, wieder auszutreten. Man spricht dann davon, dass der Hund seine Ohren "auf Durchzug" gestellt hat...

Bei Windhunden ist das gänzlich anders. Windhunde können, völlig willkürlich, eine Art unsichtbaren Schutzschild aktivieren, welcher die Ohrmuschel quasi so umschließt, dass bestimmte Geräusche nichts ans Ohr gelangen können. Dies gilt aber nicht für alle Arten von Tönen. Der Schutzschild ist durchlässig für Erwünschtes,  Unerwünschtes hingegen wird effektiv geblockt, so dass es nicht einmal in die Nähe des Hörorganes vordringen kann. Dieser selektive Tönefilter arbeitet sehr präzise und absolut verlässlich. Ein Wunder der Natur. Die abgeblockten Schallwellen dringen so nicht ins Ohr ein, sondern rauschen ungebremst um den schlanken Schädel herum, um dann ungehört, im Nichts,  zu verhallen.

Die lange, spitze Schnauze des Windhundes dient u.a. auch dazu, herannahende Schallwellen zu brechen, um sie, beidseitig, am Kopf vorbei zu leiten...

Mein Flappes, der Igor, hat seinen Schutzschild so eingestellt, dass er nicht nur nach inhaltlichen Kriterien auswählt, was zu hören er imstande ist und was nicht, sondern er selektiert auch nach Stimmen…

Das äußert sich z.B. so, jeden Tag aufs Neue:

Das Herrchen, welches sich bisweilen dazu berufen fühlt, die Hundemeute hinauszulassen, ob dass sie ihr Geschäft verrichten mögen, kommt zurück zur Haustüre, wo die Spitzrotte bereits wartet und lässt sie wieder herein…

Anschließend ruft er den Flappes… leider vergeblich. Immer wieder ruft er seinen Namen, mal freundlich, mal vielversprechend, mal gereizt, mal streng und am Ende genervt. Er flötet, pfeift, schnalzt mit der Zunge, aber nichts geschieht. Igor ist verschwunden… unsichtbar für das Herrchen.

Manchmal gibt er erst einmal auf, denkt sich, dass Igor evtl. noch nicht fertig ist, mit der Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten…

 

 Igor ist wählerisch, was den Ort betrifft. Die Windrichtung muss stimmen, der Bodenbewuchs auch, und er muss , wenn er sich einmal für einen Teilbereich, im Hinteren des Grundstückes, entschieden hat, die Parzelle erst einmal, mit seiner Wünschelrute ablaufen, damit er nicht versehentlich auf eine Wasserader kackt…

Wohlwissend um diese Eigenart unseres großen, weißen Hundes, zieht das gewissenhafte Herrchen sich also zunächst einmal ins Hausinnere zurück, um dort eine Weile auszuharren, bevor er einen erneuten Versuch startet, den Flappes zurück ins Haus zu zitieren…

Der zweite Versuch verläuft ähnlich, wie der erste:

„Igor!“ trällert er heiter… „Komm!“

„Igooor! … Wo bist Du?“

*flööööt*

„Iiiiiiiigoooor! Komm, mein Flappes!“

*pfeif*

Er klatscht in die Hände….

„Komm, Igor! Zack-Zack!“

„Iiiiiggoooooorrrr! Komm!“

Er stampft mit dem Fuß…

„Komm, du Arsch!“

Und wie immer endet es damit, dass er nach mir ruft, wobei er sein Anliegen, je nachdem, wie er gelaunt ist und wie lange er bereits mit Schallwellen auf Igors Schutzschild geschossen hat, gänzlich unterschiedlich formuliert. Das Spektrum reicht von „Kannst du ihn mal rufen? Er kommt wieder nicht.“ Bis hin zu „Ruf du das verdammte Arschloch!“ Gerne fügt er noch so etwas hinzu wie „Es wird Zeit, dass du diesem Köter endlich Manieren beibringst.“ Oder „Wann gedenkst du eigentlich, mit Igors Erziehung zu beginnen?“

Dann kommt mein kurzer und völlig unspektakulärer Einsatz: Ich muss gar nicht bis zur Haustüre gehen. Ich öffne lediglich das nächstgelegene Fenster, lasse meinen Pfiff erklingen und rufe kurz: „Igooooor! Komm!“

Sekunden später steht er vor der Haustüre, mein Flappes... de Mama seine jute Jung  ...

Das Herrchen kann ihn dann reinlassen.


August 2020:

Über Igor und Jurek, Menschlichkeit und Tierlichkeit und überhaupt…

Sie sind zwar sehr unterschiedlich, aber sie haben einander gern. Igor möchte immer mit Jurek schmusen, was dieser bisweilen auch mitmacht. Toben möchte er aber nicht so gerne mit ihm, es sei denn, Igor läuft vor und er hinterher. Ansonsten tobt er lieber mit der Polle, denn die ist leichter zu bändigen, als der große, lange Flappes...

Sie verbindet so eine Art tolerante Männerfreundschaft, wobei jeder Kompromisse eingehen muss, dies aber offenbar gerne tut, da der jeweils andere ihm augenscheinlich sehr am Herzen zu liegen scheint und man sich seiner Vorzüge durchaus bewusst ist.

Was das Essen betrifft, haben sie den gleichen Geschmack. Und da habe ich dann heute etwas beobachtet, was mich amüsierte, aber auch nachdenklich stimmte:

Ich stellte Igor seine Schale mit Essen hin. Es gab Menschenessen, was er stets begrüßt. Jurek war auch hungrig, und nach einem kurzen Blickwechsel mit Igor, der sich noch im Flundermodus befand, trat er an das Schüsselschen heran und begann, mit Appetit zu fressen. Besonders die Nudeln hatten es ihm angetan. Er verputzte eine nach der anderen...

Igor lag daneben und betrachtete das Ganze, mit sichtlichem Wohlwollen...

Erst als Jurek satt war und sich zur Ruhe begab, stand Igor auf, nahm sein Näpfchen und trug es zu seinem Bett, wo er es abstellte, eine Weile überlegte, Maß nahm, den Inhalt der Schüssel auf Qualität, Menge und Konsistenz überprüfte, sich zweimal im Kreise drehte, um sich schließlich daneben zu legen und genussvoll alles aufzuessen...

Igor ist ein Genießer, ein Gourmet. Auch hier unterscheidet er sich, wie in vielerlei Hinsicht,  von normalen Hunden. Gieriges Schlingen und unbeherrschtes Geifern nach Nahrung sind ihm fremd. Sichtbare Vorfreude auf ein schmackhaftes Mahl oder einen besonderen Leckerbissen zeigt auch er, aber immer so, wie es einem Zarenkind gebührt, beherrscht und irgendwie vornehm. Befände er sich in Gesellschaft eines Rudels jener verfressenen, wandelnden Mägen, die jederzeit bereit sind, Haus, Hof und ihren Menschen zu verraten, für ein Stück Wurst oder einen Knochen, dann würde er sicherlich verhungern... mit Würde und Stolz verhungern, während das niedere Volk, der Mob, sich um das Futter prügelt...

Der kleine Jurek wird ihm immer ähnlicher. Er isst gerne und ist meistens irgendwie hungrig, aber er mag am liebsten ruhig und genussvoll speisen, nicht gehetzt von anderen, die ihm sein Futter neiden und nicht an einem ungemütlichen Ort. Auch isst er nicht sehr schnell. Er weiß, dass er länger etwas davon hat, wenn er sich Zeit lässt...

Nun lag also seine Herrlichkeit auf seinem Hundebett und speiste seelenruhig, als sein kleiner Freund Jurek, nachdem sich das Futter in seinem Bauch etwas gesetzt hatte und er dachte, da ginge vielleicht doch noch etwas rein, an ihn heran trat und ihn anschaute, als wolle er sagen "Bekomme ich auch noch etwas?"

Igors Antwort war deutlich, aber frei von jedem Groll. Er schaute Jurek nur kurz an... ganz kurz, aber die Botschaft war eindeutig und unmissverständlich: "Du hattest deine Chance." lautete sie... "Und nun möchte ich in Ruhe weiter essen."

Jurek nahm es ihm nicht übel. Schließlich hatte er eigentlich bereits genug gegessen. Er war pappsatt, aber es war doch so lecker. Wir alle kennen das, nicht wahr? ;-)

Der Kleine zog sich zurück, legte sich auf die kühlen Fliesen, das Köpfchen auf die Pfötchen und schloss müde seine Augen. 

Igor widmete sich wieder seinem Schüsselchen und pulte zuerst die besten Stücke heraus. Nach einer Weile war aber alles weg und das Näpfchen sauber, wie gespült...

 

Am Ende lagen beide gemeinsam auf den Fliesen, deren Kühle ihnen wohl tat… dicht bei einander… dicht genug, um zusammen zu sein… aber nicht so dicht, dass einer den anderen mit seiner Körperwärme hätte stören können…

Ich schaute in zwei zufriedene Gesichter… in ein kleines und ein großes… in das eines kleinen, blonden Fuchses und in das eines gelockten XXL-Ameisenbären. Gemeinsam genossen sie die wohltuende Zugluft, die über sie hinweg strich, das gute Gefühl, satt zu sein und die Zweisamkeit…

 

Ich liebe es, diese kleinen, alltäglichen Situationen zu beobachten, zu sehen, wie die Vierbeiner miteinander umgehen. 

 

Sie unterscheiden sich nicht so sehr von uns Menschen, auch wenn der gemeine Mensch sich gerne einredet, über den Tieren zu stehen, ein höheres Wesen zu sein, von herausragender Intelligenz und vor allem weniger von Instinkten, als vom Verstand gesteuert...

Große Menschen bringen kleinen Menschen Manieren bei, eiserne Regeln zwischenmenschlichen Miteinanders, die, sofern man sie einhält, vortäuschen, dass man sich nicht nur zu beherrschen wüsste, sondern darüber hinaus selbstlos und edel sei. In Wahrheit aber ist der Mensch ein Raubtier, immer darauf aus, sich das dickste Stück vom Kuchen abzuschneiden. Daran können ihn auch die noch so guten Manieren nicht hindern. 

Einzig der Respekt vor einzelnen Artgenossen oder die Liebe, die Solidarität oder das Mitgefühl veranlassen Menschen dazu, das zu sein, was wir „menschlich“ nennen…

Diese „Menschlichkeit“ sehe ich aber auch bei den Tieren. Sie sind nicht nur die triebgesteuerten Organismen, die ununterbrochen danach trachten, für sich und die eigene Brut Nahrungsressourcen zu sichern. Mag sein, dass sie so sind, wenn sie ums Überleben kämpfen, ebenso, wie der Mensch, aber jene, die um ihr Durchkommen nicht bangen müssen, zeigen sich mitunter außerordentlich duldsam und großzügig, untereinander. 

 

Da sind sie uns ähnlich, nicht wahr? Der Mensch ist nicht besser, als das Tier, egal, wie zivilisiert und wie nobel er sich auch verhalten mag. 

Manch eine edle Geste basiert nämlich hauptsächlich auf der Tatsache, dass es der betreffenden Person gerade so gut geht, dass sie sich Solidarität, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit locker leisten kann. Werden die Zeiten schlecht, wird der Mensch zur Bestie. Man sieht es immer wieder. Es gibt keine Notlage, die nicht irgendein Halunke für seine Zwecke missbraucht, kein Drama, von dem nicht irgendwer profitiert und keinen Ausnahmezustand, in dem nicht geklaut und geplündert wird. 

Menschen sind Tiere… Tiere, die abstrakt zu denken imstande sind und dennoch alles zerstören, die ihre eigene Lebensgrundlage, ihren Lebensraum, ihre Welt kaputtmachen. Menschen wollen alles haben, und die, die schon alles besitzen, wollen noch immer mehr…

Aber es gibt auch immer noch das Gute in uns, die Liebe, den Respekt, die Menschlichkeit…

Ich, für meinen bescheidenen Teil, bin glücklich darüber, dass der Mensch nicht die einzige denkende und fühlende Art, auf dieser Erde, ist. Und ich danke unserem Herrgott dafür, dass er mir die Gabe verlieh, das Schöne, das Liebenswerte, das Menschliche, das Lustige und das Verrückte, in all den Wesen, die mich umgeben, zu sehen. ..


Juni 2020:
Über Igor und Menschen, die etwas von Hunden verstehen

Einen Hund mit sich zu führen, dessen Äußeres ein wenig exotisch anmutet, der nicht einer Rasse angehört, von der in jedem Dorf ein Dutzend Exemplare herumlaufen, erregt Aufsehen und ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Und wann immer ich mit Igor unterwegs bin und fremden Menschen begegne, kommen irgendwelche Kommentare, seitens diverser Leute, über meinen Flappes.

Hierbei unterscheide ich zwischen zu mir gesagten Dingen und jenen, die man sich zutuschelt oder teils auch deutlich hörbar sagt, ohne meiner Person auch nur die leiseste Beachtung zu schenken. Manche Menschen haben halt keine Manieren oder/und denken, alle anderen seien taub.
Meistens werde ich aber angesprochen. Der mit Abstand am häufigsten gehörte Satz ist zweifellos "Oh, ein Afghane!", gefolgt von "Ist da Windhund mit drin?" und "Collies in dieser Farbe sieht man aber selten!" Dazu kommen Sprüche wie "Warum hat eine so kleine Frau einen so großen Hund?", "Der braucht aber sicher viel Auslauf!" und nicht zuletzt "Der war bestimmt teuer!"

Es gibt auch Experten, die mit mir diskutieren oder mich gar belehren. Ich erinnere mich z.B. immer wieder gerne an jenen Herrn, der sich, in meinem Beisein, vor seiner Partnerin als Hundefachmann darstellte und mich über die rassetypischen Merkmale von Collies in Kenntnis setzte, wobei er nicht unerwähnt ließ, dass Igor kein sehr typvolles Exemplar sei, denn seine Beine seien zu lang und er habe einen zu hohen Weißanteil. In jeder noch so guten Zucht gäbe es, so erklärte er seiner Liebsten, Ausschuss, der dann billig und oft ohne Papiere, abgegeben würde...

Ein anderer Mann, eigentlich wirkte er gar nicht so bildungsfern, belehrte mich, mit erhobenem Zeigefinger, dass so ein Afghane niemals zu laufen aufhöre. Einmal in Bewegung gesetzt, laufen diese Hunde, so seine Überzeugung, bis sie tot umfallen. Ich solle auf der Hut sein, lautete sein wohlgemeinter Rat. Ich verzichtete darauf, mit ihm über den Wahrheitsgehalt dieser These zu debattieren und beschränkte mich lediglich darauf, zu erwähnen, dass Igor kein Afghane sei, sondern ein Barsoi... ein russischer Windhund. Seine Antwort kam spontan und ließ mich abrupt verstummen: "Ja, die Afghanen sind eine sehr alte und beliebte Rasse. Kann schon sein, dass die in Russland auch gezüchtet werden."

Eine Frau sprach mich an, was denn der Hund für eine Mischung wäre, und nachdem ich gesagt hatte, es handele sich um einen Barsoi, verzog sie nur mitleidig das Gesicht, wandte sich von mir ab und raunte, gut hörbar, ihrer Begleiterin zu "Die meint, wenn sie sich irgendeinen Namen ausdenkt, den keiner kennt, dann denkt man, das ist ein Echter!"

Generell lustig sind die Kommis, die quasi hinter dem Rücken geäußert werden. Da gibt´s durchaus nette Sachen, wie "Hast du den Hund gesehen? Schööön!" oder "Boah, was für ein edles Tier!", aber auch andere. "Guck mal! Die hat ein Schaf an der Leine!" ist noch das Netteste, bislang. "Angeberköter!", "Komische Töle!", "Nasenbär", "Wandelnder Flokati-Teppich" oder "Riesenwischmopp!" wurde er auch schon genannt.

Aber auch hier tummeln sich die Experten, die Kenner der Hundezucht, denen keiner etwas vormachen kann. So erntete Igor bereits Blicke voller Mitgefühl. "Diese Hunde müssen bei Rennen mitlaufen, und wenn die nicht gewinnen, kriegen die nix zu fressen. Deshalb sind die auch so dünn." erfuhr ich, im Vorbeigehen. So moppsig, wie mein Igor ist, muss er also bislang nahezu jedes Rennen gewonnen haben.

"Guck dir den an! Der hat ja Fischrücken!" meinte eine Frau erschrocken und angewidert zugleich, woraufhin ihr Partner erklärte, das läge an der Überzüchtung.

Meine Lieblingsbegegnung aber waren jene zwei Hundefreundinnen, am Parchimer Wockersee, deren Fachwissen mich fast dazu brachte, in die Hose zu pinkeln, vor Lachen. "Also..." meinte die Eine, kaum dass sie an mir, Igor, Polle und Moppe, vorbei waren. "...Die zwei Chihuahuas sind zwar ein bisschen groß geraten, aber irgendwie süß. Aber der Afghaaaane! Der sieht ja total angefressen aus!"

Ebenfalls niedlich waren der Opa, der seine Enkelin belehrte "Das ist ein Herdenschutzhund. Der gehört eigentlich zu den Schafen." und die ältere Dame, die staunend stehenblieb, als ich an ihr vorbei ging und dann einen fremden, jungen Mann ansprach, um ihm zu erklären, dass man solch einen Hund aber jeden Tag ordentlich bürsten müsse. "Ordentlich! Sonst verkommt der!

Heute wurde ich auch wieder angesprochen, aber es war wenig spektakulär. Ich bekam Komplimente über den schönen Hund, was mich freute und auch ein wenig mit Stolz erfüllte, und dann kam das, was ich schon so oft gehört habe: "Der muss aber sicher irrsinnig viel laufen, jeden Tag, oder?" Und ich erklärte wieder, zum gefühlten 1876sten Mal, dass ein ordentlicher Sprint am Tag diesen Hunden reicht und dass sie ansonsten eigentlich so ziemlich die gemütlichsten Lebewesen sind, die man sich vorstellen kann...

Als ich, in früheren Jahren, mit einem stylischen Duo, bestehend aus zwei Großpudeldamen, eine weiß und eine schwarz, unterwegs war, habe ich schon viel zu hören bekommen... Gutes und Schlechtes, Beleidigendes und wundervolle Komplimente, aber seitdem ich Igor habe, gibt es keine langweiligen Spaziergänge mehr. Ich könnte mich regelmäßig kaputtlachen.

Nach anfänglichen Versuchen, Dinge richtig zu stellen oder Vorurteile zu korrigieren, was teils wirklich in ernsthafte Debatten ausartete, ziehe ich es heute vor, die Experten einfach dumm sterben zu lassen. Den netten Leuten sage ich gerne etwas zu meinem Hund. Ich möchte ja auch ein wenig dazu beitragen, dass die Rasse etwas bekannter wird und Vorbehalte gegen Windhunde entschärft werden, aber die Vielen, die weder Manieren, noch Ahnung haben, wovon sie reden, belasse ich in ihrem Irrglauben und lache sie einfach aus.

Seitdem ich es so handhabe, kann ich es kaum abwarten, dem nächsten "Fachmann" zu begegnen. Es ist mir jedes Mal eine Freude!


Juni 2021:
Möppi und der Kühlschrank

Wenn man durch die Küchentür tritt, ist gleich, als erstes, linke Seite, der Kühlschrank...
Möppi schafft es, ganz dezent, in der Ecke, unterhalb des Kühlschrankes, zu sitzen, ohne dass man auf sie drauf tritt oder dass sie irgendwie stört. Sie drückt sich regelrecht mit dem Rücken gegen die Wand, so dass sich keinerlei Anlass bietet, sie von dort fort zu schicken. Sie stört ja nicht. Und betteln tut sie auch nicht...
Jawohl, das Möppen bettelt nicht, denn es wurde, von mir, mit strenger Hand, erzogen.
Aber sie klebt, wie ein Brett, rücklings an der Tapete, an der Wand, seitlich unter dem Kühlschrank, und schaut mich jedes Mal hoffnungsvoll an, wenn ich mich dem Kühlschrank nähere. Ihre kleinen, schwarzen Augen leuchten dann voller Vorfreude, auf das, was evtl. für sie abfallen könnte, und das ganze kleine, rote Gesichtchen strahlt mich an...
Sie gibt keine Töne von sich, kein Fiepen, kein Jappen, kein Hecheln. Sie nervt auch nicht herum, rennt mir nicht vor die Füße und macht keine Faxen. Sie steht nur da, mit dem Rücken zur Wand, und sieht niedlich aus... so unbeschreiblich niedlich, dass mir das Herz schier überläuft...
Oft schaue ich in den Kühlschrank, dann fällt mein Blick rasch auf die kleine Rote, zu meinen Füßen, die mich freudig anlächelt. Dann nehme ich eine Scheibe Wurst heraus, Schinken, Käse oder was es sonst so gibt. Ich falte die Scheibe oder rolle sie zu einer Zigarre, reiche sie herab, zu dem dezent an der Tapete haftenden, kleinen, roten Kichergesicht, und sie hockt da, einem Erdmännchen gleich und wartet brav auf ihr Passwort. Kaum hab ich´s ausgesprochen, da verwandelt sich das Kichergesicht in einen roten, flauschigen Piranha. "Schnapp!", und die Wurst ist weg...
Manchmal finden sich, im Inneren des Kühlschrankes, ganze Frikadellen, Würstchen oder Fleischstücke. Wenn Möppi so etwas in meiner Hand sieht, gulpt sie. Gulpen, das bedeutet laut schlucken. Sie ist dann ganz aufgeregt, denn sie hatte auf eine Scheibe Wurst gehofft, maximal auf Schinken, aber wenn es dann eine ganze Bockwurst gibt, dann ist das quasi der Jackpot für sie...
Scheiben werden sofort verschlungen. Eine ganze Wurst wird zum Korb getragen und dort in Ruhe verzehrt. Danach liegt Möppi, sehr zufrieden, in ihrem Bürokorb. Sie liegt auf dem Rücken. Ihre Füße ragen in die Luft...
An manchen Tagen gibt es nichts aus dem Kühlschrank, denn ich habe nichts Passendes da oder sie hat, an dem Tag, bereits genug gegessen. Möppi ist wohl genährt. Da muss man ein wenig Obacht geben...
An den Tagen, an denen es nichts gibt, wartet sie eine Weile ab, geht dann, mit hängender Rute, zu ihrem Korb, in den sie sich legt, um zu schlafen. Sie rollt sich zusammen, zu einer kleinen, plüschigen, feuerroten Kugel, aus der eine schwarze Nase heraus ragt...
Sie ist nicht böse oder beleidigt, wenn sie nichts bekommt. Das merke ich, sobald ich mich anschicke, meinen Schreibtischplatz zu verlassen und die Treppe hinab zu steigen. Dann steht sie neben mir, bei der Treppe, schaut mich fröhlich an und tritt einen Schritt zurück, um zu warten. Erst geht die Mama runter, dann das Möppen. So hat sie´s gelernt, und so macht sie es, aufmerksam und vorbildlich...
Und ihr hübsches, rotes Gesicht ist voller Stolz, wenn sie unten ankommt und ein kleines Wort des Lobes bekommt...

November 2019:
Jurek und die Sache mit dem Bein
Mit seinen knapp 6 Monaten hält er sich bereits für einen ganzen Kerl und gibt sich redlich Mühe, weniger ein halbwüchsiger Welpe, als ein Mann, zu sein...
So ist es für ihn auch selbstverständlich, dass er, wenn wir unterwegs sind, die Duftmarken anderer Rüden aufspürt, genauestens analysiert und, damit auch jeder weiß, wer hier der Obermacker ist, gründlichst überpinkelt.
Jetzt wäre es natürlich albern, ja geradezu mädchenhaft, wenn er dies täte, ohne dabei ein Bein zu heben. Schließlich kann man, mit gehobenem Bein, höher pinkeln.
Hoch zu pinkeln ist wichtig, damit die anderen Analytiker, die Jureks Hoheitsgebiet durchstreifen, gleich wissen, dass er einer von den ganz Großen ist. Hierbei reden wir selbstverständlich von geistiger Größe... von Reife... von Tapferkeit und einem hohen Rang. Niemand soll auch nur den geringsten Zweifel daran haben, dass er hier im Revier eines richtig "hohen Tieres" ist oder gar auf den abwegigen Gedanken kommen, seine Herrlichkeit sei evtl. von kleinem Wuchs...
Jurek schnüffelt also an besagter Stelle und macht sich ein Bild davon, wem alles er nun, mittels Pipimarke, Respekt einflößen muss. Dann dreht er sich so lange hin und her, bis er ein Ziel anvisiert hat, auf das er seinen informationsreichen Strahl zu richten gedenkt und hebt schließlich das Bein, so hoch er kann...
Leider geschah es anfangs nur allzu oft, dass er, wenn sein Beinchen eine bestimmte Höhe überschritten hatte, besonders auf unebenem Boden, das Gleichgewicht verlor und die Operation Zielpinkeln vorerst abbrechen musste, um seinen wankenden Körper aufzufangen, damit er nicht, einem törichten Welpen gleich, auf der Seite landete...
Nun ist Jurek zwar klein, aber er ist nicht dumm.
Deshalb entwickelte er nunmehr eine Strategie, wie er, bei minimaler Sturzgefahr und ohne größere Bemühungen, die maximale Pinkelhöhe erreichen kann:
Er tritt seitlich an den zu markierenden Gegenstand, wie z.B. Baumstamm, heran, hebt das Bein und setzt die Pfote seitlich an den Gegenstand, so dass er sich bequem daran anlehnen kann. Dann prüft er seine Standfestigkeit. Ist sie zufriedenstellend, wippt er leicht hin und her, wobei er, bei jedem Wippen, seine Pfote ein wenig höher plaziert. So bekommt er das Bein schon ganz schön hoch. Hat er die maximale Höhe erreicht, setzt er seine Marke und nimmt das Beinchen wieder herunter, da er ja jetzt gründlich am Boden scharren muss. Nur wer ordentlich scharrt, wird ernst genommen. Jurek weiß das. Er ist ja kein Kind mehr...
Anfangs bewunderte er anschließend noch einmal sein Werk, indem er eine Geruchsprobe nahm, die Scharrspuren noch einmal kritisch betrachtete, um sich dann, mit sichtlich zufriedener Mine, auf den Weg zu machen...
Nun hat er das nicht mehr nötig. Er weiß, dass er es drauf hat. Ein erfahrener Rüde, wie er, muss nicht überprüfen, ob er alles richtig gemacht hat. Er markiert, scharrt, nimmt eine heroische Haltung an und marschiert, stramm, wie ein Wehrmachtssoldat, weiter seines Weges...


Januar 2020:

Kloruhe

Meine Hunde wissen eigentlich genau, dass sie mich auf der Toilette nicht zu behelligen haben. Wenn ich mich dort niederlasse, möchte ich nicht gestört werden, auch nicht von einem Hund.

Nun… bezüglich dessen, was meine Hunde alles nicht dürfen und dennoch tun, will ich mich nicht näher äußern, denn das würde den Eindruck erwecken, hier herrsche Anarchie. Aber diese Sache mit der… ich nenne es mal… ganz salopp… Kloruhe ist ein Thema, das Erwähnung zu finden wert ist.

Auf dem Pott will ich meine Ruhe haben, verdammt noch mal! Das gilt für alle! Auch für die Moppe! Basta! Und ich kenne da auch kein Pardon. Wer mit der Nase die Türe aufstupst und mich nervt, der bekommt meinen verheerenden Zorn zu spüren. Dem zische ich, mit scharfem Ton, entgegen „Aaaab!“ und wenn das nicht hilft, noch „Raus! Aber zackig!“

Möppi, der wunderbarste aller Hunde, ist deshalb so wunderbar, weil sie klug ist… klug und einfallsreich, und so kommt sie immer wieder auf neue Ideen, wie sie sich ins Badezimmer schleichen kann, wenn ich auf meinem Thron hocke, leise Reden ans Volk halte und darauf bestehe, nur im äußersten Notfall gestört zu werden.

Einer ihrer Tricks war der, dass sie sich ein Maul voll Trockenfutter holte und damit ins Badezimmer kam. Sie stolzierte, ganz selbstverständlich, herein, legte sich, vor der Dusche, nieder und ließ die kleinen Klümpchen, so klitter-klatter, auf den Boden fallen. Dann begann sie, sie langsam und genüsslich zu verzehren, eines nach dem anderen, mit Pausen dazwischen, in denen sie mich lange und sehr aufmerksam anschaute…

Ich saß auf dem Klo und fühlte mich angeschaut. Dies missfiel mir, und ich schickte das Möppen von dannen. Es erhob sich alsdann, verließ den Raum, in geduckter Haltung, einem geprügelten Kojoten gleich, mit gesenktem Haupt, hängenden Ohren und ebensolcher Rute. Zurück blieb ein Häufchen kleiner, brauner Kügelchen. Das wiederum gefiel mir nun auch nicht, denn ich hatte wenig Lust, nach der Sitzung auf der Toilette, das Futter aufzunehmen und es zum Napf zu tragen. Zum Wegwerfen ist es zu schade. Was tat ich also? Ich rief das Möppen wieder herein und wies es an, die Futterklümpchen gefälligst aufzufressen.

Ich hatte ihren Namen noch nicht ganz ausgesprochen, da stand sie schon da. Sie muss direkt hinter der Klotüre gewartet haben. Unverzüglich begab sie sich zu ihrem alten Platz, legte sich hin und begann, langsam und genussvoll, eines nach dem anderen zu fressen… mit Pausen dazwischen… Pausen, in denen sie mich lange und sehr aufmerksam anschaute.

Ich sah mir das einige Male an, bis es mir gelang, sie, direkt beim Hereinkommen, quasi umzuleiten, indem ich sie sofort scharf anbellte: „Abmarsch!“

Ihr nächster Plan war auch nicht übel: Sie stürmte, forschen Schrittes, herein, kam direkt auf mich zu und sprang mich an… wieder und wieder. Dann rannte sie zur Türe, als wolle sie mir etwas zeigen, kam wieder zurück, richtete sich vor mir auf, schrabbelte mit den Vorderpfoten an meinen Knien herum und lief wieder zur Türe. Ich war sicher, der gute, treue, kleine, rote Hund will mich auf etwas Wichtiges aufmerksam machen und sah zu, dass ich so schnell, wie möglich, vom Topf runter kam, um nachzusehen, was denn los ist…

Möppi rannte, vor mir her, ins Wohnzimmer und zur Terrassentüre. Dort stellte sie sich hin und kläffte nach draußen… wo nichts war… nichts außer dem, was dort immer ist. Ich ging davon aus, dass aber etwas da gewesen war, als sie zu mir kam, um mich vom Klo zu holen… vielleicht eine feindliche Katze, ein Waschbär oder ein Nachbar…

Nachdem ich einige Male aufgesprungen und ins Wohnzimmer gerannt war, um dann auf eine Terrasse zu starren, auf der nichts Außergewöhnliches geschah, blieb ich irgendwann einfach sitzen. Möppi stürmte herein, zog ihre Alarm-Nummer ab, und ich reagierte genau so, wie sie es wollte: Ich blieb, wo ich war und sprach zu meinem kleinen, roten Hund: „Warte Möppi!“ Das tat sie gerne. Sie drehte sich um, begab sich zu dem Platz vor der Dusche, legte sich dort hin und richtete ihren wachen und aufmerksamen Blick auf mich… ununterbrochen…

Als das nicht mehr funktionierte, begann sie, mir meine verlorenen Taschentücher zurück zu bringen. Ich weiß nicht, wo sie die dann plötzlich her hatte. Sie musste sie irgendwo gebunkert haben, um sie, bei Bedarf, hervorzuholen und sie mir zurück zu bringen. Ich war von dieser drolligen Geste jedes Mal so verzückt, dass man es mir wohl ansehen konnte. Und so freute sich der kleine, pfiffige, rote Hund, drehte sich einige Male im Kreis und sprang, mit einem gekonnten Satz, auf meinen Schoss.

Da saß ich dann… mit heruntergelassener Hose… auf dem Klo… mit einem Hund auf dem Schoss…

Ich brachte es erst nicht übers Herz, sie fortzuschicken, woraufhin ich dann, zugegebenermaßen etwas gemein und tückisch, versuchte, sie loszuwerden, indem ich meine Beine… erst beide gleichzeitig und dann abwechselnd… auf und ab wippen ließ, so, wie es Mütter mit ihren Kindern machen, beim „Hoppe-Hoppe-Reiter“. Ich war verblüfft darüber, wie lange so ein Möppen sich auf dem Schoss halten kann, bevor es abspringen muss, weil es den Halt verliert. An ihr ist ein Rodeo-Star verloren gegangen…

Als Polle in unser Leben kam, war Schluss damit, da die Polle jedes Taschentuch, welches sie kriegen konnte, zu Konfetti verarbeitete. Möppi ist also quasi die Munition ausgegangen.

Als nächstes versuchte sie es mit der Catering-Nummer:

Sie brachte mir Leckereien zur Toilette hin. Mal war es ein Stück getrockneter Pansen, mal ein angenagter Hundekuchen, mal ein Rinderohr und mal ein paar Zentimeter Ochsenziemer…

Sie legte mir das Leckerli einfach in den Schoss, trat ein paar Schritte zurück und schaute mich, in freudiger Erwartung, an. Ich mag Hunde nur ungern enttäuschen, und so tat ich so, als äße ich etwas davon, bevor ich es ihr zurück gab. Möppi war überglücklich. Ihr Geschenk war gut angekommen, ich hatte mich gefreut, davon gegessen und, was noch das Beste war, ihr etwas übrig gelassen.

Sie bezog, sehr zufrieden, ihren Platz vor der Dusche und kaute auf ihrem Leckerbissen herum. Hin und wieder hielt sie inne, um mich, freudig strahlend, anzuschauen… lange und sehr intensiv…

Nachdem es mir gelungen war, durch geschicktes Timing, den roten Rosinenbomber, direkt an der Türe, abzufangen und zurück zu schicken, noch bevor er zum Landeanflug angesetzt hatte, musste sie eine neue Taktik ausarbeiten…

Möppi versuchte sodann, mich auf ein Spiel einzuladen.

Wieder kam sie, ganz zielstrebig, zur Türe herein, stapfte auf mich zu und legte mir, noch bevor ich etwas sagen konnte, einen kleinen Ball vor die Füße. Ich warf ihn, durch die geöffnete Türe, in den Flur und sagte „Jetzt nicht!“ Möppi wollte gerade hinterher sausen, um den Ball zurück zu bringen, hielt aber dann inne, schaute mich an, zwinkerte mir zu, als wolle sie sagen „Ok… Ich verstehe.“ und bezog Stellung, vor der Dusche…

Ich schickte sie hinaus.

Beim nächsten Mal warf ich den Ball nicht in den Flur, sondern ließ ihn einfach liegen. Möppi schickte ich fort…

Nun wurden die Spielzeuge, die sie brachte, immer größer. Nach den kleinen Bällchen kamen größere, dann die Strickbälle, dann die Mäuse, dann die Ratten, dann das Einhorn, dann der Leopard…

Ich schob sie achtlos, mit dem Fuß, beiseite und verbannte das Möppen aus dem Bad.

Heute Morgen saß ich wieder einmal dort, müde und mit Schmerzen und bereitete mich mental darauf vor, gleich hinaus zu gehen, in den kalten Wind und den strömenden Regen, um den Paddock abzuäppeln und die Pferde zu versorgen, obwohl ich doch viel lieber auf dem Sofa liegen und Fernsehen gucken würde…

Da stieß sie, ächzend und keuchend, mit dem Hinterteil die Klotüre auf, kam rückwärts ins Bad und zerrte das größte aller Spielzeuge hinein.

Es ist so ein komisches, pilzförmiges Männchen, außen aus Stoff und innen stramm befüllt mit Irgendwas. Es ist fast so groß, wie Möppi selbst und auch nicht gerade leicht.

Eigentlich habe ich es für Igor gekauft, denn für die Möppense ist es viel zu groß.

Der verwegene, kleine, feuerrote Hund hatte das Riesending, aus der Spielzeugkiste, ausgegraben und, unter Aufwand all ihrer Kräfte, zum Klo gezerrt, weil sie sich wohl erhoffte, bei so einem dicken Mitbringsel könne ich sie nicht abweisen…

Aber ich blieb hart…

Konsequenz ist schließlich alles, in der Hundeerziehung…

Ohne geht es nicht!

Sonst machen die Biester, was sie wollen…

 Ich richtete also mein strenges Wort an den ungezogenen, kleinen, roten Köter.

„Möppi!“ sprach ich… „Möppi! So geht es nicht! Wenn die Mama auf dem Klo sitzt, dann hast Du Sendepause. Verstanden?“

Möppi, die auf meinem Schoss saß, drehte den Kopf zu mir um und zwinkerte mir zu. Ihr kleines, feuerrotes Gesichtchen lachte mich an, und ihre schwarzen Mandelaugen strahlten, während die spitzen, dreieckigen Ohren aufmerksam meinen Ausführungen lauschten…


April 2019:

Des Igor´s Wille
Wir kamen vom Einkaufen zurück... spät... War schon dunkel...

Wir räumten, emsig, wie die Ameisen, den Kofferraum leer und trugen alles ins Haus...
Dann ließ ich die Hunde raus..
Sie waren zuhause geblieben...
Der Kofferraum stand noch offen...
Igor, erbost darüber, nicht mitgenommen worden zu sein, stürzte aus dem Haus, ohne mich eines Blickes zu würdigen, rannte zum Auto und sprang, schneller, als man gucken konnte, in den, mittlerweile leeren, Kofferraum...
Wir liefen ebenfalls zum Auto und forderten ihn auf, selbiges wieder zu verlassen. Aber Igor sah das nicht ein. Igor wollte Auto fahren...
Er stand da und hielt Ausschau nach Maruschka, welche den Wagen, einem Geier gleich, umkreiste...
Wir machten natürlich keinerlei Anstalten, noch einen weiteren Hund ins Auto zu laden, bemühten uns viel mehr, den bereits darin befindlichen wieder los zu werden...
Dieser reagierte weder auf freundliche Bitten, noch auf motivierende Zurufe, noch auf gestenreiche, nonverbale Signale...
Nachdem Igor begriffen hatte, dass Maruschka nicht mit einsteigen würde, drehte er sich mehrmals im Kreis und machte es sich schließlich gemütlich...
Wir turnten, wie zwei Kasper, vor dem Kofferraum herum, in dem ein hagerer, großer, weißer Hund sich, behaglich grunzend, auf eine längere Spazierfahrt einrichtete...
Wir versuchten, durch plötzliches Davonrennen, ihn dazu zu bewegen, uns zu folgen. Igor räkelte sich...
Ich jonglierte, vor seinen Augen, seinen Lieblingsball und warf ihn dann fort. "Bring!" rief ich...
Igor fand seinen Auto-Kauknochen und begann, ihn zu benagen...
Das Herrchen baute sich vor ihm auf, kerzengerade und imposant, wie ein hochdekorierter Befehlshaber, und befahl im, mit militärischer Strenge, unverzüglich auszusteigen, was Igor, ein überzeugter Pazifist, geflissentlich ignorierte...
Als wir schließlich dazu übergingen, an ihm herum zu zerren, verkeilte er sich, mit seinen langen Tentakeln, so geschickt im Kofferraum, dass er darin feststeckte, wie ein Dübel, in der Wand...
Er löste die Verankerung auch nur zögerlich, als wir von ihm abließen, das Herrchen sich entnervt abwandte und ich, als letzten Versuch gelebter Diplomatie, einen Beutel mit Leckerbissen herbei holte...
Einen Hundekuchen wollte er nicht, aber die Pansenstange nahm er gerne. Während er kaute, tat er, durch Blicke, kund, dass ich den Kofferraum nun schließen und losfahren könne. Er sei reisefertig...
Seinen Platz, im Auto, für eine weitere Pansenstange, zu verlassen, sei er nicht bereit, verkündete er...
Wir berieten uns...
Am Ende schritten wir beherzt auf das Auto zu, packten den Flappes, gleichzeitig hinten und vorn, und hoben in aus dem Kofferraum...
Der erforderliche Kraftaufwand war nicht unerheblich, sein Jaulen und Wimmern auch nicht...
Das Bild, das wir abgaben, glich wahrscheinlich dem von zwei Polizisten, die einen renitenten Demonstranten davontragen...
Ich hielt ihn, am Halsband, fest, während das Herrchen die Heckklappe zuschlug...
Igor schluckte, schaute mir tief und vorwurfsvoll in die Augen und ging von dannen.u


August 2018:

Der Igor...

Er ist schon sehr speziell, mein Flappes.

Im Moment kommt er wohl ein wenig zu kurz, denn ich hab viel zu tun, und für lange Spaziergänge ist es zu warm. Er begleitet mich draußen, bei meiner alltäglichen Arbeit, auf Schritt und Tritt, und für ein Spielchen ist auch immer Zeit, jedoch gibt es etwas, was ihn unendlich schmerzt:

Er darf, im Moment, nur selten einmal im Auto mitfahren, obwohl er es so sehr liebt. Er würde ja geschmort, da drinne, sobald ich parke und die Klimaanlage ausgeht. Aber erklär das mal einem Hund, der denkt, man will ihn nicht mit dabei haben...

In der Türe ist eine Glasscheibe, und Igor kann mir hinterher gucken, wenn ich ohne ihn weggehe. Und das tut er auch. Er begleitet mich bis zur Türe, unternimmt dort einen letzten Versuch, mich davon zu überzeugen, dass es mit ihm viel schöner ist, als ohne ihn, und schaut schließlich, mit gebrochenem Blick, gesenktem Haupt und rhythmisch die Backen aufpustend, hinter mir her.

Und wenn ich ihn dann, beim Heimkommen, begrüße, dann muss ich genau darauf achten, dass er angemessen begrüßt wird, sonst ist seine Laune ganz hinüber.

Igor steht dann vor mir, mit einem Blick, der eine klare Sprache spricht. "Du liebst mich nicht mehr!" sagt sein Blick.

Nun heißt es: Igoren-Spezial-Begrüßung anwenden!

Normalen Hunden reicht es, wenn man sie, freudig mit dem Hintern wackelnd, anspricht, ihren Kopf kurz mit den Händen durchwuselt oder sie wenigstens kumpelhaft klopft. Kleine Hunde wollen mal kurz auf den Arm... naja... Aber auch da reicht ein Knuddeln, ein wenig Freudengeheul und Getanze, um den Hund in äußerste Ekstase zu versetzen...

 

Bei Igor zieht das nicht. Igor möchte, dass man innehält, alles aus den Händen legt, gestenreich seine Wiedersehensfreude untermalt, ihm beide Arme um den Leib schlingt, um ihn leidenschaftlich zu umarmen, was er selig seufzend und sich gurrend anschmiegend, honoriert, und ihm immer wieder sagt "Igor! Mein Schatz! Mein Flappes! Mein Liebling! Mama seine jute Igor!" Das gefällt ihm. Am Ende, und das ist wichtig, muss man ihm noch einen dicken Kuss mittig auf seinen Kopf platzieren, damit die Botschaft "Mama hat Dich lieb!" auch wirklich bis in die Tiefen seines Gehirnes vordringt...


September 2016:
Möppis größter Schatz

Das Möppen, dieser kleine, gewitzte, feuerrote Hund, hat einen ganz persönlichen Schatz, etwas was ihr sehr viel bedeutet... etwas, was sie hütet, wie ihren Augapfel…

Unsere Hunde bekommen öfters Knochen, zum knabbern, und da nicht jeder Knochen komplett essbar ist, liegen bei uns im Hof immer irgendwelche nackten Knochen herum. Sobald die letzte Fleischfaser abgenagt ist, die begehrten Knorpel gründlich entfernt und das Mark herausgelutscht, werden die Knochen uninteressant für die Hunde und verschandelieren lediglich unseren, sowieso schon sehr chaotischen, Hof. Wir sammeln sie regelmäßig ein und entsorgen sie in der Mülltonne, aber da sie ja immer wieder neue Knochen bekommen, die sie sorgfältig abnagen, liegen immer wieder welche herum, die jedoch allesamt, früher oder später, im Müll landen. Es soll hier ja nicht aussehen, als sei eine Bombe auf einen Soldatenfriedhof gefallen…


Einen hässlichen, kleinen Knochen haben wir bislang nicht weggeworfen, obwohl er schon etwas älter ist und ziemlich fies aussieht. Es ist nicht irgendein Knochen sondern Möppen´s Knochen. Sie hat ihn zu ihrem Lieblingsknochen auserkoren, und obwohl sie zwischenzeitig etliche andere Knochen benagt hat, zaubert sie diesen einen immer wieder von irgendwoher hervor und knurpselt daran herum. Hat sie genug geknabbert oder wird sie gerufen, dann lässt sie ihren ollen, kleinen Knochen erst einmal verschwinden. Noch nie hat sie ihn einfach so irgendwo liegen gelassen. Wo genau sie das gute Stück aufbewahrt, wissen nur sie und unser Herrgott, der alles sieht und alles weiß…


Nähert sich einer der Pudel dem kleinen, roten Hund, so wird der hässliche, kleine, alte Knochen mit strengem Blick verteidigt. Niemand darf an dem Knochen auch nur riechen. Möppi hat die Exklusivrechte an dem Ding, und da sich das Interesse der Pudel daran doch sehr in Grenzen hält, gehe ich davon aus, dass auch nur sie, das Möppen, um den Wert des Knochens weiß. Für alle anderen ist es nur ein Knochen, ein alter, fieser noch dazu. Nicht ein Fetzen Fleisch hängt noch an ihm, nichts was man abnagen könnte. Aber für den kleinen, roten Hund ist der kleine, hässliche  Knochen anscheinend etwas von großem, ideellen Wert…


Manchmal gelingt es ihr, den Knochen, spät am Abend, wenn es längst dunkel ist und wir sie, durch die Terrassentüre, noch einmal hinaus lassen, um zu pieschern, ins Haus zu schmuggeln. Knochen ins Haus zu tragen, ist hier verboten, und sie macht es auch normalerweise nicht, aber dieser eine, dieser überaus wertvolle Knochen findet dennoch bisweilen den Weg ins Wohnzimmer. Sie stürmt dann, in der Regel, im Tiefflug hinein und verschwindet gleich in ihrer Kiste, wo sie wild in der Decke herumgräbt. Oft bildet die Decke dann einen unförmigen, dicken Knubbel, eine Rolle oder eine Art Turm, der schief, wie jener von Pisa, in einer Ecke steht. Und unter oder in diesem Deckenkonstrukt liegt, irgendwo vor unseren Blicken verborgen, der Knochen. Nachts holt sie ihn dann heimlich hervor, um ein wenig daran zu nagen. Manchmal legt sie sich auch, während wir Fernsehen gucken, mit dem Knochen, auf die Fußmatte vor der Terrassentür und raspelt leise an ihrem Heiligtum herum. Sie weiß, dass wir sie dort nicht sehen können. Natürlich wissen wir genau, was sie da treibt. Wir sind ja auch nicht gänzlich taub, aber wir lassen sie in dem Glauben, unentdeckt zu bleiben…


Am nächsten Tag wandert der Knochen aber wieder, klammheimlich versteht sich, nach draußen, wo er an einem sicheren Ort deponiert wird. Manchmal sehen wir sie draußen, in irgendeiner Ecke, wild im Boden buddeln. Wir reden uns dann ein, dass sie mauselt, was für Spitze nicht unüblich ist und nehmen dies wohlwollend zur Kenntnis. In Wirklichkeit wird sie wohl den Knochen bei Seite schaffen, immer auf Nummer Sicher gehen wollend, dass wir ihn nicht finden und wegwerfen…


Was genau es mit dem Knochen auf sich hat, das wissen wir nicht. Warum dieser großartige Hund, in dem kleinen, roten Körper, gerade dieses eine Fragment, unter vielen, zu seinem persönlichen Besitz auserkoren hat und ihn mit solcher Hingabe hütet und schützt, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.  Nur eines stand bislang immer fest: Der unscheinbare, kleine Knochen ist Möppis großer Schatz…


Gestern Abend kam ich wieder einmal, müde und ziemlich zermürbt, aus dem Krankenhaus zurück. Ich war öfters für eine Weile fort, in letzter Zeit, und immer, wenn ich zurückkam, war die Freude unter den Tieren groß. Sie leiden stets sehr unter meiner Abwesenheit, was sie auf verschiedenste Art und Weise zum Ausdruck bringen. Und wenn ich dann aus dem Auto aussteige, erfolgt eine Orgie von Begrüßungen unterschiedlichster Art…

Laut meckernde Ziegen kommen wild herbeigaloppiert, Bocksprünge machend, wie übermütige Lämmer…  Am Zaun laufen die Pferde rastlos auf und ab, heiser wiehernd und mit leuchtenden Augen… Wenn ich die Haustüre öffne, stürzen die Hunde hinaus, völlig außer Rand und Band… Möppi springt jauchzend auf und ab, Maruschka drückt leise winselnd ihren Kopf an mich, und Galina umkreist mich, heftig wedelnd, wobei nicht nur die Rute, sondern das gesamte Hinterteil sich rhythmisch hin und her bewegt. Ihr fehlt nur noch das Baströckchen…


Bevor ich mich nach innen begebe und stundenlang die Katzen einzeln begrüße, verbringe ich, für gewöhnlich, erst einmal etwas Zeit bei den Außentieren...
So war es auch gestern wieder. Ich begab ich zu den Ziegen, denen ich, von unterwegs, etwas mitgebracht hatte und verteilte meine kleinen Willkommensgeschenke an die aufgewühlte, und wie immer, sehr hungrige Meute…
Dann begab ich mich auf den Paddock und begrüßte die ungeduldig scharrenden Pferde. Sie bekamen ein paar Äpfel, viele Streicheleinheiten und auch gleich ihr Abendessen...
Dann spielte ich eine ganze Weile mit den Hunden im Hof und ging schließlich auch noch eine kleine Runde mit ihnen spazieren. Es war ein kurzer, aber sehr fröhlicher Ausflug, bei dem mich zwei, regelrecht vor Freunde strahlende, Pudel flankierten und ein kleiner, roter Spitz unaufhörlich hechelnd und kläffend um mich herum sprang…
Zuhause angekommen begrüßte ich die Katzen und schließlich verschwand ich im Bad. Die Pudel lagen derweil, völlig entspannt und mit ihrem Leben zufrieden, auf ihrem Bett und ruhten, während das Möppen voller Ungeduld meine Rückkehr herbeisehnte…


Als ich letztendlich im Wohnzimmer erschien, kam sie mir, freudig  jauchzend, entgegengerast, machte aber plötzlich eine Vollbremsung, die aber misslang, da sie auf dem glatten Laminat rutschte und, mit voller Wucht, gegen meine Schienbeine prallte. Völlig unbeeindruckt davon machte sie blitzartig kehrt, raste zurück und verschwand eilig in ihrer Kiste, wo sie eifrig in der Decke herumwühlte…
Kurz darauf kam sie auch schon zurück, hielt vor mir inne, warf etwas vor mich hin auf den Boden, trat einen Schritt zurück und bellte „Wau!“
Ich schaute auf den Boden und sah, dass es Möppis Knochen war, jener kleine Knochen, an dem ihr Herz so sehr hängt. Sie trat auf mich zu und schob den Knochen, mit der Nase, dicht zu mir hin, trat wieder zurück und schaute ich an, als wolle sie sagen „Nimm schon. Er ist für dich!“
Ihr kleines, rotes Gesicht lachte mich an, und als ich den Knochen aufhob und an mich nahm, da drehte der kleine rote Körper sich, voller Freude, mehrmals um die eigene Achse. Ich nahm das Teil mit zu einem Platz auf der Couch, wo ich es, auf einem Taschentuch, vor mich hinlegte. Der lächelnde, kleine, rote Hund legte sich vor das Sofa hin, das Köpfchen auf die kleinen, roten Pfoten und schloss, müde, aber glücklich, die Augen…

Sie hat bislang keinerlei Anstalten gemacht mir den Knochen wieder wegzunehmen. Nun ist es mein Knochen…

Ich habe bislang davon abgesehen, an dem Knochen herum zu nagen, und ich werde es auch gewiss künftig nicht tun, aber etwas ist mir, durch diese herzliche Geste, bewusst geworden:
Nicht der Knochen ist Möppis allergrößter Schatz, sondern ich bin es!


August 2020:

Der Igor!

Ich habe, vorgestern Abend, dem Flappes ein Schälchen mit warmer Sauerkrautsuppe hingestellt.

Die Tür, vom Anbau nach draußen, stand offen, so dass er in den Hof gehen konnte, wann er wollte.

Er nahm sein Schälchen und schlurfte damit nach draußen.

Naja, ich hab mir da nix bei gedacht, denn draußen war es kühler und angenehmer.

Als ich dann gestern Morgen raus kam, schwamm das Näpfchen im Pool.

Nun grübele ich die ganze Zeit darauf herum, was das wohl zu bedeuten hat.

Das Herrchen meinte, er wollte die Schüssel waschen. Aber das ist unwahrscheinlich, denn Igor verrichtet keine Hausfrauentätigkeiten... aus Prinzip nicht.

Kann er, allen Ernstes, seine Suppe im Pool gegessen haben?

Und wenn ja: Warum hab ich das nicht mitbekommen? Es wäre zu schön gewesen!!!


August 2019:

Igor
"Sitz!" ist so eine Sache, die Igor unter der Rubrik "Kommandos, die die Welt nicht braucht." verbucht. Er setzt sich zwar, wenn ich es sage, aber wenn er nicht gleich wieder aufstehen darf, dann legt er sich hin...

Ihm ist es schier unmöglich, länger, als einige Sekunden, einfach nur zu sitzen. Es ermüdet ihn. Ihn verlassen alle Kräfte, und er sinkt langsam dem Boden entgegen, wo er sich, gaaanz langsam, immer mehr ausbreitet. 

Während des Hinabgleitens schaut er mich an, und seine Augen sprechen zu mir.

"Ich will ja sitzen, aber es geht nicht." sagt er und fügt noch hinzu "Guck! Guck, ich rutsche!"


August 2020:

Über das Schöne an einem Sommerregen

In den frühen Morgenstunden begann es tatsächlich, zu regnen. Es regnete, wie man so schön sagt, "Bindfäden"... kleine Tropfen, aber davon viele, die schnell herunterfallen, dicht gefolgt vom nächsten Tropfen...

Ich öffnete Türen und Fenster, ließ die kühle, frische Luft herein und bettete meinen müden Körper, noch eine Weile, auf dem Sofa, nahe bei der offenen Terrassentüre...

Den Vogelfutterspender hatte ich unlängst mit frischen Meisenknödeln bestückt, und sie waren auch allesamt da, die hungrigen Schnäbel. Eine bunter Trupp, bestehend aus Blau- und Kohlmeisen und zwei Kleibern, tummelte sich auf der Terrasse und hing, in Trauben, an den Meisenknödelhaltern...

Die Spatzenfamilie, ein riesiger Schwarm, der hier bei uns in den Hecken lebt, ließ sich vorerst nicht blicken. Diesen Regen mochten sie nicht. Nur eine kleine, braune Gestalt, die mir mehr, als vertraut ist, hüpfte am Boden herum und pickte eifrig alles auf, was die anderen Vögel oben, von den Knödeln, abhackten. Es war "das Schdibbelchen", ein kleines Haussperlingsweibchen, welches sofort durch sein etwas eigenwilliges Verhalten auffällt. Das Schdibbelchen ist anders, als die anderen Spatzen, und so kam es, dass alle anderen sicher und trocken in den Hecken und Bäumen beieinander saßen, während sie, neben dem Regen aus Wasser, auch jenen aus Meisenknödelkrümeln auf sich nieder prasseln ließ...

Ich beschloss, so noch eine ganze Weile auszuharren, mich an der kühlen Luft zu erfreuen, etwas auszuruhen und abwechselnd zum Fernseher und nach draußen zu schauen...

Dann vernahm ich die Schritte der Pferde, draußen auf dem Paddock. Ich hörte Meyjas leichte und Sharons schwere Schritte, ihr Schnaufen und das Platschen, wenn sie in eine Pfütze traten...

Sie hielten inne und schauten zur Terrassentür, wohl in der Hoffnung, mich dort zu sehen. Ich aber blieb liegen. Es war so gemütlich...

Dann begannen sie, nach mir zu rufen... Meyja mit der warmen, ruhigen Stimme einer erfahrenen Leitstute, Sharon mit dem schrillen Wiehern einer jungen Wilden...

"Komm raus!" riefen sie... "Komm zu uns, in den Regen. Hier ist es herrlich!"

Draußen war es grau, und es regnete ohne Unterlass, aber ich zog mich an und begab mich nach draußen...

Die mitgenommene Regenjacke zog ich nicht an. Es ist nicht schön, in diesem Gummiding. Es war auch nicht kühl, wie erwartet, so dass ich den warmen Sommerregen einfach auf mich fallen ließ, was sich gut anfühlte... unbeschreiblich angenehm. Es gibt kein zweites Gefühl, wie dieses, und so begab ich mich hin, zu den Pferden, um eine ganze Weile, mit ihnen gemeinsam, im Regen zu stehen...

Begrüßt wurde ich mit lautem "Hallo!", wie es ihre Art ist. Meyja kam, freudig gubbelnd, auf mich zu gerannt... im Passgang, wie immer, wenn sie es eilig hat, und Sharon quietschte von irgendwoher und trampelte dann auch herbei. Wir standen dicht beisammen, liebkosten einander und ließen den Regen auf uns fallen, der alles abwusch, was wir in den letzten Tagen erlitten hatten. Es war schön!

Nach einer Weile taten die beiden Liebhaberinnen üppiger Mahlzeiten mir kund, dass es an der Zeit sei, ihnen das Frühstück zu servieren, was ich dann auch tat...

Während sie zu fressen begannen, holte ich mein Zeugs herbei, was man so braucht, um einen zugeschissenen Paddock in einen sauberen zu verwandeln. Die Schubkarre war randvoll, mit Wasser. Als ich sie zur Seite kippte, um sie zu entleeren, schwappte ein Schwall des warmen Wassers gegen meine Beine und lief in meine Schuhe hinein. Ich tanzte, mit meiner Schubkarre als Tanzpartner, und mit den, bei jedem Schritt, quatschenden Gummilatschen, rhythmisch hin und her und sang mein Lieblingssommerregenlied „Summer Rain“ von Chris de Burgh. Sharon ließ von ihrem Heu ab und schloss sich uns an, der Schubkarre und mir. Die meiste Zeit stand sie mir im Wege, aber auch sie wiegte, hier und da, ihren glänzenden, schwarzen Körper im Takt meines krächzenden Gesanges, ging vor und zurück und um mich herum. Ich hoffe, uns hat niemand gesehen, und wenn doch, dann soll es mir egal sein. Sie reden eh über mich…

Ich machte dann sauber, innen und außen, fegte nasse Pferdeäppel zusammen, siebte Späne, versprühte nützliche kleine Tierchen, stopfte Heunetze, schrubbte Bottiche, und irgendwann, als ich fast fertig war, stellte ich fest, dass der Regen irgendwann aufgehört hatte, und der Boden stellenweise schon wieder gänzlich trocken war...

Ich hielt inne und fand mich in einer Art diesiger Nebelwelt wieder. Der immer noch warme Boden dampfte regelrecht, die Luft war feucht und schwer.

Die Blätter der Bäume, die Früchte und Nüsse, das Gras, die Blumen und überhaupt alles erstrahlte in einem frischen Glanz, so wie der frisch gewischte Fußboden, im Haus. Ein Feuerwerk aus Düften hing in der Luft… der Duft von nassem Gras, von Walnusslaub, von Tanne, von Kräutern, Blumen, Heu, von feuchter Erde und Wasser und dazu der wohl schönste Duft von allen, nämlich der von warmen, runden Pferdeleibern, die träge und genussvoll ihr Futter zermalmen…

Ich stand da, mittlerweile schon wieder in trockener Kleidung und ließ all das auf mich wirken. Im Hof hörte ich Moppe und Polle miteinander spielen, aber hier hinten war es ruhig. Einzig der Lärm der schäternden Spatzen, die sich nunmehr an der Futterstelle eingefunden hatten, war zu vernehmen. Gelegentlich machte es „Plopp!“, weil irgendwo ein Apfel oder eine Birne zu Boden fiel, und man hörte ein Rascheln im Laub, hier und da... 

Das Schdibbelchen kam auf mich zu gehüpft und wir sahen uns an. Es ist so niedlich, so besonders! Unter tausend Spatzen erkenne ich es sofort wieder. Es kann prima fliegen, aber es ist sehr oft zufuß unterwegs. „Pass auf, dass die Katzen dich nicht kriegen!“ sagte ich zu ihr und nahm meine Schubkarre wieder auf…

Nasse Pferdekacke ist erheblich schwerer, als trockene, stelle ich immer wieder fest. Wacker schob ich die schwere Karre vor mir her…

„Es ist gut, dass ich nicht liegengeblieben bin, bis der Regen aufhört!“ dachte ich laut. „Ich hätte so viel verpasst!“


August 2020:

Igor´s besondere Geschäftsbedingungen

"Ich muss mal!" jammerte er, während der gesamten Autofahrt. "Ich muss! - Ich muss! - Oooh! Wie ich muss!"

Also hielt ich am Straßenrand an und ließ ihn raus. Da stand er nun und schaute mich beleidigt an. Er pustete seine Backen rhythmisch auf, und sein Blick sprach Bände: "Hier soll ich meinen Darm entleeren? Hier? Am Straßenrand? Direkt neben dem Auto... also meiner Sänfte?" Er blickte mir tief in die Augen. "Bei laufendem Motor? Bin ich ein Vagabund? Ein Wegelagerer?" 

"Naja..." stammelte ich. "Ich dachte, wenn du sooo dringend musst..."

Igor sprang, mit einem Panthersatz, in den offenen Kofferraum zurück und ließ mich wissen, dass er darauf bestünde, an einen geeigneten Platz chauffiert zu werden, und zwar unverzüglich...

Am Waldrand angekommen, bei einem Windrad, entstieg er dem Auto und schritt hoheitlich von dannen... zügig und zielgerichtet...


September 2019:

Mal so über´n Flappes

Der Flappes ist kein gieriger Fresser, so wie manch anderer große Hund. Er frisst auch nicht, sondern er isst... Definitiv isst er, einem vornehmen Menschen ähnlich...

 

Der Flappes ist wählerisch, isst nicht alles. Gerne mag er das, was wir Menschen essen, liebevoll und üppig belegte Butterbrote, Gekochtes, Kuchen, Pizza, Spiegeleier und Spinat...

 

Der Flappes mag auch Hundefutter. Hochwertiges Dosenfleisch, gerne gemischt mit Kartoffelbrei oder Nudeln...  Gemüse in sahnigen Soßen darf man ihm gerne untermischen, und gegen kleine Snacks und:

 Hundekuchen hat er auch nichts einzuwenden...

 

Trockenfutter ist für ihn kein Essen. Trockenfutter ist etwas, was man zögerlich zu sich nimmt, wenn man spürt, dass der sicher bevorstehende Hungertod bereits beharrlich an die Pforte klopft. Trockenfutter kann noch so lecker sein, es ist kein Essen. Es ist allenfalls Futter, also Nahrung für Tiere, die fressen... keinesfalls aber Essen für Igor... niemals nie nicht artgerechte Nahrung für den Flappes!

 

Es gibt Tage, an denen er Trockenfutter zu sich nimmt, gepeinigt vom nagenden Hunger... vom quälend verkrampften, seit Stunden leeren Magen angeknurrt.

 

Er isst es aber heimlich, wenn ich es nicht sehe, da es unter seiner Würde ist. Hunde fressen Trockenfutter aus Näpfen, Igor nicht... nicht er, der Zar unter den Hunden, hier in unserem Dorf.

 

Manchmal isst er sogar reichlich davon, wenn er mit der Hoffnung, doch noch etwas Essbares zu bekommen, abgeschlossen hat. Und dann ist er satt... pappsatt...

 

Wenn er dann, gänzlich unerwartet, doch noch etwas Genießbares gereicht bekommt, so kann man ihm seine Verzweiflung ansehen.

 

"Damit kommst du jetzt an!" sagt sein vorwurfsvoller Blick... "Jetzt, wo ich satt bin."

 

Er verweigert die Annahme, dreht angewidert den Kopf zur Seite und macht kein Geheimnis daraus, dass er erzürnt ist... erzürnt darüber, dass man ihn so lange ohne jede Nahrung beließ, bis er, in seiner Not, jenes unsägliche Zeugs zu sich nahm.... heimlich... bevorzugt im Schutze der Dunkelheit...

 

Er ist schon ein Besonderer, mein Flappes. Er ist ein schrulliger Exot, ein wunderlicher Außenseiter, ein Hund, der kein Hund ist, sondern etwas, das über allem Hündischen schwebt... erhaben, stolz und unbeugsam...


November 2023


Aus dem bewegten Leben einer Hundezüchterin

Vom Abendessen waren noch Reste übrig. Es gab Jasminreis, der ziemlich klebrig war, gemischt mit einem bunten Pfannengemüse und ein paar gerösteten Sonnenblumenkernen, frischen Kräutern und natürlich guter Butter. Es war pappig, aber man konnte es essen. 

Natürlich blieben Reste, reichlich Reste, denn immer, wenn ich etwas koche, was auch den Hunden schmeckt, koche ich für ein ganzes Bataillon. 

Und so verteilte ich am nächsten Morgen die Reste des Abendessens in Igors Schlüssel, Jureks Schälchen, auf meinen Teller vom Vorabend und natürlich den Topf. Nachdem die Jungs ihre Ration bekommen hatten, stellte ich den Topf und den Teller im Flur auf den Boden, auf dass die hungrige Weiberrotte sich darauf stürzen möge. Dann nahm ich meine Cappuccino Tasse und mein Telefon und setzte mich im Wohnzimmer auf die Couch. 

Ich hatte ein wichtiges Telefonat zu führen, bei dem es galt, sich zu konzentrieren, erst zu denken und dann zu reden, geschickt zu verhandeln und sachlich zu argumentieren. Während dieses Gespräches wurde ich dann Zeuge folgender Szene: Der Topf, der mittlerweile längst leer sein durfte, wurde von drei unterschiedlich gefärbten Spitzleibern, deren Köpfe allesamt im Inneren des Topfes steckten, im Flur hin und her geschoben. Die Geräusche von Edelstahlkochtopf auf Bodenfliese waren deutlich vernehmbar. Irgendwann bog der Topf rechts ab und steuerte das Wohnzimmer an. Er kam kurz zum Stehen, was ich begrüßte, setzte sich jedoch bald darauf erneut in Bewegung, um geradewegs auf mich zu zu kommen. Circa in der Mitte des Raumes änderte er jedoch die Marschrichtung und verschwand unter einem Stuhl. Ich beobachtete das Ganze zwar amüsiert, stellte mir aber, wie so oft, die Frage, ob das wirklich gerade jetzt sein müsse. 

Just in diesem Moment bog auch der Teller, geschoben von zwei gierigen Schleckmäulern, ins Wohnzimmer ein. Steinzeugteller auf Laminat ist auch ein schönes Geräusch. Völlig unbeeindruckt redete ich ruhig weiter. 

"Ach, ich höre, sie sind auf der Baustelle." warf mein Gesprächspartner irgendwann ein. Ich widersprach ihm nicht. 

Der Teller näherte sich dem Topf, verharrte aber dann doch circa einen Meter davon entfernt. Nun kam Bewegung in die Mädelsrotte. Die Crew des Kochtopfes hatte beschlossen, das Kommando über den Teller zu übernehmen, während die Teller-Fraktion sich auf den Topf stürzte. Mit neuer Besetzung ging es dann lustig weiter. Der nunmehr von drei Spitzen geschobene Teller verließ das Wohnzimmer wieder und kollidierte im Flur mit einem Wäscheständer. Keramikteller auf Fliese gegen Metallgestänge, und das ganze rhythmisch, ein toller Sound. Der Topf, der mittlerweile nur noch zwei Köpfe in seinem Inneren verbarg, umkreiste in Ellipsen ein Stuhlbein. Dabei stieß er gelegentlich gegen Selbiges. Edelstahltopf auf Laminat gegen Holz, klasse! 

Begleitet von dieser Geräuschkulisse brachte ich souverän mein Telefonat zu Ende. Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. 

Ich nahm den letzten Schluck aus meiner Cappuccinotasse, stand auf, sammelte den Topf und den Teller wieder ein und verstaute alles in der Spülmaschine...


Dezember 2019

Die CACIB Kassel... Wir waren da! 

Kurzversion: So ein Scheiß! Wär ich mal zuhause geblieben!

Langversion:

Es fing schon super-klasse an, morgens um 3.00 Uhr. Ich hatte mir, am Abend zuvor, meine Klamotten zurecht gelegt. Ich wollte mich richtig schick machen, so mit langem Rock, schickem Blüsgen, nettem Jöppchen und schnuckeligen Schühchen... Ihr wisst, was ich meine... 

Und dann stehe ich dann, morgens um 3, in der offenen Haustüre, und draußen regnet das, wie aus Fässern. Ich denk, ich steh im Regenwald. Dazu peitscht ein heftiger Wind übers Land, und selbst hier, innerhalb des Hofes, ist er so stark, dass er die Regenmassen in die Türe hinein weht. Ich trete entsetzt einen großen Schritt nach hinten, aber ich bin bereits nass. Meine Hunde verlassen nur widerwillig das Haus, um pinkeln zu gehen und sind, beim Hereinkommen, nass, bis auf die Haut. Meine alte Maruschka will pinkeln, tapert raus, fällt und liegt in einer Pfütze. Ich stürze, im Nachtgewand, hinaus und zerre den Hund aus dem Dreck, helfe ihr auf die Beine. Sie rennt los und kommt bald darauf, klatschnass, dreckig, schlammig, wieder zurück. Ich bin nass und durchgefroren...  

Ich hoffe auf Besserung, dusche heiß und zieh erstmal ne Leggins an...

Es wird nicht besser. Land unter ist angesagt...

Das Herrchen hat den Wetterbericht studiert und tut mir kund, dass es in Kassel auch nicht besser sei...

 

Ich gehöre zu den Leuten, die niemals pünktlich irgendwo ankommen. Nicht, dass ich nicht zeitig eintreffen möchte... Neeeiiinnn! Ehrlich! Ich gebe mir Mühe, fahre beizeiten los, aber: Es passiert immer irgend etwas. Die Autobahn wird komplett gesperrt, wann immer ich dort lang fahren möchte und es eilig habe. Mal finden sie eine alte Bombe und räumen weitläufig die Straßen, mal passieren schreckliche Unfälle. Irgendwas ist immer. Oder sie fangen an, Straßen aufzureißen, just in dem Moment, wo ich angeschiggert komme, Umleitungsschilder verschwinden, mein Navi spielt verrückt...

Ich weiß das und bin nicht zornig darüber, denn es passiert mir ja nichts. Ich komme halt zu spät oder auf den letzten Drücker. So war es immer und so scheint es mein Schicksal zu sein. Ich kann damit leben... Gibt Schlimmeres. Aber man muss sich dann darauf einrichten, dass man z.B. bei einer großen Hundeschau, einen Parkplatz, gaaanz weit weg vom Eingang, ergattert. Messegelände sind meist riesig, und manchmal so zugeparkt, dass ich außerhalb parken muss. Ich kenn das eigentlich nicht anders...

So stelle ich mir nun bildlich vor, wie ich, in meinem nicht ganz so unwettertauglichen Outfit, durch Pfützen wate, während der Regen seitlich auf mich einpeitscht...

 

"Wenn ich in der Messehalle ankomme, haben meine Schuhe sich wahrscheinlich in ihre Einzelteile aufgelöst." spekuliere ich laut vor mich hin... 

Das Herrchen, ein Freund praktischer Lösungen, schlägt vor, in Gummistiefeln bis zur Halle zu marschieren und diese dort gegen die guten Schuhe zu tauschen...

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen… Gummistiefel! Jouw! Und mein Gepäck, nebst Hund, schiebe ich in der Schubkarre da rein, in der, mit der ich alltäglich die Pferdeäppel rumschigger… Ja nee, is klar...

 

Das Ende vom Lied ist, dass ich mit Leggins am Hintern und wasserabweisenden Haix an den Füßen losfahre, eine Ersatzleggings, Ersatzsocken, Handtücher und dicken Pullover im Gepäck. Über meiner Jacke habe ich noch eine dicke, wasserfeste Kaputzenjacke an, einen Schal um den Hals. Ich bin auf alles vorbereitet…. Auf in den Kampf!

 

Unterwegs ist das Wetter wechselhaft. Ich bin genervt davon, dass ich ständig die Scheibenwischer anders einstellen muss. Mal regnet es nur leicht, mal so dolle, dass ich fast nix mehr sehe, mal schwimmt mein Auto, mal ist die Straße nahezu trocken. Einmal schickt mein Freund, Mr. Tom Tom, mich über eine Piste, die wohl normalerweise nur von Traktoren oder Panzern befahren wird. Ich habe „schnellste Route“ ausgewählt, und er scheint zu denken, ich fliege mit einem Helikopter. Schnell komme ich nicht voran, aber ich bleibe immerhin nicht stecken. Allrad-Antrieb ist etwas Geniales…

 

 Als ich ankomme, ist alles zugeparkt. Ich finde aber einen Parkplatz. Er befindet sich außerhalb des Geländes, irgendwo am Straßenrand…

Angekommen nehme ich meine Hundebox, in die ich meine ganze Ersatzkleidung gestopft habe, leine meine Polle an und lasse sie selber laufen, da es, im Augenblick, nur ganz leicht regnet, quäle mich in meinen Rucksack hinein, was nicht leicht ist, weil ich zwei Jacken übereinander anhabe und versuche, mir irgendwie noch diese Tasche mit dem Faltstuhl umzuhängen, was aber nicht geht. Also schleppe ich ihn so…

Wir gehen an der Straße entlang, die Polle und ich. Mir ist schwindelig, irgendwie. Ich habe Mühe, nicht zu fallen. Autos flitzen vorbei, spritzen die Polle nass… mich auch… 

 

Angekommen stehe ich lange, bei den Besuchern, in der Schlange, bis ich raffe, dass Aussteller woanders rein gelassen werden…

 

Ich bin da! Hurrah! Ich habe meinen Ring gleich gefunden und auch ein nettes Plätzchen, wo ich meinen Faltstuhl entfalten und mich endlich setzen kann. Aber vorher stürme ich die Toilette. Ich hatte unterwegs keine Möglichkeit, habe aber viel getrunken. Mein Platz ist strategisch klug gewählt, direkt am Ring und nahe bei der Klotüre… 

 

Die Leute ringsum sind nett. Ich lerne eine Dänin mit Wolfsspitzen kennen, die voll lieb und lustig ist, zwei Ladies mit Bobtails, eine Dame mit Großspitzen und und und…

Dennoch fühle ich mich unwohl. Mir ist kalt. Ich bin völlig übermüdet. Meine Beine schmerzen fürchterlich, mein Kreislauf spielt verrückt und mir ist schlecht…

 

Ich übe ein wenig mit der Polle. Sie macht ihre Sache gut. Ich bin zuversichtlich…

 

Polle kann Vogelstimmen imitieren, erfahre ich von den Bobtail-Frauen. Ihnen habe ich die Polle anvertraut, um zur Toilette zu gehen, und diese hat wohl, während meiner Abwesenheit, Geräusche von sich gegeben, die an Vogelgezwitscher erinnern, sagen sie. Ich frage mich, im Stillen, ob es ein Fehler war, der Polle den Schlafplatz auf dem Sofa zuzuteilen, gleich neben dem Vogelkäfig…

 

Mein Smartphone habe ich im Auto vergessen. Irgendwas vergesse ich immer, bevorzugt wichtige Dinge. 

Seit es Handys gibt, sind Handys wichtige, ja unverzichtbare Dinge geworden. Seitdem machen Männer sich allergrößte Sorgen, sobald ihr Weib sich auf Reisen begibt und nicht stündlich anruft, um zu melden, dass es noch lebt. Da ich das Herrchen kenne und ihn geradezu vor meinem geistigen Auge sehe, wie er, dem Herzinfarkt nahe, herumtelefoniert, um heraus zu finden, ob ich noch unter den Lebenden weile und in welcher Klinik ich zu finden sei, leihe ich mir von einer netten Frau ein Handy aus und rufe ihn an. Er ist hörbar erleichtert und beginnt sofort, wortreich zu schildern, wo überall er schon angerufen hat, in seiner Verzweiflung. Ich verspreche, mich wieder zu melden, sobald ich wieder im Auto bin…

 

Als die ersten Kleinspitze im Ring ihre Runden drehen, werde ich nervös. Ich habe keine Angst, dass irgendein Hund schöner sein könnte, als meine Polle. Das ist unmöglich. Aber ich weiß, dass mir das Laufen Probleme macht… Geradeaus oder im Kreis laufen, ohne zu fallen, ohne zu sehr zu wanken… Ein Problem für mich… Laufen kann ich, aber wie…  

Dann bin ich endlich dran, und ich schaffe es, mal wieder, nicht der Länge nach in den Ring zu stürzen, nicht auf meinen Hund zu treten und nicht wie eine Besoffene auszusehen… nur, wie ein Trampel... ein gehbehinderter Trampel, in rustikalen Outdoor-Latschen und mittlerweile wieder trockenen Leggins… Ich bin stolz auf mich und noch stolzer auf meine kleine Polle, die so schön gelaufen ist und so brav da steht, ganz so, wie ich es sie gelehrt habe. Sie steht da und sieht schön aus, schön und glücklich. Sie strahlt mich an, und in diesem Moment sehe ich das immer lachende Gesicht ihres Vaters Haiko vor mir, aber auch die Züge ihrer Mutter, meiner geliebten Möppi. Sie ist eine gelungene Mischung aus beiden, stelle ich fest. Ich habe diesbezüglich alles richtig gemacht. 

Die Richterin stellt fest, dass Polle gut genährt ist. Ansonsten sagt sie nichts…

 

Polle bekommt das V3. Ich halte das für unangemessen. Ich gehöre nicht zu denen, die es nicht verkraften, wenn der eigene Hund mal nicht ganz vorne steht, aber diese Bewertung kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin enttäuscht…

 

Nun heißt es warten, bis alle Spitze gerichtet sind. Nach den Kleinspitzen kommen die Zwergspitze, und davon gibt’s immer sooo viele. Das Ganze zieht sich ellenlang hin. Ich friere fürchterlich, will aber die dicke Jacke, die warm und bequem, aber nicht wirklich schön ist, nicht anziehen. Ich sehe darin wie ein Eskimo aus. 

 

Ich gehe umher, kaufe drei Kaustangen, sehe nette Dinge, die mir zu teuer sind, führe ein kurzes Streitgespräch mit einem Besucher, der einen größeren Mischlingshund dabei hat, der ständig andere Hunde anpöbelt und mich dazu veranlasst, die Polle zu tragen. Er sagt, wir Kleinhundebesitzer stellen uns alle blöde an. Wir sollen doch unsere Köter zuhause lassen, wenn die das nicht abkönnen. Mit „das“ meint er die Sturmattacken seines ungezogenen Hundes, der sich zähnefletschend und laut grollend in die Leine wirft, sobald ein anderer Hund vorbei geht. Ich weise ihn darauf hin, dass ich meinen Hund ausstelle, wofür ich viel Geld bezahlt habe und weit gefahren bin und dieser niemandem etwas tut, im Gegensatz zu seiner Töle, die auf solchen Veranstaltungen nichts verloren hat. Er verzichtet darauf, sich weiter mit mir anzulegen, da mehrere andere Leute ihn umringen, die mir allesamt beipflichten…

 

Ich habe Hunger, fürchterlichen Hunger. Die mitgebrachten Stullen schmecken nicht. Also gehe ich los und besorge mir, in einer Nachbarhalle, ein Portion Fritten, mit Majo. Die Fritten sind nicht wirklich der Burner… Wellenschnitt… Sowas esse ich normalerweise nicht. Wer 20 Jahre an der belgisch-niederländischen Grenze gewohnt hat, ist, was Fritten betrifft, verwöhnt. Aber ich esse die kleine Portion auf. Danach ist mir erst richtig schlecht…

 

Als wir endlich gehen dürfen, hülle ich mich wieder in mein Eskimo-Kostüm, schnalle den Rucksack auf meinen Rücken und hänge mir die Faltstuhl-Tasche einfach um den Hals. Der Gurt schneidet mir schmerzhaft ins Fleisch, aber ich halte das irgendwie aus, die 100 Kilometer, bis zum Auto… 

 

Als ich losgehe, regnet es nicht wirklich. Es nieselt nur leicht. Unterwegs ändert sich das. Ich schimpfe laut hinter einem Autofahrer her, der mich total nass spritzt. Ich schimpfe auf Kölsch und hoffe, dass er nichts versteht. Eine Tracht Prügel wäre jetzt nicht so der Brüller…

 

Beim Auto angekommen verstaue ich alles. Die Polle ist froh, in ihrer Box zu sitzen. Dankbar nimmt sie die Knabberstange entgegen und macht es sich damit bequem. Ich rufe das Herrchen an. Auch er ist enttäuscht über das Ergebnis, aber er sagt, ich soll nicht traurig sein…

 

Unterwegs ruft er noch einmal zurück und bittet mich, falls ich an einem Geschäft vorbei komme, noch etwas zu besorgen. Der nächste Ort ist Salzwedel. Ich fahre in die Innenstadt. Ich entdecke einen Lidl und fahre auf den Parkplatz, der verdächtig leer ist. Es ist 20.07 Uhr, und der Lidl hat zu. Von Montag bis Freitag hat er bis 21.00 Uhr geöffnet, aber nicht am Samstag. So ein Scheiß!

Ich spreche einen Inder an, der mir sagt, das Kaufland habe bis 22.00 Uhr auf, was mich freut. Er fährt auch vor mir her, bis zum Kaufland, da ich mich nicht auskenne. Wie nett von ihm. Ich bedanke mich wort- und gestenreich. 

Ich parke, steige aus, verriegele mein Auto und begebe mich zum Eingang, wo ich, mit Bedauern, feststelle, dass jeden Tag bis Zehn geöffnet ist, aber nicht am Samstag… Samstags machen sie um Acht schon zu… 

 

Ich fahre weiter. Als ich durch einen Wald fahre, wo man nur 80 km/h fahren darf, woran ich mich halte, kommt von hinten ein Auto angeflogen, drängelt hinter mir herum, fährt mir fast hinten drauf und hupt und macht ein Riesenspektakel. Ich fahre gelassen 80 und erzähle der schlafenden Polle ausführlichst, was der Mensch, da hinter mir, mich alles kann. Irgendwann überholt er mich, trotz durchgezogener Linie, und rast von dannen. Ich sehe, wie er die nächsten Ortsschilder passiert und, in rasantem Tempo, ins Dorf einfliegt. Ich schätze seine Geschwindigkeit auf ca. 100 km/h.  Als ich in das Dorf komme, sehe ich, dass nur wenige Meter hinter dem Ortseingang, bereits der erste Blitzer steht. Ich empfinde aufrichtige Schadenfreude…

 

Zuhause angekommen ist die Freude groß. Sharon und Meyja wiehern ganz aufgeregt, als sie meine Stimme im Hof hören. Ich freue mich auch, sie zu hören. Igor, mein Flappes, umkreist mich, wie ein Sputnik und drückt seine lange Schnute liebevoll an meine Brust. Ich liebkose ihn ausführlich und bin froh, ihn wieder bei mir zu haben. Maruschka klappert mit den Zähnen. Seitdem sie nicht mehr, wie ein Gummiball, umher springen kann, klappert sie mit den Zähnen. An der Lautstärke des Klapperns kann man den Grad ihrer Erregung erkennen. Sie ist sehr aufgeregt. Ich nehme ihren Kopf in meine Hände, streiche mit den Daumen über ihre Locken und sage ihr, dass ich sie vermisst habe. Maruschka ist stocktaub, aber sie weiß, was ich sage…

 

Maruschka und Igor freuen sich über meine Stullen. Pappige, olle Stullen mögen sie irgendwie noch lieber, als frische. Sie verschlingen meinen, von mir verschmähten, Reiseproviant in Sekundenschnelle und sind dann, satt und zufrieden, dass die Mama wieder da ist, bereit, sich zur Nachtruhe zu begeben…

 

Während ich den Pferden noch ein paar Möhren bringe, klaut Jurek die Knabberstangen, die ich auf der Ausstellung gekauft habe, aus meiner Tasche, die am Boden, im Flur steht, und schleppt sie, alle drei, in seine Kiste. Als ich wieder rein komme, wundere ich mich, dass er nicht zu mir kommt. Irgendwann später finde ich die angenagten Dinger und weiß nun, warum. Dieser Halunke!

 

Ich frage mich, warum ich mir das überhaupt angetan habe. Man ist den ganzen Tag unterwegs, verfährt eine Menge teuren Treibstoff, ist unausgeschlafen und genervt und ärgert sich am Ende noch. Zuhause hätte man so viel erledigen können. Ich hätte endlich die Plätzchen backen können, die ich schon längst habe backen wollen. Aber ich hatte keine Zeit dazu. Ich hätte Freunde einladen und mit ihnen, bei gutem Essen und süffigen Drinks, schöne Gespräche führen können.   Ich hätte auch einfach auf meiner Heizdecke liegen können und schlafen… vielleicht nach einem Spaziergang im Regen… mit einem heißen Kakao im und einer zufriedenen Polle auf dem Bauch…


Dezember 2022

Artgerechte Ernährung von Zweibeinern oder einfach ROTKOHL 


In meiner Ratlosigkeit besinne ich mich darauf, dass ich nicht alleine bin und wende mich hilfesuchend an das Herrchen:

"Wir haben ja morgen Silvester. Wollen wir da was Besonderes essen?"

"Jou." sagt er, ohne vom Laptop aufzuschauen.

"Aber was?" frage ich. 

Die Antwort kommt, wie aus der Pistole geschossen: "Rotkohl!'

Ich fasse es nicht. Rotkohl! Schon wieder! An Heiligabend habe ich meinen größten Topf genommen und Rotkohl gekocht, massenhaft Rotkohl. Der Topf war randvoll. Das Herrchen liebt Rotkohl, und wenn ich welchen koche, dann gleich richtig viel davon. Der Weihnachtsrotkohl war sehr lecker, und wir haben drei Tage lang davon gegessen, mehrmals täglich.

Nun ist's genug! Keinen Rotkohl mehr, bitte. 

Das Herrchen strahlt mich an, voller Vorfreude auf erneute, tagelange Rotkohl-Exzesse. 

Vor meinem geistigen Auge verschwimmt sein Gesicht, verfärbt sich lila und verwandelt sich allmählich in einen stattlichen Kohlkopf. Ich schüttele den Kopf, um die Bilder los zu werden, was mir zum Glück auch gelingt.

"Wie Rotkohl?" frage ich vorwurfsvoll. "Ich werde einen Teufel tun, schon wieder tagelang Rotkohl zu essen!"

"Dann nicht." tönt die leicht beleidigte Antwort aus dem Kohlkopf, der allmählich wieder menschliche Züge annimmt. "Du hast mich gefragt. Und ich esse gerne Rotkohl."

Ich bleibe hart. "Nix da. Jibbet nich. Lass dir mal was anderes einfallen." 

Er denkt kurz nach und hat dann, wie er meint, eine tolle Idee. "Weißkohl!" 

Ich bin genervt. "Ohhh!" sage ich, nicht ohne Ironie. "Das ist ja mal ganz was anderes."

Er will sich grade wieder seinem Laptop zuwenden, als ich ihn auffordere: "Nun mach doch mal einen gescheiten Vorschlag, ohne irgendwelche Kohlköppe!"

"Ich esse gerne Kohl!"

"Ja, ich auch, aber nicht ununterbrochen.'

"Wir hatten jetzt zwei Tage was anderes, da könnten wir doch..."

"Nein! Vergiss es!"

"Ja, denn weiß ich es nicht."

"Na du bist mir ne Hilfe. Außer Rot- und Weißkohl fällt dir nix ein?"

"Er grübelt sichtbar und hat schließlich noch eine Idee: "Wie wärs mit Sauerkraut?"

"Sauerkraut ist auch Kohl."

"Ja, aber fermentiert."

"Ich will nicht wieder Kohl essen, verdammt!"

"Ja, dann weiß ich es nicht."

Ich bin verängert. Er soll sich Gedanken machen und gibt sich einfach keine Mühe. Außer Kohl fällt ihm nix ein. 

"Kein Wunder, dass Helmut Kohl seinerzeit so lange Kanzler war. Den Wählern ist offenbar auch nix anderes eingefallen, als Kohl, Kohl, Kohl." murmele ich missmutig vor mich hin. 

Er geht noch einmal in sich. Man sieht es an seiner Körperhaltung. Schnell hat er eine erneute, tolle Idee: "Grünkohl! Grünkohl hatten wir schon länger nicht mehr."

Ich winke ab. Das hat ja keinen Zweck. 

"Wir könnten ein Blech Pizza backen, aus selbstgemachtem Teig, mit leckerem Belag." überlege ich laut.

"Jou." tönt es vom Schreibtisch her.

"Aber ich habe keine Ananas mehr, und Pizza ohne Ananas?" 

"Ja nee." meint auch er.

"Oder schöne, dicke Pellkartoffeln, mit Eierquark." schlage ich vor.

"Jou."

"Obwohl das ja nix Besonderes ist."

"Och..." 

"Ja nee, ich will ja was machen, was wir nicht alle Tage essen." Ich bin nach wie vor ratlos.

"Rotkohl gibt's im Glas, Weißkohl aber nicht, oder?" vernehme ich aus dem Hintergrund.

"Nee, nur als Sauerkraut."

"Ja, das will Madame ja nicht."

"Ach... Du meinst also, wenn es Weißkohl in Gläsern gäbe, dann würde ich den machen?" Ich bin irritiert. 

Ich ziehe in Erwägung, mich lange in die Küche zu stellen, um etwas Besonderes zu kochen, und er bedauert, dass man Weißkohl nicht fertig gekocht in Gläsern kaufen kann. Was ist da falsch verdrahtet, in diesem Kohlkopf? 

Ich beschließe, meine Entscheidung alleine zu treffen und wende mich ab. 

"Aber Grünkohl gibt's im Glas, oder?" ruft er hinter mir her. "Haben wir nicht beim Kühne-Werksverkauf welchen gekauft?"


Möppi

Weil mir gerade einmal wieder das Herz übergeht, vor lauter Liebe zu meiner wundervollen Möppi, habe ich das Bedürfnis, ein paar Zeilen über sie zu schreiben: 

Meine Möppi ist wirklich ein ganz besonderer Hund. Ich weiß, dass jeder Hund besonders ist, ebenso wie jeder Mensch. Und gerade der Spitz ist ein sehr spezieller Hund, mit einem sehr markanten und ausgeprägten Charakter. Und sie sind alle wundervoll, die Großen und die Kleinen, die Mittleren und die Winzigen, die Bunten, die Roten, die Schwarzen und die Weißen, die Grauen und die Spanplattenfarbenen. Sie alle sind großartige Persönlichkeiten, die dem Menschen, den sie begleiten, für einige Jahre sein Leben bereichern, bereichern um eine schier unermesslich große Summe von wundervollen Erlebnissen, großen Gesten, aufrichtiger Liebe und ergebenster Treue. 

Alle diese Spitze sind Zauberwesen, jedes von ihnen ein Unikat, jedes von ihnen unbezahlbar. 

Aber da ist ein Spitz auf dieser Welt, der sich von allen anderen abhebt, und das ist meine Möppi. Möppi ist kein Spitz von der pflegeleichten Sorte. Im Gegenteil. Sie ist schon sehr anspruchsvoll, sehr eigen, beharrt auf ihrem Willen und ihrer eigenen Meinung. Möppi würde niemals gehorchen, einfach so, aus Gehorsam. Aber Möppi tut dennoch immer, was ich von ihr erwarte. Sie tut es aus Liebe zu mir, um mir zu zeigen, wie wichtig ich ihr bin, und sie tut es, weil es ihr Freude macht, mit mir zu interagieren. Möppi ist ein Freund behaglichen Liegens, bequemer Betten und Körbe, dicker Decken und flauschiger Kissen. Aber wenn ich mich müde zur Ruhe begebe, nimmt sie den Platz neben mir auf dem Fußboden ein . Sie beobachtet mich immer ganz genau, weiß was ich im Schilde führe. Ich habe noch gar nicht begonnen, mich anzuziehen, da steht sie schon vor der Tür und tut mir kund, dass sie darauf besteht, mich auf jeden Fall zu begleiten. Sie kann meine Gedanken lesen. Und wann immer ich in ihr Gesicht schaue, sehe ich ihre fröhlich leuchtenden Augen, sehe ich die Herzenswärme, den wachen Verstand und die Liebe darin leuchten. Ich liebe dieses kleine, rote Gesicht, und ich liebe diese leuchtenden Augen. Ich liebe aber auch die Sorgenfalten auf ihrer Stirn, wenn sie merkt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, ihren unheilverkündenden Blick, wenn die Situation brenzlig wird und das für sie so typische Gulpen, wenn es wirklich heftig wird. Ich liebe es, wenn sie mich anschaut und mir versichert, dass ich mir keine Sorgen machen brauche, weil sie auf alles aufpasst. Und ich weiß, dass ich dieses Versprechen ernst nehmen kann. Es berührt mich zutiefst, wenn sie zwischendurch, einfach so, in einem Anfall von wilder Leidenschaft für ihre Menschenmama, auf mich zu stürzt, um mir kurz die Hand, das Bein oder was auch immer sie gerade kriegen kann, zu lecken. Es ist wie ein Kuss, ein schneller aber leidenschaftlicher Kuss, der nur eine Botschaft in sich trägt, nämlich "Ich habe dich so lieb, so unglaublich lieb!"

Und wenn ich sie sehe, wie sie, einer kleinen Majestät gleich, durch den Hof schreitet, aufmerksam, erhaben und voller Würde, dann empfinde ich regelrechte Hochachtung vor ihr. Wenn ich sie laufen sehe, mit ihrem unvergleichlich spektakulären Gangwerk, dann fasziniert mich das in unbeschreiblicher Art und Weise. Es ist die Art, wie sie die Beine wirft, wie sie federleicht dahin schwebt und dennoch fast etwas Soldatenhaftes an den Tag legt. Zielgerichtet, den Blick nach vorne, marschiert sie im Stechschritt durch die Welt, erweckt aber dennoch den Eindruck, den Boden so gut wie gar nicht zu berühren. Sie schwebt. Ihr kleiner, wunderschöner, roter Körper schwebt über den Erdboden und ihr großartiger, edler Geist schwebt über allem, erhebt sich über alles Hündische und Menschliche. 

Sie ist keine Diva, keine Grand Dame, keine Prinzessin und keine Königin. Sie ist eine Göttin. Wenn ich sie in meinen Armen halte, dann drückt sie ihr kleines Köpfchen an meine Schulter. Sie schließt die Augen und genießt diesen wundervollen Augenblick. Das sind Momente, die durch nichts zu ersetzen sind und die ich nicht zu beschreiben vermag, denn dafür fehlen selbst mir die Worte. 

Ich danke dem Herrgott für für dieses Wunderwesen, mein Möppen. Ich danke ihm auch für all die anderen, die mich auf meinem Lebensweg begleiten, die meine grauen Tage erhellen und meine glücklichen Tage noch glücklicher machen. Sie alle sind ein Reichtum, ein unermesslicher Schatz. Aber das größte, funkelndste und edelste Juwel in meiner plüschigen Schatzkiste ist und bleibt dieser wundervolle, kleine, rote Hund namens Möppi.

September 2023

Der böse Spitz aus Kindertagen

Erst gestern wieder hat mir eine Dame erzählt, dass sie damals, in ihrer Kindheit, in der Familie auch einen Spitz hatten, der aber ein ziemlich rabiates Biest gewesen sein soll. Ein etwas größerer Spitz sei es gewesen, weiß, und alle Kinder hatten Angst vor ihm.

Das ist ihre persönliche Erinnerung, an den einzigen Spitz, den sie je kannte, und das hat ihr Bild von dieser Rasse nachhaltig geprägt.

Ich habe sie dann gefragt, wie dieser Hund gehalten worden ist. Ihr könnt Euch sicherlich denken, wie die Antwort lautete. Der arme Kerl lebte an einer Kette, im Hof. 

Ich habe sie dann gefragt, was sie denn von einem hochintelligenten, sozialen Lebewesen, einem Rudeltier, das in Einzelhaft leben muss, das seinen Bewegungsdrang niemals ausleben kann und darf und dessen ganzer Kosmos diese paar Meter sind, dieser kleine Halbkreis, vom Anfang bis zum Ende der Kette, erwartet. Ich habe sie gefragt, ob sie sich jemals vorgestellt hat, wie so ein Leben sich anfühlt. Ich habe sie gefragt, ob das ihrer Meinung nach überhaupt ein Leben ist oder nicht eher ein Dahinvegetieren, eine qualvolle Existenz, in der Schmerz, Einsamkeit und Langeweile über alles andere dominieren. Ich habe sie gefragt, was dieser Hund denn für Alternativen gehabt hat, zum Kläffen und Knurren und sich in die Kette werfen. Irgendwann schaute sie ganz betreten zu Boden und sagte ganz leise: "Sie haben recht. So habe ich das noch nie gesehen. Aber jetzt wo sie das sagen, da kann einem der arme Kerl ja einfach nur leid tun. Das war ja kein Leben, für einen Hund."

Dieser Hund hat alles getan, was ihm zu tun möglich war. Er hat aufgepasst, auf sein kleines Reich und es wütend gegen alle äußeren Einflüsse verteidigt. 

Er hätte seinen Menschen sicherlich noch sehr viel mehr gegeben, wenn man ihn gelassen hätte, wenn seine Welt größer gewesen wäre, als vom Anfang bis zum Ende der Kette... 😢

Oktober 2022

Norddeutsche Schwiegermütter

Schwiegermütter können schon lustig sein, mitunter. Im Besonderen gilt dies für norddeutsche Schwiegermütter, die zudem altersbedingt schon etwas tüddelich sind und auch nicht mehr ganz so gut hören...

Heute saß ich am Steuer meines Autos, und wie immer lief Musik. Mein braver Eddie spielte leise, so wie von mir gewünscht, per Zufallsmodus, irgendwelche Lieder vom USB-Stick ab.

Irgendwann ertönten die Anfangstakte des populären Brings-Songs "Superjeile Zick". Da konnte ich nicht anders, als die Lautstärke etwas hochzudrehen und mitzusingen.

Als das Lied zu Ende war, wandte Schwiegermutter sich mit einer Frage an mich:

"Sag mal, welche Sprache war das?"

"Kölsch!" antwortete ich wahrheitsgemäß.

"Ach..." seufzte sie. "Das ist schon schön, wenn man eine Fremdsprache spricht."


Oktober 2020

Ein Dorfhund in der Stadt

Heute bin ich nur mit Igor unterwegs. Ich wollte bei Edeka ein paar Sachen besorgen, die sie aber allesamt nicht haben, aber ich gehe dennoch nicht mit leeren Händen hinaus. Die Pizza im Angebot ist zu verlockend, und Haarfarbe kann man immer gebrauchen. Zu der Pizza brauche ich noch eine Dose Ananasstücke, und wo ich einmal unterwegs war, gönne ich mir dann auch noch zwei Becher Latte to Go…

Anschließend machen wir zwei, der Flappes und ich, einen schönen, abendlichen Spaziergang durch die Stadt.

Igor liebt diese Spaziergänge durch die Stadt. Es gibt so viel zu sehen, zu hören und vor allem zu schnuppern, dort. 

Auf dem Lande, im Wald oder auf den Feldern, da gibt’s auch vieles, aber das kennt er alles. Das ist ihm vertraut. Er kennt die Gerüche der Pflanzen und Tiere, den Duft von feuchtem Waldboden, von blühendem Raps, von wilden Heidelbeeren, Pilzen, Maiglöckchen, Hasen, Igeln, Rehen und Wildschweinen. Das ist seine Welt, und wo auch immer ich die Heckklappe meines Autos öffne und ihn heraus lasse, trifft er auf all diese vertrauten Düfte. Manchmal wittert er einen anderen Hund, vielleicht auch hier und da einen Wolf, einen Fuchs, einen Dachs oder einen Waschbären. All dies gehört zu seiner, zu Igors Welt...

Nun kommt er gelegentlich in die Stadt, mal in eine große und mal in eine kleine Stadt, mal am Abend, wenn alles zur Ruhe kommt und mal am Tage, wenn das Leben dort tobt. Und immer ist es ein riesiges Erlebnis, für ihn, den Hund vom Dorf. Immer wieder ist er fasziniert von all den Gerüchen, die es dort, wo wir sonst so umher laufen, nicht gibt. All die Menschen, die dort herum laufen, kleine und große, junge und alte, freundliche und fiese. Das ist schon etwas Besonderes für ihn, der sonst kaum einen Fremden trifft. Und dann die ganzen Hunde, die man zwar meist nicht sieht, aber überall riecht. Ist das spannend! Jeder Baum erzählt eine lange Geschichte, von unzähligen Hunden, die ihr Bein an ihm gehoben haben. Jeder hat eine Botschaft hinterlassen, und jede Botschaft klingt anders. Aber es sind keine bösen Botschaften, sondern einfach nur Informationen über Geschlecht, Alter und Rang des jeweiligen Hundes. Stadthunde sind nämlich anders, als Mecklenburger Dorfköter. Sie sind freundlicher zueinander. Sie haben, von klein auf, gelernt, sich mit Artgenossen zu vertragen. Viele Stadthunde spielen freundlich und ausgelassen mit ihren Artgenossen in den Parks der Städte, ohne dass es jemals zu einer ernsthaften Auseinandersetzung kommt. Hier auf dem Land ist das anders. Kaum ein Hund wird spazieren geführt, und die meisten fristen ihr trostloses Dasein als Hofhunde, im Zwinger, an der Kette oder im Garten ihres Hauses. Sie alle haben keine andere Lebensaufgabe, als ihr kleines Reich zu bewachen, und so wird jeder, der vorbei geht, wütend angebellt, und jedem anderen Hund zeigt man die Zähne, knurrt so böse, wie man nur eben kann oder verbeißt sich sogar, sehr effektvoll, in den Gitterstäben des Tores oder den Maschen des Zaunes. Selbst die wenigen Hunde, die ausgeführt werden, sind meist nicht nett zu ihren Artgenossen, weshalb es klug ist, sich vor ihnen zu hüten. Igor, der freundliche Flappes, ist eigentlich erst einmal neugierig aufgeschlossen, fremden Hunden gegenüber. Es gibt aber auch einige wenige Exemplare, die er nicht leiden kann. Dazu gehört z.B. ein Mischlings-Rüde aus der Nachbarschaft, den er leidenschaftlich hasst. Er sieht ihn immer nur aus der Ferne, aber er hasst ihn und brummt ihn böse an, sobald er ihn sieht. Für mich ist das in Ordnung, denn ich mag auch nicht alle Menschen leiden, die mir so begegnen. Also erwarte ich auch von meinen Hunden nicht, dass sie jeden anderen dahergelaufenen Köter gerne haben. Solange sie nur brummen und bellen und nicht übergriffig werden, ist alles im grünen Bereich…

In der Stadt riecht es nach Stadthunden, die im Park miteinander spielen. Igor nimmt aufgeregt ihre Botschaften auf und mit ihnen eine Fülle anderer spannender Dinge…

Hier und da duftet es nach Essbaren, nach gegrilltem Huhn, Pommes Frittes oder Gebäck. Igor mag all diese Dinge und streckt seine Nase den verführerischen Düften entgegen. Aber ans Fressen zu denken, dazu hat er eigentlich jetzt gar keine Zeit. Da ist so vieles, was zu beachten ist, in der Stadt. Die vielen Lichter, die Autos, Menschen auf Fahrrädern. Igor liebt Menschen auf Fahrrädern. Zu gerne begleitet er sie ein Stück weit. Es fasziniert ihn, wenn Menschen sich so flott vorwärts bewegen. Sein Frauchen fährt nicht mit dem Rad. Sie ist schon toll, und er hängt mit großer Liebe an ihr, aber er würde sie noch viel mehr verehren, würde sie Fahrrad fahren…

Igor möchte jeden Menschen begrüßen, naja, fast jeden. Menschen, die nichts taugen, ignoriert er. Aber Leute, die nett sein könnten, möchte er begrüßen. Manche haben Angst vor ihm, weil er so groß ist, während andere ihn mit Wohlwollen betrachten. Ich halte ihn stets zurück. Besser ist das…

Manch einer schaut Igor mit großen Augen an. Solch einen Hund gibt’s hier kein zweites Mal. Einige finden ihn komisch, manche hässlich, aber viele scheinen Gefallen an ihm zu haben. Auf jeden Fall fällt er auf. Das ist eigentlich gar nicht so in meinem Sinne, denn ich bin nicht so der Typ Mensch, der gerne die Blicke auf sich zieht. Aber ich tröste mich damit, dass mich wohl niemand wirklich wahrnimmt, wenn ich neben Igor her wackele. Ich bin nur die kleine, dunkle Gestalt, am anderen Ende der Leine. Und das ist gut so. Er stolziert neben mir her, und sein frisch gebürstetes, weißes, seidiges Fell federt mit, bei jedem Schritt. Er sieht so schön aus! Ich bin stolz auf ihn. 

Manchmal machen Leute Komplimente, aber selten. Der gemeine Mecklenburger spricht niemanden einfach so an, auf der Straße. Aber ihre Blicke sagen oft mehr, als Worte, und bisweilen vernehme ich, wie jemand seiner Begleitung zuraunt „Guck mal. So ein schönes Tier!“ oder ähnliches. Igor spürt das auch, und als ob er dem Ganzen noch Nachdruck verleihen wollte, nimmt er dann eine besonders heroische Körperhaltung ein…

Igor darf weder Häuser, noch Laternen, noch Autos oder Mülltonnen oder Bänke anpinkeln, das kennt er auch vom Dorf her. Ich hasse es, wenn Leute ihre Hunde überall ranpinkeln lassen und damit fremdes Eigentum beschmutzt und verstänkert wird. Ich habe es immer schon gehasst, und keiner meiner Hunde darf so etwas tun. Bäume sind ok. Und so lasse ich den Flappes, in den weniger belebten Straßen, in aller Ruhe jeden einzelnen Baum anpullern. Wir haben Zeit. Auch darf er in Ruhe „Zeitung lesen“, all die Botschaften und Eindrücke aufnehmen und analysieren. Schließlich sind wir nicht oft in der Stadt…

Igor ist ganz aufgeregt. Auch wenn er, mit der Zeit, immer ruhiger und gelassener wirkt, ist er dennoch innerlich aufgewühlt. Diese vielen Reize müssen verarbeitet werden. Das erfordert Konzentration, höchste Konzentration…

Wenn wir draußen, in der Natur, unterwegs sind, dann kommt er oft zu mir hin und drückt seinen Kopf liebevoll an mich, um mich kurz verliebt und glückselig anzuschauen. Auch nimmt er jederzeit gerne Streicheleinheiten entgegen. Mache ich unterwegs kurz Halt, wird oft die Gelegenheit genutzt, sich die Ohren kraulen zu lassen oder eine kleine Rückenmassage abzustauben. In der Stadt ist das anders. Hier hat Igor keine Zeit, für Zärtlichkeiten. Streiche ich ihm über den Kopf, wenn wir am Straßenrand anhalten, lässt er das über sich ergehen, reagiert aber entweder gar nicht darauf, oder er schaut mich nur ganz flüchtig an, als wolle er sagen „Keine Zeit! Später!“ Ich nehme ihm das aber nicht übel. Er hat Wichtigeres zu tun. Hier ist etwas los, und er will nichts davon verpassen. Nachher, zuhause, wird er wieder ganz das Schmusekätzchen sein, Mamas jute Jung…

Mein Auto steht auf dem Edeka-Parkplatz, und nach unserer Stadtrunde kommen wir wieder dort an. Neben unserem steht ein anderes Auto, dessen Besitzer es gerade mit Einkäufen beladen. Ich öffne die Heckklappe, ziehe Igor das Halsband aus, weise ihn an, ein paar Schritte zurück zu gehen, da das Hineinspringen, mit Anlauf, leichter ist, und er tut brav, wie ihm geheißen. Mit einem Satz ist er im Kofferraum, wo er zwar bequem liegen kann, aber sitzen nur in geduckter Haltung. Ich gebe das Kommando „Mach dich klein!“, und mein kluger, großer, weißer Hund duckt sich und verzieht sich so weit ins Wageninnere, dass ich die Klappe schließen kann, ohne ihn zu berühren. 

„Haach! Guck mal der Hund!“ höre ich die Frau am Nachbarauto ausrufen. „Hast du das gesehen?“ fragt sie ihren Mann und fügt noch hinzu „Toll!“

Und wieder bin ich stolz auf meinen Flappes. Ich stelle immer wieder einmal fest, dass viele dieser kleinen Dinge, die für uns alltäglich und normal sind, andere Leute offenbar in Erstaunen versetzen…

Wir fahren heim, durch einen Wald, zwischen Äckern hindurch, über holprige Alleestraßen, gesäumt von alten Eichen…

Hinter uns kommt ein Auto angebraust, welches sehr dicht auffährt. Er hat, neben dem normalen Licht, auch noch seine Nebelscheinwerfer an. Das sieht man hier oft, erstaunlich oft. Es ist nicht mal ansatzweise nebelig, aber man macht alle Lampen an, die man so hat. Hätten diese Leute, auf dem Autodach, einen mobilen Flakscheinwerfer, würden sie wahrscheinlich auch den Himmel anstrahlen, während sie zum Aldi fahren…

Irgendwann fühle ich mich so belästigt, dass ich sauer werde. Das Licht von hinten blendet mich, durch den Rückspiegel, und er fährt immer dichter auf. Ich fühle mich unwohl, bedrängt und, durch das Blenden, beeinträchtigt und drossele die Geschwindigkeit. Ganz langsam nehme ich den Fuß immer mehr vom Gas und fahre irgendwann nicht mehr 70 km/h, sondern nur noch 60. Ich werde einen Teufel tun, mich von ihm zum Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nötigen zu lassen. Eher werde ich langsamer. Er klebt immer noch dicht hinter mir, fährt aber jetzt demonstrativ in Schlangenlinien. Was für ein Arschloch! Ich lasse mich aber nicht provozieren. Ich schaue auf die Straße vor mir und fahre ruhig und besonnen weiter. Igor ist von dem Geblende und Hin- und Hergefahre auch etwas genervt und richtet sich etwas auf, um empört nach vorne zu schauen, als wolle er mich fragen „Watt will der Knaller da hinten?“ 

Der Knaller merkt, dass er sich an mir die Zähne ausbeißt und reagiert. Er überholt mich rasant. Er rast, über die durchgezogene Mittellinie hinweg, an mir vorbei, so dass sein Motor nur so aufheult und braust davon. Sein linkes Rücklicht ist defekt. Aus der Ferne sieht er aus, wie ein Motorrad. Ich lache und rufe hinter ihm her: „Ja klasse! Den halben Arsch im Dunkeln, aber vorne volle Festbeleuchtung!“ 

Igor legt sich wieder nieder und genießt die gemütliche Fahrt über die holprige Landstraße, ebenso wie ich. 

Ich höre alte Songs von Prince und bei „One of us“ singe ich laut mit „Yeah! Yeah“ God is great. Yeah! Yeah! God is good!...“, und ich meine das ernst!


Oktober 2025

Singen muss man können!

Das Frauchen läuft durchs ganze Haus, von Zimmer zu Zimmer, und reißt überall für eine Weile ein Fenster auf. Das ist das allmorgendliche Luftaustauschritual. Dabei singt sie, laut und falsch, Lieder von John Denver und James Taylor. Bei 'Whispering Jessie' legt sie besonders viel Leidenschaft und Lautstärke an den Tag, verharrt vor Igors Bett und schmettert ihm eine Strophe nach der anderen entgegen. Der Zarensohn verzieht angewidert das Gesicht. Er ist noch müde. Vor dem Nachmittag ist der grundsätzlich müde. Er ist bereit, aufzustehen, in den Garten zu gehen und sich dort sein Frühstück anreichen zu lassen. Danach möchte er sich jedoch in seine Gemächer zurückziehen und weiterschlafen. Nach dem krächtzenden Gesang seiner heiseren Hofdame steht ihm gar nicht der Sinn. Aber sie singt unbeirrt weiter. Er antwortet mit seinem gesamten Repertoire an empörter Mimik, was sie nicht beeindruckt. Sie kräht weiter. Der genervte Zarensohn bläst rhythmisch die Backen auf, verdreht die Augen, schaut gequält an die Decke, schließt die Augen wieder und wirft den Kopf seufzend auf sein Lager. Sie merkt, dass er sie mit einem Auge anschielt, hält aber nicht inne. Er schließt das Auge wieder und öffnet leicht den Mund. Sie singt wacker weiter. Ziemlich am Ende des Liedes, richtet der Gepeinigte sich schließlich auf, um mitzusingen. "Huhu-Huuu!" heult er, mit geschlossenen Augen und gen Himmel gestreckter Nase. "Huuuuh! Hömmmm!" 

Das Lied ist zu Ende, und sie schaut den Genervten genervt an. "Wenn man nicht singen kann, sollte man es besser sein lassen, eure Hoheit." rät sie ihm, beim Hinausgehen...


November 2024

Gesine Blondine...

Die Gesine steht manchmal etwas auf dem Schlauch.

Ich habe den Kamin sauber gemacht, die Scheibe poliert, neues Holz eingelegt und ihn angezündet. Die Gesine, die vorher ziemlich wild um mich herum sprang, hatte ich vorher in ihre Butze geschickt. Die Butze, das ist so eine zusammenklappbare Gitterbox, die so ziemlich mittig im Wohnzimmer steht, genau neben Herrchens Sessel. Drinne sind eine Decke und ein Kissen, und ich habe auch eine Decke darüber gehängt, so dass es eine schöne und bequeme Schlafstätte ist. Die Gesine lief dann also, auf mein Geheiß hin, in diese Butze, und ich klappte die Tür, die normalerweise immer offen steht, zu. Sie war aber nicht verschlossen, sondern nur angelehnt. 

Als ich mit dem Kamin fertig war und ein schönes, wärmendes Feuer darin knisterte, ging ich in Richtung Flur, denn ich wollte ins Bad, um mir die Hände zu waschen. Die Gesine musste ja nun nicht länger in der Butze sitzen, weshalb ich sie rief. Sie wurde auch gleich mobil, steppte von einer Pfote auf die andere und war ganz hibbelig, vor Aufregung. Ich rief sie erneut, aber sie kam nicht. Sie tanzte in der Butze hin und her, drehte sich im Kreis, fiepte und machte ein Riesenspektakel, kam aber nicht auf die Idee, die angelehnte Türe einfach einmal anzustupsen. Bei der geringsten Berührung wäre sie sofort aufgesprungen, aber dieser verrückte, kleine Hund kam nicht im Traum auf den Gedanken, die Türe selbstständig öffnen zu können. 

Ich rief sie wieder und wieder, versuchte sie irgendwie dazu zu ermuntern, ein wenig forscher zu sein. Ich hoffte, wenn sie versehentlich gegen die Türe stieße, würde der Gesine nicht nur die Türe, sondern auch ein Licht aufgehen.

Gesine rotierte wie wild in der Butze herum, stieß aber nicht gegen die Tür. Die Tür blieb also geschlossen, und sie saß dahinter und schaute dumm aus der Wäsche. 

Ich gab es auf, seufzte tief und sprach zu meinem blonden, kleinen Hund: 

"Wenn du ein Pferd wärst, du bräuchtest keinen Strom auf der Litze."

Und wie ich sie so verzweifelt hinter dem Gitter sitzen sah, so hilflos und schusselig, fügte ich noch hinzu: 

"Du bräuchtest nicht mal Litze, nur Pfähle."


September 2024

7. Gebot: Du sollst nicht stehlen!

Polle, Möppi und Gesine waren draußen im Hof. Ich hatte noch ein paar Fleischknochen, für den Igor 3 und für die Kleinen jeweils einen. 

Den Jungs gab ich ihre Knochen persönlich, aber die für die Mädels legte ich jeweils an ihren bevorzugten Ruheplatz. Den Gesinenknochen legte ich in ihre Butze, den Möppenknochen auf ihren Platz, hinten auf dem Sofa und den Pollenknochen ebenfalls auf deren Sofaplatz...

Ich rief die Drei herein, und sie stürmten gleich durch bis ins Wohnzimmer. Hunde haben unglaublich gute Nasen, denn sie haben offenbar draußen schon gewusst, dass drinnen Knochen verteilt wurden...

Und obwohl alle drei nahezu gleichzeitig hineinschossen, schaffte die listige Polle es, erst in Gesines Butze zu stürmen, ihren Knochen an sich zu raffen, mit dem Teil im Maul den Möppenknochen anzusteuern und einzusammeln, um sich, mit beiden Knochen in der Schnauze, so hinzulegen, dass ihr eigener Knochen zwischen ihren Vorderpfoten lag. Die zwei anderen legte sie dann dazu, hängte ihre üppige Halskrause über selbige und schaute unschuldig aus der Wäsche...

"Wo sind denn die ganzen Knochen?" fragte ich demonstrativ und schaute der Polle tief in die Augen. Sie mied den Blickkontakt und starrte ins Leere. 

"Polle?" fragte ich. "Hast du gestohlen?"

Polle schluckte und robbte ein Stück zur Seite, wodurch die Knochensammlung zutage trat. 

Ich nahm die zwei gestohlenen Knochen an mich und warf ihr noch einen strengen Blick zu. 

Sie schaute mich an, aber nur kurz, und dann setzte sie eine Miene auf, die eine deutliche Sprache sprach. "Naja..." sprach sie. "Es war ein Versuch."


Dezember 2025

Das perfekte Hundefutter ACHTUNG Satire! 😉

Der gemeine Hundefreund ist mittlerweile völlig überfordert mit dieser allgegenwärtigen Hundefutterwerbung, in den sozialen Netzwerken. Jeder dieser mittlerweile unzähligen Anbieter behauptet, das einzig gute Hundefutter herzustellen und zu verkaufen. Unsere Hunde sind schließlich alle krank, weil sie minderwertiges Futter fressen. Sie leiden, sie sind zu fett oder zu dünn, haben schlechtes Fell, und ihre Kacke sieht nicht schön aus. Sie sind allergisch und unverträglich, gestresst, genervt und schlecht erzogen. Die Hundesteuer ist zu teuer, das Sofa voller Haare, der Hund ungehorsam, lethargisch und aggressiv. Die Bude stinkt wie ein Pumakäfig, und in unserem Leben läuft nichts mehr rund. Aber das ist ja Gott sei Dank jetzt vorbei, denn  diese Firmen bieten uns jetzt die Universallösung für all unsere Probleme. Du musst nur ihr geniales Hundefutter kaufen, und schon ist dein Hund ein anderer Hund und du selbst bist ein anderer Mensch...

Gerade eben habe ich die Bestellung aufgegeben. Zum einzigartigen Probierpreis hab ich gleich zwei Sack von dem tollen Zeug bestellt. Meine Hunde kriegen ab sofort nichts mehr zu fressen, denn all das Futter, dass ich für sie gekauft habe, ist minderwertig und schlecht. Hoffentlich liefern sie bald, denn die Hunde haben Hunger. Ich scrolle ein Stückchen weiter, und was seh ich da? Das nächste Video, wo mir jemand wortreich erklärt, er habe ein Hundefutter entwickelt, das den bevorstehenden Weltuntergang verhindern kann, die Antwort auf alle Fragen liefert und meinen Hund nahezu unsterblich werden lässt. So ein Mist! Jetzt habe ich schon 20 kg von dem anderen Scheiß bestellt! Ach egal. "Das schenkst du dem Nachbarhund. Wenn der krepiert, ist das nicht schlimm, denn der geht dir ja eh auf die Nerven, mit seinem Gebell." denke ich mir. Also schnell eine Bestellung aufgeben! Für Neukunden gibt es ein Schnäppchenangebot: Ein kostenloser Futternapf wird mitgeliefert, bei einer Bestellung von nur fünf Sack a15 kg. Nun heißt es zugreifen, aber schnell. Mit Paypal sofort bezahlt, dürfte das Zeug in zwei Tagen vor der Haustüre stehen. Nun heißt es Platz schaffen für das viele Futter, aber erst noch mal gucken, was es bei Facebook Neues gibt. Ach herrje! Ich glaub, ich spinne. Hätte ich das mal früher gesehen! Jetzt gibt es veganes Hundefutter, und nur das darf ein Hund essen, denn sonst wird er nicht alt. Es gibt vier verschiedene Sorten, für verschiedene Altersgruppen und Aktivitäten. Am besten bestelle ich sie alle, zumal es auch einen Preisvorteil gibt, aber nur noch heute, wenn ich das 50 kg-Probierpaket bestelle. Kaum ist die Bestellung raus und die Rechnung bezahlt, da fühle ich mich auch schon deutlich besser. Ich wollte immer schon Veganer werden, aber mir fehlt einfach die Disziplin, bis jetzt. Meine Hunde können aber schon mal damit anfangen. Vielleicht zieh ich ja später nach...

Es dauert keine 3 Minuten, da fällt mein Blick auf eine weitere Werbeeinblendung. Ein Hersteller bietet Futter, welches speziell für die einzelnen Hunderassen hergestellt wird. Darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber jetzt, wo ich das hier sehe und höre, da wird mir klar, dass das ja gar nicht gut gehen konnte, was ich, in meiner sträflichen Unwissenheit, bis jetzt praktiziert habe. Man kann doch nicht einen Schäferhund mit dem gleichen Zeug füttern, wie einen Dobermann oder einen Spitz mit dem gleichen Futter, das auch ein Dackel frisst. Letzterer hat schließlich viel kürzere Beine. Darin liegt der Ursprung allen Übels. Das geht so nicht. Also schaue ich nach, ob es für meine Rasse auch ein Futter gibt. Ich stelle fest, dass es das nicht gibt. Kein spezielles Futter für Kleinspitze. Für Pomeranians haben sie eins, aber das sind ja keine Kleinspitze. Die sind ja viel kleiner und haben viel mehr Fell und große, runde Kulleraugen. Also haben sie ja einen ganz anderen Nährstoffbedarf, als meine ganz oridinären, klassischen, Deutschen Kleinspitze. Ich bin verzweifelt. Wir werden alle sterben! 

Zum Glück ist die Rettung nicht fern. Ein weiterer Hersteller bietet ein spezielles Futter für kleine Rassen bis 30 cm, die Ringelruten und Stehohren haben. Da habe ich ja noch mal Schwein gehabt. Dieses Futter ist praktisch und vielseitig, denn es kann nicht nur von Spitzen gefressen werden, sondern auch von anderen Rassen, die diese Merkmale aufweisen. Aber was mache ich mit dem Mittelspitz, der größer als 30 cm ist? Da muss ich noch weiter recherchieren. Der kann ja unmöglich jetzt das gleiche Futter fressen, wie die Kleinen. Solange ich nichts Passendes gefunden habe, kriegt der Mittelspitz erstmal gar nichts mehr zu fressen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Von dem Ringelrutenfutter fordere ich gleich eine ganze Palette, die per Spedition geliefert wird. Man hat mir nämlich einen Rabatt angeboten. So spare ich satte 15%, ich raffiniertes Schlitzohr. Das Konto ist mittlerweile überzogen, und ich überlege, mein Arbeitszimmer umzuräumen, damit noch Platz für die Palette ist. Da fällt mein Blick auf ein weiteres Werbevideo. Hundefutter mit gesunden 20% Kugelfischfilet, speziell entwickelt für rundliche Hunde. Mein Blick fällt auf Polle und Gesine. Unmöglich kann ich diesen Moppelproppen einfach das universelle Ringelrutenfutter geben. Ihre Rundungen, die sie sich nach den letzten Welpen angefressen haben, schreien geradezu nach gesundem Kugelfischfilet. Und jetzt? Während ich die Bestellung aufgebe, überlege ich wie ich die getrennte Fütterung künftig organisieren werde. Es klingelt an der Tür. Das vegane Futter wird geliefert. Ich schicke den Paketboten gleich zwei Türen weiter, zu dem Haus, in dem der fiese Köter wohnt. "Ein Geschenk vom Nikolaus!" soll er sagen, das Zeug einfach da abstellen und zusehen, dass er Land gewinnt. In der halb geöffneten Tür bleibe ich stehen und horche, ob ich irgendetwas hören kann. Ich höre Gekeife und eine zuknallende Tür. Der genervte Paketbote kommt kurz darauf zurück zu mir. Auch ich schlage ihm die Türe vor der Nase zu, und mit den Worten "Hier kommt der Nikolaus. Ho! Ho! Ho!" schmeißt er die Pakete vor meine Tür. Ich gehe ins Arbeitszimmer, lasse mich müde auf den Schreibtischstuhl plumpsen, und mein Blick fällt zwangsläufig auf den Monitor, wo gerade wieder ein neuer Werbespot läuft. Ein Hundefutter, welches Zahnstein entgegenwirkt und außerdem zuverlässig Ohrmilben tötet. Na das hätte man mir auch mal früher sagen können, dass es so etwas gibt. Das ist ja fast wie eine Krankenversicherung. Ich bestelle gleich ein paar Säcke, ärgere mich jedoch, dass es keinen Rabatt gibt, sondern nur ein Spielzeug, bei einer Mindestabnahmemenge von 20 Säcken. Es rumpelt und klötert im Hof. Die Hunde bellen. Der LWK-Fahrer quält sich mit dem Hubwagen, auf dem die Palette Ringelrutenfutter steht, fluchend über das Kopfsteinpflaster. Hätte der Doof mal vorher bei mir angerufen, dann hätte ich ihm gesagt, dass er das Zeug gleich zum Tierheim fahren kann. Ich werde meinen armen Hunden ganz gewiss kein Futter geben, das nicht wenigstens ansatzweise der Zahnsteinbildung oder dem Ohrmilbenbefall entgegenwirkt. Sie haben das beste Futter verdient, denn sie sind meine besten Freunde. Ich bin es ihnen schuldig. Während ich noch nach einem geeigneten Futter für den Mittelspitz suche, werde ich aufmerksam auf ein weiteres interessantes Produkt. Ein junger Bursche, der sich ein Stethoskop umgehängt hat und behauptet ein Tierarzt zu sein, klärt mich auf über die Risiken und Spätfolgen der gefürchteten Kokosnussalopezie, einem allergisch bedingten Haarausfall, der schuppige Haut, Juckreiz, Durchfall, eitrigen Augenausfluss und Keuchhusten verursacht. Tausende von Hunden leiden daran, da ihre Besitzer nicht wissen, dass ihr teuer bezahltes Hundefutter Spuren von Kokosnuss enthält. Aber damit ist jetzt Schluss, denn das neue "Bollo Deluxe" mit dem Non-Coco-Effekt garantiert 100%ige Kokosnussabstinenz. Ich nehme die Zusammensetzung näher unter die Lupe. Da steht nicht wirklich, was genau da drinne ist, aber es wird immer wieder betont, es sei frei von Kokosnuss. Keiner meiner Hunde hat je ein Problem mit Kokosnüssen gehabt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Erst neulich habe ich einige Kokosmakronen zerbrochen und an die hungrige Meute verteilt. Wie leichtsinnig von mir! Da hatte ich wieder mal mehr Glück, als Verstand. Ich schreibe den Hersteller an und frage nach einem Rabatt, wenn ich eine ganze Palette kaufe. Ich erhalte auch eine Antwort, verfasst in schlechtem Deutsch und wenig erfreulich, aber nachvollziehbar. Da man Millionen in die Forschung investiert, ist die Abgabe des Produktes zum reduzierten Preis nicht möglich. Ich bin ein bisschen beleidigt und bestelle erst einmal fünf Säcke a 8 kg. Vor meiner Haustüre stapeln sich Berge von Hundefuttersäcken. Ich würde gerne das Haus verlassen, um Brötchen kaufen zu gehen aber ich kriege die Tür nicht mehr auf. Meine Hunde haben Hunger. Sie jaulen, laufen unruhig umher, stupsen mich an und lecken sich die Schnauzen. Seit Tagen haben sie nichts gefressen, aber was soll ich machen? Das Kokoszeug ist noch nicht da. Ich hoffe nur, dass ich keinem Betrüger aufgesessen bin. Die Kontonummer von einer Bank auf den Niederländischen Antillen hatte mich gleich ein wenig stutzig gemacht. 

Ich ziehe in Erwägung, etwas von meinem alten Hundefutter an die Meute zu verteilen. Einige von ihnen sind mittlerweile so schwach, dass sie umher taumeln, wie Betrunkene. Aber was mache ich, wenn einer eine allergische Reaktion bekommt, wenn er plötzlich anfängt sich zu kratzen oder sein kompletter Kreislauf zusammenbricht, aufgrund der unsäglichen Mangelernährung mit minderwertigem Futter, voller Schadstoffe und Allergene? Ich müsste den kranken Hund dann in eine Decke packen oder auf ein Bettlaken legen und ihn langsam am Fenster herunterlassen. Ich selber springe beherzt hinterher. 

Es ist nicht so tief, denn auch vor den Fenstern stapeln sich mittlerweile die Pakete und Paletten. 

Ich beschließe, in einer Facebook-Gruppe nach Rat zu fragen. Und während ich nach einer geeigneten Gruppe suche, stoße ich ganz zufällig auf eine weitere Hundefutter-Werbung, die mir ein für alle mal die Augen öffnet. All die anderen haben mich nur betrogen. Sie haben mir minderwertiges, ja sogar teilweise richtig schlechtes Futter verkauft, für viel zu viel Geld. Kein einziger von ihnen hat nämlich darauf geachtet, dass die Krokettenform zum Gaumen meiner Hunde passt. Die armen Tiere hätten beim Kauen dermaßen ihre Kiefer verrenken müssen, dass sie Stunden später noch Schmerzen gehabt hätten. Ihre Schädel hätten sich verformt, das ganze Gesicht wäre schief geworden, die Augäpfel wären aus den Höhlen gefallen und sie hätten sich selbst die Zungen blutig gebissen, ja vielleicht sogar abgebissen. Ihnen währen Zähne ausgefallen, das Gehirn hätte sich im Kreis gedreht, die Atmung hätte ausgesetzt und irgendwann wären sie, mit dem Maul voll Futter, elendig erstickt. 

Und ich Trottel hielt mich für eine Hundekennerin, für eine, die weiß, worauf es ankommt. Ich habe mir eingebildet, die Bedürfnisse meiner Hunde zu kennen, und nun wird mir bewusst, dass ich gar nichts wusste. Wie vermessen von mir, dass ich mir gleich ein ganzes Rudel Hunde angeschafft habe, ohne auch nur die geringste Ahnung von deren Anatomie zu haben. Dass hier noch keiner elendig verreckt ist, grenzt an ein Wunder. Sofort fülle ich das Fragebogenformular aus. Sie wollen alles wissen, über jeden einzelnen Hund. Wie groß ist er? Wie viel wiegt er? Wie alt? Geschlecht? Rasse? Vorerkrankungen? IBAN? PIN-Nummer? Körbchengröße? Adresse? Familienstand? 

Kurz nach Mitternacht bin ich mit dem Ausfüllen fertig und freue mich auf den Besuch eines erfahrenen Veterinärmediziners, der mit meinen Hunden ein Probefressen veranstalten will. Wenn er kommt, muss er durchs Fenster hinein klettern. Das Schlafzimmerfenster ist noch einigermaßen zugänglich. Durch die oberen 50 cm scheint noch Licht hinein...


Dezember 2023

Über Katzen

Darüber, wer eigentlich intelligenter ist, der Hund oder die Katze, streiten sich die Geister. Das einige Vierbeiner ganz offensichtlich intelligenter sind, als manch ein Mensch, liegt auf der Hand. Aber ob nun der Hund oder die Katze klüger ist, das vermag ich nicht zu beurteilen.
Die Intelligenz von Hunden wird oftmals irrtümlicherweise mit ihrer Lernfähigkeit gleichgesetzt. Will sagen: Je schneller der Hund eine Übung, die der Mensch ihm antrainiert hat, beherrscht, desto schlauer ist er angeblich. Damit beschäftigen sich sogar hochrangige Wissenschaftler, wobei ich mich oft frage, was in deren Köpfen eigentlich vorgeht. Ist es wirklich ein Zeichen von Intelligenz, wenn ein Wesen nichts anderes im Sinn hat, als seinem Menschen zu gefallen und ihm zu Willen zu sein?
Dann müssten Katzen ja strunksdumm sein. Sind sie aber nicht, sind sie keineswegs. Im Gegenteil! Sie wissen ganz genau, dass sie auch ohne uns Menschen ganz gut zurechtkämen, wissen aber einen gewissen Komfort, den wir Ihnen zu bieten imstande sind, durchaus zu schätzen. Nach Hause zu kommen, dort ein behagliches Plätzchen vorzufinden und dazu noch Personal, welches einem stets zu Diensten ist, das ist doch nicht zu verachten, oder? Und von Personalführung verstehen sie etwas, diese Biester. Da sind sie den Windhunden sehr ähnlich. Die sehen nämlich nur äußerlich aus, wie ein Hund, aber in Wahrheit sind sie Katzen, eigenständige Wesen, die sicher sind, niemanden zu brauchen, da sie geniale Jäger sind, die aber einen gewissen Komfort durchaus zu schätzen wissen. Die zweibeinigen Bediensteten sollen aber im Glauben bleiben, einen Hund zu haben. Um diesen Irrglauben zu festigen, gehen Windhunde sogar so weit, andere Katzen zu jagen... Aber kommen wir zurück zu den richtigen Katzen. Wie eben schon erwähnt, sind sie durchaus mit wachem Verstand gesegnet und wissen zudem, wie ein Mensch zu lenken und zu führen ist.
Jedoch haben sie eine Eigenart, die ich nicht nachvollziehen kann. Um zu verdeutlichen, wovon ich rede, hier mal ein Beispiel, aus dem alltäglichen Zusammenleben mit einer Katze:
Du kommst nach Hause. Deine Katze stürmt herbei, laut schreiend und krakeelend und beginnt sofort, deine Beine zu umkreisen. Sie reibt sich an dir, fest und energisch, geradezu nachdrücklich, während sie zu dir aufschaut und dich anschreit. Der Mensch, in seiner Einfältigkeit, ist in einem solchen Moment geneigt, zu denken, die Katze freue sich, ihn wiederzusehen. Das ist nicht wahr. Ihr Gekeife ist kein Freudengeschrei, sondern ein erbostes Schimpfen, so nach dem Motto "Wo warst du so lange? Ich habe auf dich gewartet!" Das Reiben an deinen Beinen ist auch kein Geschmuse, keine zärtliche Geste. Nein, die Katze bekleiert dich mit ihrem Kinndrüsensekret und markiert dich somit als ihr Eigentum. Das ist quasi wie eine Art geruchliche Berufsbekleidung, die von allen Seiten, gut lesbar, mit dem Firmenlogo versehen wird, so dass jeder von Weitem schon weiß, wessen Angestellter du bist. Nun stehst du also da, schaust deine Katze an und fragst sie: "Ja, was hast du denn? Ja, was will denn meine Süße?" "Ich habe Hunger, verdammt noch mal! kreischt sie dir entgegen, und ihre Augen funkeln dich böse an. "Ich habe solchen Hunger, dass ich es kaum mehr aushalte. Du warst zu lange weg. Du hast mich hungrig hier zurückgelassen. Das wird dir noch leid tun!" Diese Botschaft hast du verstanden, zumal sie sich zwischenzeitlich immer wieder einmal das Maul geleckt hat...
Und jetzt kommt das, was ich nicht verstehe. Die Katze und du, ihr wisst beide ganz genau, in welchem Schrank das Katzenfutter steht. Die Katze weiß es eigentlich noch viel besser, als du, denn sie kann es riechen. Egal, wie gut es verpackt ist, sie weiß immer ganz genau, wo ihr Futter ist. Nun steht ihr da, immer noch an der gleichen Stelle, wo sie dich gestellt und verbellt hat, und sie umkreist dich und schreit. Du möchtest den Futterschrank ansteuern, um ihr zu geben, wonach sie verlangt. Genau das ist es, was sie will und was sie lautstark einfordert. Der Schrank ist jedoch noch einige Meter von euch entfernt, und du müsstest jetzt losgehen, um dich dorthin zu bewegen. Aber du kannst nicht gehen, zumindest nicht, ohne der Katze auf die Pfoten zu treten. Letzteres würde sie dir übel nehmen, sehr, sehr übel nehmen. Auf so etwas steht, im Reich der Katzen, die Todesstrafe. Du weißt das und bist auf der Hut. Vorsichtig versuchst du, die Katze mit den Füßen fort zu schieben, aber es gelingt dir nicht wirklich. Sie lässt nicht locker. Sie schreit und kreischt und wird dabei immer lauter und immer energischer. Dabei umkreist sie dich, ohne Unterlass. Weil dir nichts anderes übrig bleibt, schnappst du dir die Katze, hebst ihren kleinen, warmen, weichen Körper hinauf in deine Arme, gibst ihr einen zarten Kuss auf den Kopf, was sie mit bösen Blicken honoriert und trägst sie zum Futterschrank. Mit einer Hand hältst du die Katze, mit der anderen öffnest du den Schrank. Ihr schaut euch gemeinsam das darin befindliche Sortiment, in Form von Tüten, Schachteln, Dosen und anderen Verpackungen an. Du lässt die Katze aussuchen, was sie gerne haben möchte. Das ist das Klügste, was du machen kannst, denn wenn du ihr etwas Falsches servierst, fällst du bei ihr in Ungnade. Als intelligenter Mensch weißt du das und hast aus zahlreichen Fehlern gelernt. Die Katze entscheidet sich für eine Dose, gefüllt mit wohlriechender und wahrscheinlich ebenso wohlschmeckender Fleischpampe. Du nimmst die Dose an dich, drückst mit dem Ellbogen die Türe wieder zu, und nun brauchst du beide Hände, einen Löffel und ein Näpfchen, um der Katze den Inhalt der Dose zu kredenzen. Also setzt du die Katze wieder auf den Boden, aber nicht sofort, sondern erst, wenn du das Näpfchen und den Löffel auch herbeigeholt hast. Alles steht vor dir, auf dem Tisch, und das Schüsselchen wartet darauf, befüllt zu werden. Die Katze wird, wie gesagt, wieder auf dem Boden abgesetzt, wo sie gleich wieder beginnt, dich zu terrorisieren. Sie trampelt auf deinen Füßen herum, reißt an deinen Socken, an deinen Leggings und an deinen Schuhen, zieht Fäden aus deiner Kleidung und macht kleine Noppen ins Schuhleder, während du dich bemühst, möglichst schnell die Dose zu öffnen, um einen Teil des Inhaltes in das Näpfchen zu kratzen. Je höher der Anteil an Muskelfleisch, desto fester ist die Pampe, in so einer Dose. Du kriegst sie so einfach nicht da raus, und wenn sie erst in der Schale ist, dann musst du die Klumpen noch in kleine Stückchen zerteilen, damit die Katze nicht auf die Idee kommt, mit mausgroßen Brocken im Maul, durchs Haus zu laufen und das Mobiliar damit zu beschmutzen. Man kann den Inhalt der Dose auch mit einer Gabel fein zerdrücken. Katzen lieben es, wenn man ihr Futter derart anrichtet. Jedoch hassen sie es, auf ihr Futter zu warten. Dabei ist es ganz egal, ob die Wartezeit nur wenige Sekunden beträgt oder endlose, qualvolle Minuten. Die Katze ist nämlich kurz davor, zu verhungern, und so ein Hungertod ist schmerzhaft und qualvoll. Schließlich hat sie die ganze Zeit, wo sie alleine gewesen ist, Kohldampf geschoben. Na ja, vielleicht hat sie hier und da ein paar Bröckchen von dem Trockenfutter gefressen, das immer da steht. Vielleicht war sie auch draußen und hat sich eine fette Maus, einen Vogel oder sogar eine Ratte gefangen und verspeist. Aber sobald eine Katze ihren Menschen sieht, ist sie hungrig, sehr, sehr hungrig. Und so beginnt sie erneut, dich zu umkreisen, Ihr Firmenlogo auf deine Beine zu kleben, auf deinen Füßen herum zu stapfen, deine Kleidung zu beschädigen und dein Trommelfell zu quälen, mit immer lauter werdendem Geschrei. Das Geschrei ist von mannigfaltiger Natur. Mal klingt es gequält, mal wütend, mal selbstmitleidig, mal vorwurfsvoll und mal hasserfüllt. Mal ist es ein Appell an dein Mitgefühl, um kurz darauf zu einer brutalen Morddrohung anzuschwellen. Die Katze zieht alle Register, um dich zur Eile anzutreiben. Du redest beruhigend auf sie ein, erzählst ihr das, was sie eigentlich weiß, aber offenbar völlig ausgeblendet hat, nämlich, dass du längst dabei bist, das gewünschte Futter in angemessener Art und Weise für sie anzurichten. Aber sie schreit und schreit. Irgendwann hast du es geschafft. Die Pampe ist verzehrfertig im Näpfchen ihrer Hoheit, und du musst es nur noch zu ihrem bevorzugten Fressplatz hintragen. Sie einfach mitten in der Küche zu verköstigen, wäre ihrer nicht würdig, würde ihr missfallen, würde sie unter Umständen derart verstimmen, dass sie eventuell gar nicht erst fräße. Du weißt das, weißt auch, wo sie gerne sitzen und speisen möchte, und bist nun bestrebt, ihr Futter möglichst schnell dorthin zu tragen. Leider ist es dir unmöglich, denn die mittlerweile völlig hysterische Katze trampelt weiterhin auf deine Füße, drückt sich, in Achten, um deine Beine herum und verhindert, mit vollem Körpereinsatz, dass du auch nur einen Zentimeter vorwärts kommst. "Nun lass mich doch mal gehen!" sprichst du deine Katze an. "Wie soll ich dir denn dein Näpfchen an deinen Fressplatz stellen, wenn du mich nicht laufen lässt?"
"Ich habe Hunger!" lautet die spontane Antwort. "Ich verhungere! Verstehst du mich nicht, Mensch? Ich bin kurz davor, am Hunger zu sterben! Mir ist schon ganz schlecht!"
Du versuchst erneut, die Katze mit den Beinen ein wenig von dir wegzuschubsen, was auch gelingt. Sie kommt allerdings sofort wieder zurück, einem Bumerang ähnlich. Irgendwie schaffst du es trotzdem, innerhalb weniger Minuten eine Strecke von mehreren Zentimetern zurückzulegen. Die Katze ist zwischenzeitlich mehrere Hungertode gestorben, hat aber nicht aufgehört, zu schreien und dich zu belagern.
Die einzige Möglichkeit, aus dieser unangenehmen Situation zu entkommen ist die, sich die Katze unter den Arm zu klemmen und sie, trotz ihres heftigen Protestes, zusammen mit ihrer Futterschüssel, zum Fressplatz zu tragen, wo man beides eiligst auf dem Boden abstellt. In dem Moment schaut die Katze, für gewöhnlich, noch einmal mit hasserfüllten Augen zu dir auf, um dir zu sagen, dass sie nicht zufrieden ist, mit deinen Diensten, mit deiner völlig unzulänglichen Art, ihr Futter zu servieren und dass sie erwartet, dass du dein Verhalten überdenkst und überarbeitest, um beim nächsten Mal nicht wieder so zu versagen. Dann beginnt sie gnädig, zu fressen, und du machst dich schnell vom Acker, schleppst dich zum nächsten Stuhl, auf dem du erst einmal zusammensackst, müde, gestresst, aber auch froh und dankbar darüber, dass das Vieh jetzt endlich die Klappe hält.
Die eben beschriebene Situation ist übrigens noch relativ harmlos, da es sich, bei diesem Beispiel, um nur eine einzige Katze handelt. Wenn du mehrere hast, kannst du sie nicht einfach nehmen und von A nach B tragen, so wie hier beschrieben. Dann hast du es wirklich schwer, denn sie belagern dich zu Mehreren, und ein Fortkommen ist kaum mehr möglich.
Und wann immer ich in meinem Leben mich einer solchen Situation gegenüber sah, habe ich mich gefragt, wie man so dämlich sein kann, so unbeschreiblich dämlich. Den Katzen müsse doch klar sein, dachte ich, dass sie mit ihrem Verhalten den Fütterungsprozess nur unnötig lang hinauszögern. Eine mögliche Erklärung war die, dass diese Katzen gar nicht wirklich hungrig seien und sich deshalb derartige Spielchen erlauben könnten. Jedoch habe ich genau das gleiche Verhalten auch schon bei Katzen erlebt, die wirklich sehr, sehr, sehr hungrig waren, ja geradezu ausgehungert. Ich habe in der Vergangenheit hier und da der Fütterung freilebender Streuner beigewohnt und ihr Verhalten genau beobachtet. Hier wurden Katzen gefüttert, die wirklich regelrecht unterernährt waren und dieses Futter dringend brauchten. Aber auch sie legten genau dieses Verhalten an den Tag, welches ich nicht nachvollziehen kann. Anstatt den Menschen einfach machen zu lassen, damit sie schnell an das ersehnte Futter kommen, behindern sie ihn, bei seiner Arbeit, blockieren ihn und bepöbeln ihn lauthals. Katzen sind schon komische Tiere. Da ich mich aber viele Jahre lang sehr intensiv mit ihnen beschäftigt habe, weiß ich, dass sie alles andere als unintelligent sind. Sie denken rationell und haben eine schnelle Auffassungsgabe. Bestimmt haben sie für ihr Verhalten einen Grund, der uns Menschen einfach noch nicht bekannt ist. Uns ist vieles nicht bekannt, was in ihren Köpfen vor sich geht. Sie sind mystische Wesen, voller Geheimnisse, voller herausragender Fähigkeiten, voller nicht nachvollziehbarer Eigenarten und mit einem hochsensiblen Seelen leben. Ich weiß, dass es Katzen gibt, die immer nur nett zu den Menschen sind, die ihnen gerade Gutes tun. Ich weiß aber auch, dass einige unter ihnen einen bestimmten Menschen wirklich abgöttisch lieben. So weiß ich, dass unsere Miezekatze das Herrchen verehrt. Egal wo sie sich aufhält, sie bekommt es mit, wenn sein Auto sich unserem Hof nähert und eilt sofort herbei. Mich mag sie irgendwie auch, aber nur so irgendwie. Ich hatte in meinem Leben auch zwei Katzen, die mich geliebt haben, wie sonst niemanden. Das waren meine wundervolle Monty und, viele Jahre später, die einzigartige Wilhelmine, jene Göttin in Katzengestalt, die über übersinnliche Fähigkeiten verfügte und mich immer wieder verblüffte. Aber auch diese zwei wundervollen Wesen legten die oben beschriebene Unart an den Tag und ließen mich so manches Mal an ihrem Verstand zweifeln.
Hunde, selbst wenn es Windhunde sind, sind da ganz anders. Es reicht ein kurzer, knapper Befehl, und sie treten ehrfurchtsvoll beiseite. Ein gut erzogener Hund ist seinen Menschen niemals im Weg, denn er ist stets bemüht, ihm zu gefallen. Ein wirklich guter Hund ist immer dort, wo er hingehört, nämlich treu an der Seite seines Herrn, ohne ihm jemals im Wege zu sein. Ein guter Hund ist dem Menschen untertan, ohne sich schlecht dabei zu fühlen. Viel mehr genießt er die Sicherheit und Geborgenheit, die ein guter, souveräner Rudelführer in Menschengestalt Ihnen bietet.
Die Katzen hingegen haben schon vor Tausenden von Jahren insgeheim die Weltherrschaft ergriffen. Und während wir Menschen, in unserer Dummheit, unserem Wahn und unserer Selbstherrlichkeit, nach wie vor Kriege führen, um möglichst große Gebiete beherrschen zu können, haben die Katzen all das schon lange, lange fest im Griff. Sie sind die wahren Herrscher, auf diesem Planeten. Sie sind die wirkliche Krone der Schöpfung, denn sie haben sogar uns Menschen unter Kontrolle. Sobald ein Mensch sich auf das Abenteuer Katzenhaltung eingelassen hat, begibt er sich kampflos unter das Joch dieser samtpfotigen, schnurrenden und gurrenden, schmusenden und zärtlich zirpenden kleinen Hoheit, die keine Sekunde zögert, ihren neuen Thron zu besteigen und das Regiment über ihr Königreich zu übernehmen. Selbst die kleinste und schwächste unter ihnen hat es drauf, einen Menschen zu versklaven, zu lenken und zu manipulieren.
Wer jetzt an dieser Stelle anfängt, darüber nachzugrübeln, wer jetzt hier intelligenter ist, der Mensch, der Hund oder die Katze, der kommt zu keinem Ergebnis. Die Intelligenz lässt sich nicht so ohne weiteres messen, sie ist so facettenreich und hat so viele Gesichter, dass man das eine nicht mit dem anderen vergleichen kann. Jedes Lebewesen bekommt so viel Verstand mit auf den Weg, wie es benötigt, um entsprechend seiner Fähigkeiten, seiner körperlichen Beschaffenheit, seinem Lebensumfeld und seinen persönlichen Bedürfnissen irgendwie gut wegzukommen. Wir Menschen tun uns damit definitiv am schwersten, bilden uns aber ein, die Krone der Schöpfung zu sein, das Genialste, was die Evolution je hervorgebracht hat. Ob das, meiner Meinung nach, wirklich so ist, darüber will ich mich nicht näher äußern. Man könnte es mir übel nehmen...
Das Foto zeigt meine Gnaddelbüdel-Katze Linda. 🥳


Dezember 2020

Möppi will mit

Meine Möppi...

Mein Möppen, der beste Hund auf Erden, verblüfft mich nicht nur immer wieder, sondern sie bringt mich auch zum schmunzeln. So geschehen erst gestern:

Wir schickten uns an, das Haus zu verlassen. Alle Hunde, mit Ausnahme von Möppi und ihren Kindern, waren bereits ins Auto gepackt... Die Standheizung lief, und ich hatte gerade meine wärmste "gute" Jacke angezogen, als der resolute, kleine, rote Hund sich demonstrativ vor mich hin stellte. 

Dies tat sie aber nicht an irgendeinem Ort, sondern genau dort, wo die Halsbänder der "Möppense", wie ich alle meine Spitze nenne, hängen. Dort hing nämlich nur noch eines, das von Möppi...

Und sie sprang auf und ab, als ich stehen blieb, hielt inne, schaute zu ihrem Halskettchen hinauf, sprang wieder auf und ab...

"Nein Möppi! Du kannst nicht mitfahren." sagte ich ihr und ging, einen großen Schritt über sie hinweg tuend, weiter. Vor der Türe zum Anbau stellte sie mich erneut und tat mir gestenreich kund, dass sie mitzufahren gedächte, notfalls auch ohne Halsband und Hundemarke...

"Nein Möppi! Du musst bei deinen Kindern bleiben." erklärte ich und schob sie sanft beiseite...

Möppi rannte ins Wohnzimmer, wo die Wurfkiste steht, und ich hörte Charming Traudls wütendes Protestgeschrei. In der Kiste rumorte es. Als ich hinzu kam, sah ich, wie Möppi sichtlich bemüht war, die Babys mobil zu machen...

Ich dachte mir "Was soll das jetzt werden?", bis mir klar wurde, dass es wohl Möppis Absicht sei, die Babys dazu zu bewegen, sich ebenfalls an der Türe anzustellen, um mitgenommen zu werden oder zumindest lautstark zu protestieren. Da diese aber nicht wollten, ließ Möppi sie weiter schlafen und trat erneut vor mich hin...

Sie schaute mich an, schaute zur Kiste und wieder zu mir, und ihr Blick sagte "Mit den Kleinen ist alles in Ordnung. Wir können fahren!"

Ihre ganze Körpersprache ließ keinen Zweifel daran, dass es ihr ernst war. Sie wollte mit.

Ich nahm sie in meine Arme, drückte und herzte sie und versprach ihr wortreich, dass schon sehr bald wir alle gemeinsam auf Tour gehen würden. "Aber nun..." flüsterte ich ihr zu "... nun musst du noch eine Weile das Haus und die Kinder hüten. Wir sind ja auch bald wieder da."

Das Möppen gulpte. Immer wenn etwas sie erregt oder beunruhigt, dann gulpt sie...

Ich holte ein Stück gedörrte Entenbrust und gab es ihr, als kleinen Trost...

Mit verständigem Blick nahm sie das Teil aus meiner Hand und trippelte zügig in Richtung Wohnzimmer, wo sie sich, neben der Kiste, vor den Kamin legte, in dem ein wärmendes Feuer leise knisterte...

Im Schein der Flammen lag sie dort, knabberte ihr Entenbruststück und richtete eines ihrer Ohren immer wieder einmal in Richtung der Kiste, in der ihre geliebten Kinder ruhig schliefen...

Als ich hinaus ging, warf ich noch einen letzten Blick auf sie, den sie kurz erwiderte. Ihr Blick war zugleich liebevoll, aber auch fest und entschlossen, und ich wusste genau, was er mir sagen wollte: 

"Geh nur! Ich halte hier die Stellung. Aber komm bald wieder. Ohne dich ist es doof!"

Mal so über Katzen...

Darüber, wer eigentlich intelligenter ist, der Hund oder die Katze, streiten sich die Geister. Das einige Vierbeiner ganz offensichtlich intelligenter sind, als manch ein Mensch, liegt auf der Hand. Aber ob nun der Hund oder die Katze klüger ist, das vermag ich nicht zu beurteilen. 

Die Intelligenz von Hunden wird oftmals irrtümlicherweise mit ihrer Lernfähigkeit gleichgesetzt. Will sagen: Je schneller der Hund eine Übung, die der Mensch ihm antrainiert hat, beherrscht, desto schlauer ist er angeblich. Damit beschäftigen sich sogar hochrangige Wissenschaftler, wobei ich mich oft frage, was in deren Köpfen eigentlich vorgeht. Ist es wirklich ein Zeichen von Intelligenz, wenn ein Wesen nichts anderes im Sinn hat, als seinem Menschen zu gefallen und ihm zu Willen zu sein? 

Dann müssten Katzen ja strunksdumm sein. Sind sie aber nicht, sind sie keineswegs. Im Gegenteil! Sie wissen ganz genau, dass sie auch ohne uns Menschen ganz gut zurechtkämmen, wissen aber einen gewissen Komfort, den wir Ihnen zu bieten imstande sind, durchaus zu schätzen. Nach Hause zu kommen, dort ein behagliches Plätzchen vorzufinden und dazu noch Personal, welches einem stets zu Diensten ist, das ist doch nicht zu verachten, oder? Und von Personalführung verstehen sie etwas, diese Biester. Da sind sie den Windhunden sehr ähnlich. Die sehen nämlich nur äußerlich aus, wie ein Hund, aber in Wahrheit sind sie Katzen, eigenständige Wesen, die sicher sind, niemanden zu brauchen, da sie geniale Jäger sind, die aber einen gewissen Komfort durchaus zu schätzen wissen. Die zweibeinigen Bediensteten sollen aber im Glauben bleiben, einen Hund zu haben. Um diesen Irrglauben zu festigen, gehen Windhunde sogar soweit, andere Katzen zu jagen... Aber kommen wir zurück zu den richtigen Katzen. Wie eben schon erwähnt, sind sie durchaus mit wachem Verstand gesegnet und wissen zudem, wie ein Mensch zu lenken und zu führen ist. 

Jedoch haben sie eine Eigenart, die ich nicht nachvollziehen kann. Um zu verdeutlichen, wovon ich rede, hier mal ein Beispiel, aus dem alltäglichen Zusammenleben mit einer Katze: 

Du kommst nach Hause. Deine Katze stürmt herbei, laut geschreiend und krakelend und beginnt sofort, deine Beine zu umkreisen. Sie reibt sich an dir, fest und energisch, geradezu nachdrücklich, während sie zu dir aufschaut und dich anschreit. Der Mensch, in seiner Einfältigkeit, ist in einem solchen Moment geneigt, zu denken, die Katze freue sich, ihn wiederzusehen. Das ist nicht wahr. Ihr Gekeife ist kein Freudengeschrei, sondern ein erbostes Schimpfen, so nach dem Motto "Wo warst du so lange? Ich habe auf dich gewartet!" Das Reiben an deinen Beinen ist auch kein Geschmuse, keine zärtliche Geste. Nein, die Katze bekleiert dich mit ihrem Kinndrüsensekret und markiert dich somit als ihr Eigentum. Das ist quasi wie eine Art geruchliche Berufsbekleidung, die von allen Seiten, gut lesbar, mit dem Firmenlogo versehen wird, so dass jeder von Weitem schon weiß, wessen Angestellter du bist. Nun stehst du also da, schaust deine Katze an und fragst sie: "Ja, was hast du denn ? Ja, was will denn meine Süße?" "Ich habe Hunger, verdammt noch mal! kreischt sie dir entgegen, und ihre Augen funkeln dich böse an. "Ich habe solchen Hunger, dass ich es kaum mehr aushalte. Du warst zu lange weg. Du hast mich hungrig hier zurückgelassen. Das wird dir noch leid tun!" Diese Botschaft hast du verstanden, zumal sie sich zwischenzeitlich immer wieder einmal das Maul geleckt hat... 

Und jetzt kommt das, was ich nicht verstehe. Die Katze und du, ihr wisst beide ganz genau, in welchem Schrank das Katzenfutter steht. Die Katze weiß es eigentlich noch viel besser, als du, denn sie kann es riechen. Egal, wie gut es verpackt ist, sie weiß immer ganz genau, wo ihr Futter ist. Nun steht ihr da, immer noch an der gleichen Stelle, wo sie dich gestellt und verbellt hat, und sie umkreist dich und schreit. Du möchtest den Futterschrank ansteuern, um ihr zu geben, wonach sie verlangt. Genau das ist es, was sie will und was sie lautstark einfordert. Der Schrank ist jedoch noch einige Meter von euch entfernt, und du müsstest jetzt losgehen, um dich dorthin zu bewegen. Aber du kannst nicht gehen, zumindest nicht, ohne der Katze auf die Pfoten zu treten. Letzteres würde sie dir übel nehmen, sehr, sehr übel nehmen. Auf so etwas steht, im Reich der Katzen, die Todesstrafe. Du weißt das und bist auf der Hut. Vorsichtig versuchst du, die Katze mit den Füßen aufseite zu schieben, aber es gelingt dir nicht wirklich. Sie lässt nicht locker. Sie schreit und kreischt und wird dabei immer lauter und immer energischer. Dabei umkreist sie dich, ohne Unterlass. Weil dir nichts anderes übrig bleibt, schnappst du dir die Katze, hebst ihren kleinen, warmen, weichen Körper hinauf in deine Arme, gibst ihr einen zarten Kuss auf den Kopf, was sie mit bösen Blicken honoriert und trägst sie zum Futterschrank. Mit einer Hand hältst du die Katze, mit der anderen öffnest du den Schrank. Ihr schaut euch gemeinsam das darin befindliche Sortiment, in Form von Tüten, Schachteln, Dosen und anderen Verpackungen an. Du lässt die Katze aussuchen, was sie gerne haben möchte. Das ist das Klügste, was du machen kannst, denn wenn du ihr etwas Falsches servierst, fällst du bei ihr in Ungnade. Als intelligenter Mensch weißt du das und hast aus zahlreichen Fehlern gelernt. Die Katze entscheidet sich für eine Dose, gefüllt mit wohlriechender und wahrscheinlich ebenso gutschmeckender Fleischpampe. Du nimmst die Dose an dich, drückst mit dem Ellbogen die Türe wieder zu, und nun brauchst du beide Hände, einen Löffel und ein Näpfchen, um der Katze den Inhalt der Dose zu kredenzen. Also setzt du die Katze wieder auf den Boden, aber nicht sofort, sondern erst, wenn du das Näpfchen und den Löffel auch herbei geholt hast. Alles steht vor dir, auf dem Tisch, und das Schüsselchen wartet darauf, befüllt zu werden. Die Katze wird, wie gesagt, wieder auf dem Boden abgesetzt, wo sie gleich wieder beginnt, dich zu terrorisieren. Sie trampelt auf deinen Füßen herum, reißt an deinen Socken, an deinen Leggings und an deinen Schuhen, zieht Fäden aus deiner Kleidung und macht kleine Noppen ins Schuhleder, während du dich bemühst, möglichst schnell die Dose zu öffnen, um einen Teil des Inhaltes in das Näpfchen zu kratzen. Je höher der Anteil an Muskelfleisch, desto fester ist die Pampe, in so einer Dose. Du kriegst sie so einfach nicht da raus, und wenn sie erst in der Schale ist, dann musst du die Klumpen noch in kleine Stückchen zerteilen, damit die Katze nicht auf die Idee kommt, mit mausgroßen Brocken im Maul, durchs Haus zu laufen und das Mobiliar damit zu beschmutzen. Man kann den Inhalt der Dose auch mit einer Gabel fein zerdrücken. Katzen lieben es, wenn man ihr Futter derart anrichtet. Jedoch hassen sie es, auf ihr Futter zu warten. Dabei ist es ganz egal, ob die Wartezeit nur wenige Sekunden beträgt oder endlose, qualvolle Minuten. Die Katze ist nämlich kurz davor, zu verhungern, und so ein Hungertod ist schmerzhaft und qualvoll. Schließlich hat sie die ganze Zeit, wo sie alleine gewesen ist, Kohldampf geschoben. Na ja, vielleicht hat sie hier und da ein paar Bröckchen von dem Trockenfutter gefressen, das immer da steht. Vielleicht war sie auch draußen und hat sich eine fette Maus, einen Vogel oder sogar eine Ratte gefangen und verspeist. Aber sobald eine Katze ihren Menschen sieht, ist sie hungrig, sehr, sehr hungrig. Und so beginnt sie erneut, dich zu umkreisen, Ihr Firmenlogo auf deine Beine zu kleben, auf deinen Füßen herum zu stapfen, deine Kleidung zu beschädigen und dein Trommelfell zu quälen, mit immer lauter werdendem Geschrei. Das Geschrei ist von mannigfaltiger Natur. Mal klingt es gequält, mal wütend, mal selbstmitleidig, mal vorwurfsvoll und mal hasserfüllt. Mal ist es ein Appell an dein Mitgefühl, um kurz darauf zu einer brutalen Morddrohung anzuschwellen. Die Katze zieht alle Register, um dich zur Eile anzutreiben. Du redest beruhigend auf sie ein, erzählst ihr das, was sie eigentlich weiß, aber offenbar völlig ausgeblendet hat, nämlich, dass du längst dabei bist, das gewünschte Futter in angemessener Art und Weise für Sie anzurichten. Aber sie schreit und schreit. Irgendwann hast du es geschafft. Die Pampe ist verzehrfertig im Näpfchen ihrer Hoheit, und du musst es nur noch zu ihrem bevorzugten Fressplatz hintragen. Sie einfach mitten in der Küche zu verköstigen, wäre ihrer nicht würdig, würde ihr missfallen, würde sie unter Umständen derart verstimmen, dass sie eventuell gar nicht erst fräße. Du weißt das, weißt auch, wo sie gerne sitzen und speisen möchte, und bist nun bestrebt, ihr Futter möglichst schnell dorthin zu tragen. Leider ist es dir unmöglich, denn die mittlerweile völlig hysterische Katze trampelt weiterhin auf deine Füße, drückt sich, in Achten, um deine Beine herum und verhindert, mit vollem Körpereinsatz, dass du auch nur einen Zentimeter vorwärts kommst. "Nun lass mich doch mal gehen!" sprichst du deine Katze an. "Wie soll ich dir denn dein Näpfchen an deinen Fressplatz stellen, wenn du mich nicht laufen lässt?" 

"Ich habe Hunger!" lautet die spontane Antwort. "Ich verhungere! Verstehst du mich nicht, Mensch? Ich bin kurz davor, am Hunger zu sterben! Mir ist schon ganz schlecht!"

Du versuchst erneut, die Katze mit den Beinen ein wenig von dir wegzuschubsen, was auch gelingt. Sie kommt allerdings sofort wieder zurück, einen Bumerang ähnlich. Irgendwie schaffst du es trotzdem, innerhalb weniger Minuten eine Strecke von mehreren Zentimetern zurückzulegen. Die Katze ist zwischenzeitlich mehrere Hungertode gestorben, hat aber nicht aufgehört, zu schreien und dich zu belagern. 

Die einzige Möglichkeit, aus dieser unangenehmen Situation zu entkommen ist die, sich die Katze unter den Arm zu klemmen und sie, trotz ihres heftigen Protestes, zusammen mit ihrer Futterschüssel, zum Fressplatz zu tragen, wo man beides eiligst auf dem Boden abstellt. In dem Moment schaut die Katze, für gewöhnlich, noch einmal mit hasserfüllten Augen zu dir auf, um dir zu sagen, dass sie nicht zufrieden ist, mit deinen Diensten, mit deiner völlig unzulänglichen Art, ihr Futter zu servieren und dass sie erwartet, dass du dein Verhalten überdenkst und überarbeitest, um beim nächsten Mal nicht wieder so zu versagen. Dann beginnt sie gnädig, zu fressen, und du machst dich schnell vom Acker, schleppst dich zum nächsten Stuhl, auf dem du erst einmal zusammensackst, müde, gestresst, aber auch froh und dankbar darüber, dass das Vieh jetzt endlich die Klappe hält.

Die eben beschriebene Situation ist übrigens noch relativ harmlos, da es sich, bei diesem Beispiel, um nur eine einzige Katze handelt. Wenn du mehrere hast, kannst du sie nicht einfach nehmen und von A nach B tragen, so wie hier beschrieben. Dann hast du es wirklich schwer, denn sie belagern dich zu Mehreren, und ein Fortkommen ist kaum mehr möglich.

Und wann immer ich in meinem Leben mich einer solchen Situation gegenüber sah, habe ich mich gefragt, wie man so dämlich sein kann, so unbeschreiblich dämlich. Den Katzen müsse doch klar sein, dachte ich, dass sie mit ihrem Verhalten den Fütterungsprozess nur unnötig lang hinauszögern. Eine mögliche Erklärung war die, dass diese Katzen gar nicht wirklich hungrig seien und sich deshalb derartige Spielchen erlauben könnten. Jedoch habe ich genau das gleiche Verhalten auch schon bei Katzen erlebt, die wirklich sehr, sehr sehr hungrig waren, ja geradezu ausgehungert. Ich habe in der Vergangenheit hier und da der Fütterung freilebender Streuner beigewohnt und ihr Verhalten genau beobachtet. Hier wurden Katzen gefüttert, die wirklich regelrecht unterernährt waren und dieses Futter dringend brauchten. Aber auch sie legten genau dieses Verhalten an den Tag, welches ich nicht nachvollziehen kann. Anstatt den Menschen einfach machen zu lassen, damit sie schnell an das ersehnte Futter kommen, behindern sie ihn, bei seiner Arbeit, blockieren ihn und bepöbeln ihn lauthals. Katzen sind schon komische Tiere. Da ich mich aber viele Jahre lang sehr intensiv mit ihnen beschäftigt habe, weiß ich, dass sie alles andere als unintelligent sind. Sie denken rationell und haben eine schnelle auffassungsgabe. Bestimmt haben sie für ihr Verhalten einen Grund, der uns Menschen einfach noch nicht bekannt ist. Uns ist vieles nicht bekannt, was in ihren Köpfen vor sich geht. Sie sind mystische Wesen, voller Geheimnisse, voller herausragender Fähigkeiten, voller nicht nachvollziehbarer Eigenarten und mit einem hochsensiblen Seelen leben. Ich weiß, dass es Katzen gibt, die immer nur nett zu den Menschen sind, die ihnen gerade Gutes tun. Ich weiß aber auch, dass einige unter ihnen einen bestimmten Menschen wirklich abgöttisch lieben. So weiß ich, dass unsere miezekatze das Herrchen verehrt. Egal wo sie sich aufhält, sie bekommt es mit, wenn sein Auto sich unserem Hof nähert und eilt sofort herbei. Mich mag sie irgendwie auch, aber nur so irgendwie. Ich hatte in meinem Leben auch zwei Katzen, die mich geliebt haben, wie sonst niemanden. Das waren meine wundervolle Monty und, viele Jahre später, die einzigartige Wilhelmine, jene Göttin in Katzengestalt, die über übersinnliche Fähigkeiten verfügte und mich immer wieder verblüffte. Aber auch diese zwei wundervollen Wesen legten die oben beschriebene Unart an den Tag und ließen mich so manches Mal an ihrem Verstand zweifeln.

Hunde, selbst wenn es Windhunde sind, sind da ganz anders. Es reicht ein kurzer, knapper Befehl und sie treten ehrfurchtsvoll beiseite. Ein guter  Hund ist seinen Menschen niemals im Weg, denn er ist stets bemüht, ihm zu gefallen. Ein wirklich guter Hund ist immer dort, wo er hingehört, nämlich treu an der Seite seines Herrn, ohne ihm jemals im Wege zu sein. Ein guter Hund ist dem Menschen untertan, ohne sich schlecht dabei zu fühlen. Vielmehr genießt er die Sicherheit und Geborgenheit, die ein guter, souveräner Rudelführer in Menschengestalt Ihnen bietet.

Die Katzen hingegen haben schon vor Tausenden von Jahren insgeheim die Weltherrschaft ergriffen. Und während wir Menschen, in unserer Dummheit, unserem Wahn und unserer Selbstherrlichkeit, nach wie vor Kriege führen, um möglichst große Gebiete beherrschen zu können, haben die Katzen all das schon lange, lange fest im Griff. Sie sind die wahren Herrscher auf diesem Planeten. Sie sind die wirkliche Krone der Schöpfung, denn sie haben sogar uns Menschen unter Kontrolle. Sobald ein Mensch sich auf das Abenteuer Katzenhaltung eingelassen hat, begibt er sich kampflos unter das Joch dieser samtfotigen, schnurrenden und gurrenden, schmusenden und zärtlich zirpenden kleinen Hoheit, die keine Sekunde zögert, ihren neuen Thron zu besteigen und das Regiment über ihr Königreich zu übernehmen. Selbst die kleinste und schwächste unter ihnen hat es drauf, einen Menschen zu versklaven, zu lenken und zu manipulieren.

Wer jetzt an dieser Stelle anfängt, darüber nachzugrübeln, wer jetzt hier intelligenter ist, der Mensch, der Hund oder die Katze, der kommt zu keinem Ergebnis. Die Intelligenz lässt sich nicht so ohne weiteres messen, sie ist so facettenreich und hat so viele Gesichter, dass man das Eine nicht mit dem Anderen vergleichen kann. Jedes Lebewesen bekommt so viel Verstand mit auf den Weg, wie es benötigt, um entsprechend seiner Fähigkeiten, seiner körperlichen Beschaffenheit, seinem Lebensumfeld und seinen persönlichen Bedürfnissen irgendwie gut wegzukommen. Wir Menschen tun uns damit definitiv am schwersten, bilden uns aber ein, die Krone der Schöpfung zu sein, das Genialste, was die Evolution je hervorgebracht hat. Ob das, meiner Meinung nach, wirklich so ist, darüber will ich mich nicht näher äußern. Man könnte es mir übel nehmen...


Mai 2026

Der Skeg...

Vorhin bin ich auf dem Sofa einfach eingeschlafen. Skeggi hat sich derweil in meinem Arbeitszimmer umgesehen und einen Beleg gefunden, der wohl vom Schreibtisch gefallen sein muss. Als ich wach wurde, hörte ich rupfende Geräusche. Das war der Skeg, der sich als Aktenvernichter betätigte. 

Als ich das realisierte, erschrak ich und rief "Och Skeeg! Was machst du denn da?" 

Und was macht der gute Junge?

Er sprang auf, eilte herbei, den Rest vom Zettel im Maul, und brachte ihn zu mir. Er richtete sich auf, legte seine Pfötchen auf mein Knie und legte den Zettel in meinem Schoß. 

Das hat er schon zweimal gemacht, einmal, als er gescholten wurde, weil er sich anschickte, einen Quarkbecher zu zerbeißen und einmal, als er einem Stofffrosch das Auge abbeißen wollte. Da kam er auch jeweils blitzschnell angerannt und brachte mir das Corpus Delikti...

Und was soll man dann machen?

Weiterschimpfen?

Das geht nicht. Er entwaffnet einen regelrecht, mit seiner entgegenkommenden Art.


Juni 2021

Pferde

Kennt ihr das? 

Kennt ihr diese einzigartige Ruhe und diesen tiefen Frieden, den nur ein Pferd ausstrahlen kann? 

Man muss auf einem Pferd nicht reiten oder sonst etwas damit machen, damit es einem etwas gibt, was unbezahlbar ist. Es reicht vollkommen aus, sich in seiner Nähe aufzuhalten und es zu beobachten. Der Duft eines gesunden, gepflegten und gut ernährten Pferdes ist betörender, als jedes Parfum. Der warme Atem, aus den Nüstern eines Pferdes, der einen zart streift, ist eine der schönsten Berührungen, die man erfahren kann. Der Klang grasender Pferde, malmend, rupfend und mit dem Schweif gelegentlich nach einer Fliege schlagend, ist die schönste Musik, für das Ohr eines Pferdefreundes. Wann immer ich traurig bin, verzweifelt und nicht mehr wissend, warum und wozu das alles, gehe ich hinaus zu meinem Pferden, und dort vergesse ich Raum und Zeit und Kummer und Schmerz. 

Wenn ein Pferd dir folgt, einfach so, aus freien Stücken, weil es in deiner Nähe sein möchte, wenn du das Stampfen seiner Hufe hinter dir hörst und seinen Atem im Rücken spürst, wenn du dich umdrehst, mit den Händen nach dem Pferdekopf greifst, dein Gesicht an seine Stirn drückst und ihm einen Kuss auf die Nase gibst und dein Pferd still verharrt und diese ziemlich menschliche Form harmonischer Zweisamkeit ebenfalls zu genießen scheint, dann ist dies ein emotionaler und wunderschöner Augenblick. Pferde tun Menschen gut, zumindest denen, die dafür geboren sind...